Sven Ulreich schlägt den Ball ab. Foto: Pressefoto Baumann

An diesem Sonntag empfängt der VfB den FC Schalke 04 (17.30 Uhr/Sky) – und wenn es nach  Sven Ulreich geht, soll es bei Rückpässen keine Unmutsäußerungen vereinzelter Anhänger mehr geben. 

An diesem Sonntag empfängt der VfB den FC Schalke 04 (17.30 Uhr/Sky) – und wenn es nach  Sven Ulreich geht, soll es bei Rückpässen keine Unmutsäußerungen vereinzelter Anhänger mehr geben. 

Stuttgart - Die nackten Zahlen, sie sprechen für Sven Ulreich. Unter Trainer Huub Stevens hat der VfB-Torhüter bisher 74 Prozent der Schüsse auf seinen Kasten abgewehrt – unter Stevens’ Vorgänger Thomas Schneider waren es noch mickrige 47 Prozent. In den Rückrundenpartien vor Stevens’ Amtsantritt kassierte Ulreich alle 35 Minuten ein Tor. Nun muss er nur noch alle 77 Minuten hinter sich greifen.

Für einen Torhüter sind das fast schon Welten. Doch Ulreich sagt, dass er an seinem Spiel gar nichts verändert habe. Die Verbesserung in der Statistik habe nur mit der taktischen Ausrichtung der Mannschaft zu tun, ergänzt der Keeper. „Wir achten jetzt schon in Ballbesitz auf mögliche Kontersituationen des Gegners“, sagt Ulreich, „und das üben wir auch täglich im Training ein, das geht so langsam in Fleisch und Blut über.“

Die Folge: Der VfB ist wacher, das Team steht kompakter und hat fast immer genügend Spieler, die in der Abwehr oder im Mittelfeld absichern. Für Trainer Huub Stevens ist die defensive Ordnung das oberste Gebot – sogar bei Ballbesitz. „Das war früher bei uns noch nicht so“, sagt Ulreich.

Ulreich als Fels in der Brandung

Der positive Effekt der neuen inneren Sicherheit: Das Team ermöglicht dem Gegner weniger Torchancen – und wenn der Kontrahent doch mal zum Abschluss kommt, tut er das meist nicht mehr unbedrängt und aus größerer Entfernung als unter Stevens’ Vorgänger Thomas Schneider. So lassen sich Ulreichs stark verbesserten Leistungsdaten erklären – allerdings hat der Keeper entgegen seiner Äußerungen auch persönlich einen Schritt nach vorne gemacht.

Nachdem ihn Sportvorstand Fredi Bobic zu Beginn der Rückrunde nach einigen Fehlern sogar öffentlich rüffelte („Die Kritik muss er sich jetzt gefallen lassen“), ist Ulreich nun wieder der Fels in der Brandung. Wenn wie im vergangenen Heimspiel gegen den SC Freiburg (2:0) doch mal ein Gegner frei vor ihm auftaucht, ist er zur Stelle.

Dennoch – einigen Anhängern des VfB kann es bei Ulreich im wahrsten Sinne oft nicht schnell genug gehen. Während der Keeper in der Fankurve seit langem ein Held ist, gibt es auf der Haupttribüne vereinzelt immer wieder Unmutsbekundungen. Immer dann, wenn Ulreich den Ball in den Händen hält, macht er einigen Anhängern das Spiel nicht schnell genug und zögert zu lange mit dem Abwurf.

Ulreich sagt nun, dass diese Spielweise auch der Situation im Kampf gegen den Abstieg geschuldet sei. „Klar könnte ich das Spiel immer schnell machen“, meint der Torhüter, „aber was bringt uns das, wenn Ibrahima Traoré auf Außen dann in Unterzahl eins gegen drei ist? In unserer Situation muss ich das genau abwägen.“

"Miese Töne gehen nicht"

Die Gefahr eines Ballverlusts und eines schnellen Konters des Gegners sei dann oft zu hoch, ergänzt Ulreich. „Wenn wir anders dastehen würden, hätte das ganze Team auch mehr Selbstvertrauen – und ich würde unsere schnellen Außen vielleicht auch mal in Eins-Gegen-Eins-Situationen schicken“, sagt Ulreich. Aktuell aber ist die Sicherheit das schnellste Gebot, und der Torhüter verzichtet in einigen Szenen bewusst auf eine rasche und riskante Spieleröffnung . Auch, weil es ihm Ordnungsfanatiker Stevens aus Angst vor Kontern so vorgibt.

Ulreich ist das Verständnis der Fans wichtig, er will sie vor den letzten vier Saisonspielen alle mit ins Boot holen – weshalb er vor der Partie gegen den FC Schalke 04 an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Sky) noch einen eindringlichen Appell an sie richtet.

Noch immer gibt es bei Heimspielen vereinzelt Pfiffe bei Rückpässen auf Ulreich. Viele Anhänger lechzen nach einem Offensivspektakel, ihnen ist jeder Pass zurück ein Dorn im Auge – und das wiederum stört Sven Ulreich. „Unsere Fans unterstützen uns toll, das möchte ich betonen, aber die vereinzelten miesen Töne gehen nicht.“

Keine Mannschaft könne heutzutage noch auf Rückpässe zum Torhüter verzichten. „Die meisten Gegner stehen sehr kompakt, das musst du auch mal quer oder zurück spielen, und warten, bis sich Lücken ergeben“, sagt Ulreich. „Das muss in die Köpfe der Zuschauer rein“, fordert der Keeper und ergänzt: „Zudem fehlt uns in unserer Situation das Selbstvertrauen, um immer den Risikoball nach vorne spielen zu können.“

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