VfB-Leihspieler Roberto Massimo, 18, stand bei Zweitligist Bielefeld nur einmal in der Startelf. Foto: Getty

Dieser Teenager war dem VfB Stuttgart im Sommer 1,5 Millionen Euro wert: Doch Außenstürmer Roberto Massimo, der vor Saisonbeginn an den Heimatclub Arminia Bielefeld verliehen wurde, stagniert in seiner Entwicklung. Wir haben uns nach dem Talent erkundigt.

Bielefeld - Die Heimat-Zeitung des DSC Arminia Bielefeld, das „Westfalen-Blatt“, schrieb von einer Wahnsinns-Summe „für einen so jungen und unerfahrenen Spieler“ – und zollte dem Arminen-Manager Samir Arabi daher vor acht Monaten Respekt für einen auf dem Transfermarkt aus Bielefelder Sicht so gelungenen Coup. Schließlich hatte der VfB-Manager Michael Reschke im Sommer 2018 stolze 1,5 Millionen Euro für die Verpflichtung des Bielefelder A-Junioren Roberto Massimo auf den Tisch gelegt. Und dies nur, um das blutjunge Talent, welches zu diesem Zeitpunkt gerade mal sechs Zweitligapartien für die Arminia absolviert hatte, gleich wieder an Samir Arabi und seinen Heimatclub bis 2020 zurück zu verleihen.

Auch Hoffenheim war an Massimo dran

„Das Modell mit Roberto ist von Beginn an eine zukunftsorientierte Aktion gewesen. Man muss heutzutage eben sehr früh auf Talente mit großem Potenzial zugreifen“, verteidigt Helmut Schulte das gewagte Manöver des inzwischen beim VfB Stuttgart entlassenen Michael Reschke. Massimo war neben drei weiteren Interessenten auch von 1899 Hoffenheim umworben worden.

Bereits im vergangenen Herbst hatte Reschke seinen langjährigen Freund Schulte noch mit einem besonderen Mandat versehen: Der 61-Jährige, einst Trainer beim FC St. Pauli und FC Schalke 04 sowie später Manager beim Kiezclub, bei Fortuna Düsseldorf oder Union Berlin, kümmert sich seither um die vom VfB verliehenen Spieler. Und zu denen zählt neben dem Polen Marcin Kaminski (Fortuna Düsseldorf) und dem Belgier Orel Mangala (Hamburger SV) eben auch Roberto Massimo, der im ghanaischen Accra geborene Sohn einer Liberianerin und eines Italieners. Bereits als kleines Kind kam der schnelle Rechtsaußen mit der Familie nach Lippstadt - und besitzt so die deutsche Staatsbürgerschaft. Bisher kann Schulte, der sich häufig in Bielefeld mit Massimo trifft, ihn beim Training besucht und darüber hinaus im regelmäßigen Austausch steht, aber nur über eine ziemlich schleppende Entwicklung des Teenagers nach Stuttgart berichten.

Ganze drei Zweitligaspiele hat Massimo für Bielefeld in dieser Runde bestritten. Nur einmal stand er dabei in der Startelf. Immerhin konnte der Offensivspieler, der von der einflussreichen Spieleragentur Rogon des Berater Roger Wittmann vertreten wird, nach seiner Einwechslung im Spiel in Darmstadt mit seinem Treffer zum 1:1 mithelfen, die Partie noch in einen 2:1-Sieg umzumünzen.

Doch ansonsten stagniert der Youngster in seiner Entwicklung. Sein Mentor, der Trainer Jeff Saibene, wurde in Bielefeld entlassen. Unter dessen Nachfolger Uwe Neuhaus ist die Arminia Zweitliga-Zehnter – doch Neuhaus schrieb Massimo ins Stammbuch, er erwarte „eine deutliche Leistungssteigerung.“

1,5 Millionen Euro hat der VfB überwiesen

„Durch seine Verletzung am Sprunggelenk und weitere Krankheiten hat Roberto zuletzt ein halbes Jahr verloren – das ist ärgerlich“, sagt Helmut Schulte: „Er hat es daher noch nicht geschafft, sich in Bielefeld als Stammspieler durchzusetzen.“ Die zwei Jahre Ausleihe auf die Alm, die angedacht waren, wird Massimo also mindestens benötigen, will er beim VfB eine Alternative sein. Stand jetzt ist es sogar nicht ausgeschlossen, dass die 1,5 Millionen Euro Ablöse für den Teenager am Ende eine Fehlinvestition sind. Helmut Schulte allerdings, der zwischen 1998 und 2008 als Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 fungierte, wirbt um Geduld – schließlich sei Massimo ein charakterlich feiner Kerl, „ein ruhiger Typ, der lieber zuhört als zu reden. Er ist ein sachlicher, fokussierter Jungprofi ohne Flausen im Kopf.“

Womöglich wird Massimo nochmals verliehen

Massimos fußballerische Stärken sind seine gute Technik, seine Explosivität sowie sein Torriecher – Schwächen hat der 18-Jährige, der immer noch für die A-Junioren spielen könnte, im Umschaltspiel und bei den richtigen Laufwegen. Auch Samir Arabi hegt bei dem Talent weiter Hoffnung auf eine Wende zum Guten: „Aus meiner Sicht muss beim VfB niemand nervös werden “, sagt der Bielefelder Manager, „man darf nicht vergessen, was auf den Robbie als ganz jungen Menschen alles eingeprasselt ist.“

Natürlich hätte gerade die Bänderverletzung am Sprunggelenk die Entwicklung Massimos gehemmt, der sehr von seinem Antritt lebt. Zudem hat der Teenager mit Joan Edmundsson auf Rechtsaußen bei der Arminia einen Rivalen, der eine starke Saison spielt. Trotzdem wollen sich alle drei Parteien nach dem Saisonende zusammen setzen, um die Zukunft zu beraten.

„Robbie ist ein Riesentalent“, sagt Samir Arabi: „Aber er braucht Spielpraxis. So wie es gerade läuft, ist es für alle Seiten unbefriedigend.“ Sollte sich bis Mitte Mai an dieser Situation nichts ändern, könnte der VfB den Bielefelder daher an einen dritten Verein ausleihen.

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