Ottilie Bälz (Robert-Bosch-Stiftung), Stefan Kiefer (Bundesliga-Stiftung) und VfB-Präsident Bernd Wahler (von links) im Dialog mit den Schülern Baran, Rexhep und Mergim Foto: Lichtgut/Max Kovalenko Foto:  

Seit 2010 nutzen die Robert-Bosch-Stiftung und die Bundesligastiftung die Faszination des Fußballs für Bildungsprojekte außerhalb der Schule.

Stuttgart - Fußball ist weit mehr als nur Sport. Für Stuttgarter Jugendliche aus bildungsfernen Familien wird die Mercedes-Benz-Arena durch das Lernzentrum des VfB zum Lernort, an dem ihnen politische Bildung vermittelt wird. Das Projekt ist auf drei Jahre befristet und wird von der Robert-Bosch-Stiftung und der Bundesligastiftung im ersten von drei Projektjahren mit 32 000 Euro gefördert.

Fußballbegeisterung als Motor für Bildung

Vertreter der freien sozialen Träger sind voll des Lobes für das Angebot des VfB: „Viele der jungen Leute, die unsere Sozialarbeiter betreuen, kommen aus schwierigen Verhältnissen, haben Lernschwierigkeiten, sind überschuldet oder schon straffällig. Sie tun sich schwer in der Schule oder kommen gar nicht mehr in die Schule. Aber sie schaffen es, dreimal in der Woche pünktlich und mit Begeisterung in ihren Fußballverein zu gehen“, sagt Jutta Jung vom Caritasverband Stuttgart. Die mobile Jugendarbeit der Caritas versuche, „diese Begeisterung auszunutzen, um die jungen Leute vom Rand der Gesellschaft in die Mitte zurückzuholen.“ Ihr Kollege Klausjürgen Mauch von der Evangelischen Gesellschaft sagt: „Unser Projekt dockt an die Regelstruktur der Mobilen Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit an.“

Fachkompetenz in den Reihen des VfB

Fachkompetenz bei der Jugendarbeit hat der VfB jedenfalls zu bieten: „Wir haben Pädagogen und Sozialpädagogen in unseren Reihen“, sagt VfB-Präsident Bernd Wahler. Auch der VfB-Angestellte Timothy Holzhäuer ist gelernter Sozialarbeiter. Gerade betreut er sieben 14-jährige Schüler der achten Klasse der Falkertschule, einer Grund- und Werkrealschule im Stuttgarter Westen. Die Kinder aus Einwandererfamilien verschiedener Nationen kicken in verschiedenen Vereinen, Fußball ist das Thema, das sie vereint. „Es ist schön, dass wir beim VfB als Gruppe lernen und nicht einzeln“, sagt der 14-jährige Rexhep Rukigi. Man lerne, dass man mit einer ernsthaften Einstellung an den Fußball rangehen müsse und dass sich dies auf andere Bereiche übertragen lasse: „Man sollte vor dem Lehrer genauso Respekt haben wie vor dem Trainer und nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in der Schule pünktlich sein.“

Seit 2010 nutzen die Robert-Bosch-Stiftung und die Bundesligastiftung die Faszination des Fußballs für Bildungsprojekte außerhalb der Schule. Bundesweit werden von ihnen zwölf Lernzentren in Vereinen von der dritten Liga bis zur Ersten Bundesliga unterstützt. Die Angebote im neuen VfB-Lernzentrum richten sich an Schüler der Klassen sieben bis zehn, an fußballbegeisterte Jugendliche und an junge Erwachsene. In der besonderen Stadionatmosphäre beschäftigen sie sich unter pädagogischer Anleitung mit Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Toleranz und sozialer Teilhabe.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: