Borna Sosa (re.) setzt sich im kroatischen Nationalmannschaftsdress gegen Russlands Arsen Zakharyan durch. Foto: AFP/Natalia Kolenivkova

Für VfB-Linksverteidiger Borna Sosa läuft es nach seinem gescheiterten Fremdgehversuch zum Deutschen Fußball-Bund sehr gut im kroatischen Nationalteam. Sammelt er dort bald auch Scorerpunkte wie im Verein?

Stuttgart - Was war das für eine Posse um Borna Sosas Blitz-Einbürgerung auf Empfehlung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) im vergangenen Mai. Der Linksverteidiger des Bundesligisten VfB Stuttgart sollte künftig das Trikot mit dem Bundesadler tragen, doch eine übersehene neue Regel des Weltverbands Fifa durchkreuzte den Fremdgehversuch. Doch am Sturm der Entrüstung in seiner Heimat änderte das wenig. Sosa wurde gnadenlos abgestraft und zum Buhmann der kroatischen Fußballfans.

 

Inzwischen spricht von diesem Lehrstück dilettantischer Spielerberatung so gut wie niemand mehr. Nationaltrainer Zlatko Dalic nahm Sosas Entschuldigung an („Ich habe mich naiv angestellt und die falsche Entscheidung getroffen“), gliederte den Abtrünnigen wieder ein – und der bedankt sich mit starken Leistungen. Im ersten der beiden WM-Qualifikationsspiele am 1. September in Moskau gegen Russland (0:0) stand der 23-Jährige genauso in der Anfangsformation wie am Samstag beim 1:0 in Bratislava gegen die Slowakei. Beide Mal spielte Sosa 90 Minuten durch. Beide Mal bekam er gute Kritiken. Links in der Viererkette ließ er defensiv nichts anbrennen. Doch im modernen Fußball gibt sich damit keiner mehr zufrieden. Schon gar nicht ein Mann von der Klasse Borna Sosas. Seine Schnelligkeit, seine technische Perfektion, seine Ruhe am Ball, seine Sicherheit im Passspiel, seine präzisen Flanken machen ihn für die Offensive so wertvoll. Nicht nur im Dress des VfB Stuttgart, sondern auch in der Nationalmannschaft. Seine kroatischen Mitspieler haben das längst erkannt, binden ihn immer wieder geschickt in das Offensivspiel ein.

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Was im Team des Vizeweltmeisters noch fehlt, ist seine direkte Beteiligung an Toren. Für den VfB hatte er beim 6:0-Erstrunden-Pokalerfolg beim BFC Dynamo – als Sosa sogar die Kapitänsbinde trug – einen Treffer vorbereitet und einen selbst erzielt. Bei der 5:1-Gala zum Bundesligastart gegen Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth leistete Sosa die Vorlagen zu gleich drei VfB-Toren. Die Kroaten geizen bisher noch mit Toren. Den einzigen Treffer, seit Sosa – der sämtliche Juniorenauswahlteams Kroatiens durchlaufen hat – auch für die A-Nationalmannschaft seiner Heimat aufläuft, erzielte Marcelo Brozovic von Inter Mailand in der Slowakei.

In Split gegen Slowenien

Doch die nächste Chance für Sosa, Scorerpunkte zu sammeln, bietet sich schon an diesem Dienstag (20.45 Uhr). Dann geht es in Split gegen Slowenien. Mit einem Sieg könnte Kroatien einen weiteren Schritt Richtung WM 2022 in Katar machen. Das Team liegt mit zehn Zählern in seiner Qualifikationsgruppe punktgleich mit Russland auf Platz zwei der Tabelle, drei Punkte vor Slowenien.

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Sosa wird garantiert Gas geben und versuchen, mit starken Auftritten seinen Marktwert von 16 Millionen Euro weiter zu steigern. Beim VfB werden sie ihm erfolgreiche Spiele gönnen, das Wichtigste wird für Trainer Pellegrino Matarazzo aber sein, dass er gesund nach Stuttgart zurückkommt. Das weiß-rote Lazarett ist ohnehin schon voll genug und nach zwei Niederlagen hintereinander gilt es, wieder zu punkten: am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt.