Der VfB im Blickpunkt der südafrikanischen Medien: Sportdirektor Fredi Bobic beim Interview mit dem nationalen Fernsehsender SABC Foto: Baumann

Die Deutsche Fußball-Liga hat den VfB Stuttgart mit einem klaren Auftrag nach Südafrika geschickt: Er soll für sich und mehr noch für die Liga werben. Das ist nicht immer so einfach, wie es scheint.

Kapstadt - Der Nieselregen über Kapstadt darf jetzt nicht stören. Die South African Broadcasting Corporation (SABC), der Fernseh- und Rundfunksender des Landes, ruft zum Interview – und Fredi Bobic, der Sportdirektor des VfB, steht am Rande des Trainingsplatzes geduldig Rede und Antwort. Das ist, mit wechselnden Hauptdarstellern, das tägliche Bild am Trainingsplatz von Ajax Cape Town, auf dem der VfB seine Einheiten absolviert. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen: Der VfB ist bemüht, sich bei seiner Stippvisite in Südafrika medial ins rechte Licht zu rücken – und die Kollegen vom Kap sind begierig darauf, den ersten Vertreter aus der Liga der letztjährigen Champions-League-Finalteilnehmer näher kennenzulernen. Was trotz der Premiere einer deutschen Mannschaft nicht immer so einfach gelingen will.

Denn da gibt es die Bafana („unsere Jungs“), die südafrikanische Nationalmannschaft, die in Kapstadt gleich doppelt auftaucht. Der VfB grüßt die Einwohner der Millionen-Metropole mit Shirts und dem Aufdruck „VfBafana“, ein Gruß an die Gastgeber, der den Schulterschluss mit den Einheimischen symbolisieren soll: Schaut her, wir sind gern bei euch, wir solidarisieren uns mit euch! Und dann gibt es die echte Bafana, die von diesem Samstag an im ehemaligen WM-Stadion von Kapstadt um die Afrika-Meisterschaft der Nationalmannschaften kämpft. Allerdings sind dabei nur Profis zugelassen, die im jeweiligen Land unter Vertrag stehen. Profis wie Itumeleng Khune (26). Der Torhüter der Kaizer Chiefs, Südafrikas Fußballer und Sportler des Jahres, ist Kapitän der Bafana, hat über seinen Berater den VfB wissen lassen, dass er gern ein paar Tage mit den Gästen aus Germany trainieren würde. Und so ist auf Anhieb nicht eindeutig auszumachen, weswegen die Journalisten des Landes nun wirklich vor Ort sind: wegen des VfB, wegen der Bafana, wegen Khune?

„Uns interessiert Khune“, sagt SABC-Fernsehreporter Velile Mbuni unverblümt, „unser Augenmerk liegt auf der Afrika-Meisterschaft, aber wo der VfB schon mal hier ist, wollen wir ihn kennenlernen“. Lebo Dube, sein Rundfunkkollege von SABC, findet es an der Zeit, dass Khune nach Europa wechselt. Bei den Kaizer Chiefs hat er jahrelang unter dem Plattenhardter Torwartcoach Rainer Dinkelacker trainiert, Khune trägt Handschuhe eines deutschen Herstellers (Uhlsport) „und ist einfach reif für Europa“. Der dritte Reporter, Mazola Molefe von der „Sunday Times“ (Johannesburg), ist auf den VfB fixiert: „Ich will mehr über den Verein wissen, bei dem Bradley Carnell früher gespielt hat.“

Daran ist auch dem VfB gelegen, der an allen Fronten um die Aufmerksamkeit der Medien wirbt. Im Dezember hat der Verein den Journalisten vor Ort über einen ausgesuchten Verteiler Informationen über den Verein und die Spieler zukommen lassen. Nun bietet er im Mannschaftshotel täglich ein Gespräch mit einem Spieler und spontane Interviews am Trainingsplatz an. „Wir sind erst den zweiten Tag hier, aber die Medienresonanz ist schon gut“, sagt Mediendirektor Max Jung, „wir lassen täglich monitoren, in welchen Medien wir wahrgenommen werden – und wir haben schon stattgefunden.“

Die „Cape Times“, zusammen mit „Cape Argus“ und „The Burger“ (erscheint in Afrikaans) wichtigste Tageszeitung der Stadt, hat einen Termin mit Stürmer Cacau wahrgenommen, über den auch das Onlineportal „Capedreams“ ausführlich berichtet hat. Beim ersten Testspiel am Donnerstagabend gegen den örtlichen Erstligisten Vasco da Gama waren diese und andere Zeitungen vor Ort. „Das Interesse am VfB ist groß, und es läuft ja erst an“, sagt Precious Nkabinde von der Agentur Weber Shandwick.

Die Firma ist von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eingesetzt, um dem VfB mit Medienkontakten behilflich zu sein. Die DFL forciert gezielt ihre Auslandsvermarktung und bezuschusst das Trainingslager des VfB mit 250 000 Euro. Im Gegenzug soll der VfB für die Liga werben und sich vor Ort zeigen. So hat der Verein an diesem Sonntag einen Ausflug nach Robben Island im Programm, wo Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela zwei Jahrzehnte lang inhaftiert war. Danach sind ein Abstecher auf den Tafelberg und ein Training in einem Township geplant.

Mit englischsprachigen Auftritten der eigenen Homepage sowie bei Twitter und Facebook multipliziert der VfB die Kontakte um ein Vielfaches. So kann er es auch hinnehmen, dass die Bafana ihm Konkurrenz macht. Itumeleng Khune, der Torhüter, wird übrigens kaum mit dem VfB trainieren können. Die Afrika-Meisterschaft macht gleich wieder Pause, und die Kaizer Chiefs verweigern ihm bisher die Freigabe – sie benötigen ihn nächste Woche für ein Punktspiel.

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