VfB-Mitgliederversammlung Traumergebnis für den neuen VfB-Chef Bernd Wahler

Von Dirk Preiß 

Am Ende der fast sechsstündigen Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart war die Wahl des neuen Präsidenten eine klare Sache. Bernd Wahler soll den Club in eine bessere Zukunft führen. Hier die Bilder und ein Video vom Abend.

Stuttgart - Es war fast Mitternacht, gute sechs Stunden Mitgliederversammlung lagen hinter den rund 3000 Mitgliedern des VfB Stuttgart – doch die Stimmung hätte besser kaum sein können. Bernd Wahler rannte jubelnd auf die Bühne, umarmte, schüttelte Hände, nahm Glückwünsche entgegen und lachte sein Lachen, das mit herzhaft fast noch ein wenig zurückhaltend beschrieben ist. „Wow, wow, wow“, rief der bisherige Adidas-Manager den Anwesenden zu – die ihm in beeindruckender Manier das Vertrauen ausgesprochen hatten.

Mit 97,4 Prozent der Stimmen ist Bernd Wahler am späten Montagabend zum neuen Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt worden – und ist damit Nachfolger des am 3. Juni zurückgetretenen Gerd Mäuser. Der umstrittene Ex-Clubchef war 2011 lediglich mit 58,7 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt worden. Wahler dagegen legte quasi aus dem Stand ein Traumergebnis hin. Sehr zur Freude seiner neuen Vorstandskollegen und künftigen Mitstreiter.

„Bernd Wahler ist ein Teamplayer – und wir brauchen einen Teamplayer“, sagte Aufsichtsratschef Joachim Schmidt, der den Prozess der Kandidatenkür angeführt hatte, „ich bin sicher, dass er das gut machen wird.“ Sportvorstand Fredi Bobic meinte: „Ich bin überzeugt, dass er unsere Speerspitze sein kann.“ Und Finanzchef Ulrich Ruf erklärte: „Ich bin mir sicher, dass wir mit Bernd Wahler einen wahren Teamplayer in unsere Mannschaft bekommen werden.“ Zudem rief er den Mitgliedern zu: „Lassen Sie uns jetzt nach vorne schauen und diesen Neuanfang als Chance nutzen.“ Er war nicht der einzige, der an diesem Abend von einem Neustart redete.

Wie sehr die umstrittene Lage an der Vereinsspitze die Mitglieder und auch die Gremien in den vergangenen Jahren bedrückte, wurde in zahlreichen Beiträgen deutlich. „Das Thema Vereinsführung hat zuletzt keinen Spaß gemacht“, sagte Bobic, „man war taub, hat keine Kritik zugelassen oder sie nicht richtig angenommen.“ Ein deutlicher Seitenhieb in Richtung der einstigen Führungspersönlichkeiten Gerd Mäuser und Dieter Hundt – der später auch in Zahlen dokumentiert wurde.

Der Vorstand, bestehend aus Ruf und Mäuser, ist für das Jahr 2012 zwar entlastet worden – auch, weil Uli Ruf in seinem Bericht die richtigen Themen ansprach. Er deutete an, die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Ticketanbieter Viagogo nach Ablauf des Vertrags im Juni 2014 zu beenden. „Seien Sie gewiss“, sagte er in Richtung der Mitglieder, „wir haben Ihre Botschaft schon verstanden.“ Dieter Hundt aber bekam einen weiteren Denkzettel verpasst.

Zunächst wurde dem Antrag auf Einzelentlastung stattgegeben, dann wurde dem Uhinger jene nicht gewährt. 68,5 Prozent der anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder stimmten mit Nein. Der Rest des Aufsichtsrats wurde anschließend entlastet, was dem neuen Aufsichtsratschef Joachim Schmidt („Die schwarze Null ist unser Ziel, aber nicht das oberste und alleinige“) ein erleichtertes Durchatmen bescherte. Das noch größer wurde, als die Wahl Wahlers erfolgreich über die Bühne gegangen war.

Der hatte zuvor in einer zehnminütigen Rede seine Rolle als Teamplayer untermauert und sachlich, aber sympathisch für sich geworben: „Ich habe zwar keine 50 Länderspiele, aber ich liebe den Fußball.“ Nun wurde ihm die Zuneigung der Mitglieder zuteil – aber auch ihre großen Erwartungen. „Dass die VfB-Familie eine Einheit ist, haben wir noch nicht ganz geschafft, wir können es aber schaffen“, sagte Bobic. Und auch Wahler forderte „die gleiche Sprache vom Platzwart bis zum Sponsor. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Ich will verbinden. Wir müssen den Versuch unternehmen, auf allen Ebenen anzugreifen. Wir müssen auf Dauer zu den Top Fünf der Liga gehören.“ Sportlich versprach Bobic eine Verbesserung gegenüber der vergangenen Saison: „Wir wollen möglichst so auftreten, dass Sie Freude haben und sich mit dem VfB identifizieren. Daran lassen wir uns messen.“

Er selbst, Trainer und Mannschaft, der Aufsichtsrat – auch der neue Präsident, dem die größtenteils harmonische und von Zuversicht geprägte Mitgliederversammlung Rückenwind geben wird. Nun muss er ihn nur noch nutzen. „Ich verspreche, ich werde mein Bestes geben“, sagte Bernd Wahler, „das ist eine traumhafte Basis.“

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