Daniel Didavi ist in den sozialen Medien in die Kritik geraten. Foto: dpa/David Inderlied

Daniel Didavi formuliert auf Instagram Kritik an den Corona-Maßnahmen und den Medien, die Fragen offen lässt. Im Netz hagelt es Kritik, Sportdirektor Sven Mislintat verteidigt den Spielmacher.

Stuttgart - VfB-Profi Daniel Didavi hat mit einigen Instagram-Beiträgen im Netz eine Welle der Kritik ausgelöst. Viele Nutzer warfen dem gebürtigen Nürtinger Nähe zu Verschwörungstheorien vor und kritisierten seine pauschale Medienkritik. Auf Twitter wurden zudem einige Screenshots von nicht-öffentlichen Chatnachrichten verbreitet, in denen Didavi eine mehrdeutige Meinung zu dem Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen mit einer allgemeinen Kritik an den Medien vermengt.

Am Mittwoch äußerte sich der Fußballprofi erneut via Instagram in einem Video zu den Vorwürfen: „An meinem Beispiel kann man gut erkennen, in welche gefährliche Richtung wir uns entwickeln. Ich habe zu nichts aufgerufen, habe nicht irgendwelche Sachen von sogenannten Verschwörungstheoretikern publiziert.“ Didavi sagte, er habe „einfach seine Meinung geäußert.“

Mislintat verteidigt den Spielmacher

Einen Tag vorher hatte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat den Mittelfeldspieler in Schutz genommen. „Es steht außer Frage, dass Daniel Didavi absolut niemand ist, der irgendwelchen rechten oder rechtspopulistischen Tendenzen zuzuordnen ist“, betonte Mislintat. „Sollte das irgendwo so interpretiert worden sein, oder sollte er das nicht vernünftig kommuniziert haben, so kenne ich ihn gut genug, um sagen zu können: Es ist lächerlich, so etwas anzunehmen.“

Auf Twitter hagelte es deftige Kritik

Der Sportdirektor nannte den kleinen Shitstorm auf Twitter „grenzwertig, weil es nicht das differenziert beschreibt, was Daniel selbst geschrieben hat.“ Kurzzeitig war der Hashtag #Didavi am Montagnachmittag sogar in den deutschen Twitter-Trends. Dazu beigetragen hatte wohl auch ein Tweet von dem fußball-affinen SPD-Politiker Kevin Kühnert. Kühnert teilte ein Bild eines privaten Chats, in dem Didavi mutmaßlich einem kritischen Follower geantwortet hatte und schrieb dazu: „Wer zur Hölle berät denn bitte Daniel Didavi?“

Weiter sagte Mislintat zu dem Vorfall: „Was ich äußerst scharf verurteile, ist, dass das eine private Nachricht war, an jemanden, der diese öffentlich gemacht hat, ohne Daniel darüber zu informieren.“

Didavi: „Ich mache mir Sorgen um die Zukunft“

In seiner aktuellen Stellungnahme auf Instagram sagte Didavi: „Es gibt es aktuell Sachen, die ich kritisch hinterfrage und mich frage, ob der der momentane Weg der richtige ist.“ Er betont, er halte sich an die Auflagen und Maßnahmen und bittet in dem Video auch seine Follower, dasselbe zu tun. „Ich bilde mir eine persönliche Meinung und höre mir sehr viele Sachen an, vieles davon ist mit Sicherheit auch Bullshit. Aber so ist mein Verständnis von Wissen aneignen und ‚sich eine Meinung bilden’“, so Didavi.

Nach Didavis Empfinden gebe es gerade allerdings Dinge, „die nicht schlüssig sind“ und die Situation sei gerade einfach undurchsichtig. Was im Detail damit gemeint ist, lässt der Fußballer offen. Seine Instagram-Beiträge vom Montag geben einen Eindruck, in welche Richtung diese Aussagen gehen.

Didavi warnt vor „Schwarz-Weiß-Denken“

Zunächst teilte der Spielmacher des Zweitligisten am Montag bei Instagram eine Tabelle mit Zahlen der monatlichen Todesfälle in Deutschland, dargestellt von 2016 bis 2020. Im Posting danach verwies Didavi auf eine Publikation des Statistischen Bundesamts, welche der davor geteilten Grafik zugrunde liegen soll. Letzteres versah er mit dem virtuellen Sticker „Offizielles Dokument.“ Offenbar wollte der 30-Jährige aufzeigen, dass trotz der Corona-Pandemie die Anzahl der Toten in den vergangenen Monaten im Jahresvergleich bislang nur wenig gestiegen ist.

Pauschale Kritik an den Medien

Weiter veröffentlichte Didavi einen Cartoon, der die Medien als Angstmacher anprangert. Die später via Text veröffentlichten Aussagen wiederholte er fast wortgleich in dem Video am Mittwoch.

Der VfB-Profi sorgt sich um ein vermeintliches Schwarz-Weiß-Denken beim Thema Corona. Es müsse auch Grau geben, so Didavi. Er habe mit Leuten gesprochen, „die mehr Ahnung von der Materie haben als ich und sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern, da sie dafür direkt denunziert werden.“ Die Art und Weise der Berichterstattung zu seinem Instagram-Beitrag nannte er genauso gefährlich, wie die Verschwörungstheorien, die gerade kursieren.

Dieser Tweet dokumentiert die Instagram-Story von Montag, die sich nach 24 Stunden automatisiert löschte.

Die Zahlen im Faktencheck

Bei näherer Betrachtung der von Didavi herangezogenen Quelle stellt sich allerdings heraus, dass die vorweg gepostete Tabelle in der Form nicht in der Publikation zu finden ist. Bei genauerer Überprüfung stimmen nicht alle aufgeführten Zahlen mit den offiziellen Zahlen zu den totalen Sterbefällen nach Monaten überein, welche die Publikation des Statistischen Bundesamts nennt. Die Publikation ist auf der Seite der Bundesbehörde frei einsehbar. Wer genau hinschaut, entdeckt auf der von Didavi geposteten Tabelle außerdem den Hinweis: „Übernahme/Übertragung/Summen ohne Gewähr – bitte selbst überprüfen!“.

Erst wenige Tage vor Didavis Posts hatte das Statistische Bundesamt auf der Seite eine Pressemitteilung veröffentlicht, die mit dem folgenden Satz beginnt: „Nach vorläufigen Ergebnissen liegen die Sterbefallzahlen in Deutschland seit der 13. Kalenderwoche (23. bis 29. März 2020) über dem Durchschnitt der jeweiligen Kalenderwochen der Jahre 2016 bis 2019.“ Am Ende der Pressemitteilung schreibt das Amt, die aktuelle Entwicklung hinsichtlich der Sterbefallzahlen „deutet auf eine Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie hin.“

Didavi folgte KenFM auf Instagram

Didavi selbst folgte dem Instagram-Kanal von Jebsens Portal „KenFM“ vergangene Woche noch – mittlerweile ist der Fußballer dem Blogger wieder entfolgt. Jebsen war lange RBB-Radiomoderator und wurde 2011 wegen einer antisemitischen Mail gefeuert. Der Vorwurf: Holocaust-Leugnung. Seitdem hat es sich Jebsen zur Aufgabe gemacht, über vermeintliche Machenschaften der Eliten aufzuklären.

In der Vergangenheit behauptet er unter anderem, die Massenmedien seien von Zionisten unterwandert, die Flüchtlingskrise werde bewusst gesteuert und diene der „Desorganisation“ Deutschlands. Am vergangenen Samstag sprach Jebsen bei der „Querdenken 711“-Demonstration auf dem Cannstatter Wasen.

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