Viel telefonieren steht für VfB-Manager Michael Reschke derzeit auf der Tagesordnung. Foto: dpa

Während die Mannschaft des VfB Stuttgart in ihr Trainingslager nach La Manga (4.bis 12. Januar) startet, hat Sportvorstand Michael Reschke alle Hände voll zu tun. Wer soll, wer kann, wer will den VfB verstärken?

Stuttgart - Die Busfahrer sind da, es kann losgehen. Jürgen Dispan und Uwe Bickel sind am Donnerstag mit einem blauen Van voller Trainingsausrüstung im Hotel Principe Felipe angekommen, wo die Profis des VfB Stuttgart während ihres Trainingslagers in La Manga von diesem Freitag bis nächsten Samstag logieren werden. 14 Grad und Sonnenschein erwarten sie dort, der sattgrüne Trainingsplatz ist nach den letzten Mäharbeiten bereit.

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Knapp 2000 Kilometer weiter nördlich rieseln Schneeflocken über das verwaiste Trainingsgelände in Bad Cannstatt. Der verletzte Abwehrspieler Benjamin Pavard stapft einsam von der Reha-Welt über den Parkplatz, auf der Geschäftsstelle markiert ein Weihnachtsbaum das Stillleben.

Einzig im Büro von Sportvorstand Michael Reschke laufen Telefone und Computer auf Hochtouren. Der 61-Jährige hat einen kurzen Weihnachtsurlaub verbracht. Das Los des Managers eines Tabellen-16.

Potenzielle neue Spieler bewerten, Gespräche mit Clubs, Beratern und nicht zuletzt mit dem eigenen Trainerteam führen – das bestimmt den Arbeitsalltag der sportlichen Führungsfigur beim VfB. Möglicherweise geht das bis 31. Januar so, denn da endet die Winter-Transferperiode. Michael Reschke sagt: „Manchmal ergeben sich erst auf den letzten Drücker interessante Alternativen.“

Eren Derdiyok könnte einer für den VfB sein

Was auch in diesem Jahr wieder der Fall sein könnte. Denn noch steht in Alexander Esswein von Hertha BSC erst ein Neuzugang für die Rückrunde fest, der die Mannschaft auch schon ins Trainingslager begleitet. Mögliche weitere können an die Mittelmeerküste folgen. Müssen aber nicht. Reschke lehnt sich entspannt in seinen Stuhl zurück: „Wir machen uns überhaupt keinen Druck.“ Von Torschlusspanik keine Spur.

Da kann die Konkurrenz aus Hannover auf dem Marktplatz der vermeintlichen Hoffnungsträger noch so wirbeln und in Nikolai Müller (von Eintracht Frankfurt) und Kevin Akpoguma (1899 Hoffenheim) gleich Zwei auf einen Streich an Land ziehen. Reschke schert das nicht. „Wenn wir das Heil ausschließlich in Neuzugängen suchen würden, wird das unserem Kader nicht gerecht,“ betont er das Vertrauen in die bestehende Truppe. Die oberste Dienstpflicht von Markus Weinzierl und seinem Trainerteam lautet deshalb: Endlich das Optimum aus den Spielern herausholen, die bisher so enttäuscht haben. Dass bei einigen, allem Verletzungspech zum Trotz, noch viel Luft nach oben ist, bestreitet nicht einmal Reschke.

Das Motto vor der am 19. Januar mit dem Heimspiel gegen Mainz 05 beginnenden Rückrunde lautet: Vertrauen in den Kader ist gut, mögliche Alternativen sind besser. Sie nicht zu prüfen zumindest fahrlässig. Am Geld soll es angesichts eines Budgets von annähernd zehn Millionen Euro nicht scheitern.

Vorsätze hat Reschke keine, aber einen Wunsch

Ein Kandidat ist Eren Derdiyok. Der 30-Jährige hat schon bei der TSG Hoffenheim und bei Bayer Leverkusen bewiesen, dass er das Zeug zum überdurchschnittlichen Bundesligastürmer hat; Reschke kennt ihn aus seiner Zeit bei den Rheinländern. Bis Saisonende steht der Schweizer noch bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag, soll aber einem vorzeitigen Wechsel nicht abgeneigt sein. Die Großeinkäufer von Hannover 96 haben den Schweizer angeblich auch schon auf ihrer Liste, ebenso der FC Schalke 04. Und der VfB? Reschke lässt sich nicht in die Karten blicken: „Namen kommentiere ich grundsätzlich nicht.“

Mehr als ein Dementi zu Maximilian Philipp („Er wird in der Rückrunde eine wichtige Rolle bei Borussia Dortmund spielen“) lässt sich der Sportchef nicht entlocken. Nur dass für ihn eine Leihe plus realistische Kaufoption grundsätzlich die sinnvollste Transferoption darstellt. Aber: „Das ist alles kein Wunschprogramm. Wenn uns ein Spieler auch nur für ein halbes Jahr hilft, sind wir auch zufrieden.“

Apropos Wunschprogramm. Vorsätze hat Reschke keine für 2019. Aber Wünsche. Sein größter: Dass die Qualität des Kaders doch noch zur Geltung kommt. So klingt Reschkes Ansage zum neuen Jahr fast wie eine Drohung an all jene, die längst den Stab über Mannschaft und Kaderplaner gebrochen haben: „Die Saison ist noch nicht zu Ende.“

Für den VfB soll sie jetzt endlich richtig losgehen.

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