VfB Marketing-Vorstand Rouven Kasper ist zufrieden mit dem Asien-Trip des Clubs. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart hat seine Japan-Reise abgeschlossen. Wurden die wirtschaftlichen Ziele erreicht? Marketing-Vorstand Rouven Kasper gibt Antworten.

Seit Rouven Kasper beim VfB Stuttgart als Vorstand für Marketing tätig ist, drehen sich die Uhren beim VfB Stuttgart anders. Schneller. Die Geschwindigkeit in der Umsetzung und dem Erreichen von Zielen hat zugenommen. Die jüngst auf der Mitgliederversammlung präsentierten Zahlen der AG belegen das.

 

Auf der Japan-Tour des deutschen Vizemeisters war nun noch einmal in erhöhter Grad an Professionalisierung festzustellen. Der Club hat den Sprung gemacht. Für Kasper, dessen Vertrag kürzlich still und leise in den Konditionen nach oben angepasst und bis 2028 verlängert wurde, ist das aber erst der Anfang.

Herr Kasper, der Terminplan des VfB hier in Japan war ganz schön vollgepackt. Da blieb ja kaum Zeit, um einmal Luft zu holen…

Es ist immer ein schmaler Grat, wohin man sich mit so einer Reise hinbewegt. Für uns als Club geht es darum, uns in möglichst vielen Bereichen qualitativ schnell weiterzuentwickeln. Egal ob das Digitalisierung, Markenpositionierung, Kaderstruktur oder Kommerzialisierung ist. Oder eben der Internationalisierung.

Ein Themenfeld, das man beim VfB Stuttgart bisher höchstens in der Peripherie wahrnehmen konnte. Wieso wird es jetzt plötzlich so intensiv angegangen und wo will der Club hin?

Wenn man sich als großer Club sieht oder einer werden möchte, ist gerade dieses Thema Standard. Da geht es nicht um das ob, sondern nur um das wie. Darum bin ich sehr happy, dass wir uns hier alle gemeinsam dorthin entwickeln. Wir verstehen immer mehr, was uns dieses Thema gesamtheitlich bringt.

Was man hier beobachten konnte, war ein guter Corpsgeist.

Wenn wir von der Umsetzung reden, dann kann ich hier nur großes Lob an das gesamte Team vergeben. Wie das hier läuft, wie gut alles organisiert ist, wie die Abläufe sitzen. Das ist schon klasse. Der Teamspirit ist herausragend. Ich bin sehr stolz auf unser Team, wie wir das hinbekommen, wir aber auch alle gemeinsam den VfB Stuttgart hier sehr positiv repräsentieren.

Wieso Japan und kein anderes Ziel in Asien?

Weil wir hier eine Geschichte haben. Zum Beispiel durch unsere ehemaligen Spieler wie Wataru Endo, Go Sakai oder Hiroki Ito. Oder unsere Legenden wie Cacau und Guido Buchwald. Dazu kommt: Dass wir hier in Japan sind, kommt uns für die Organisation natürlich sehr entgegen. Die Japaner sind sehr akkurat. Alles ist perfekt vorbereitet, organisatorisch hat die uns betreuende Agentur alles parat, was wir benötigen und anfragen. Auch nur deswegen können wir so ein straffes Programm absolvieren.

Mit Verlaub, die öffentlichen Termine wie beispielsweise Trainingseinheiten waren jetzt nicht überbesucht…

Das Schöne ist: Man sieht dennoch, dass wir absolute Relevanz haben. Am Flughafen, im Hotel und den Trainingsplätzen empfangen uns Fans. Wir auf der anderen Seite sind extrem nahbar, freundlich und nehmen uns Zeit für die Fans. Termine wie der Fanabend werden nicht nur von den gut 40 mitgereisten Anhängern aus der Heimat wahrgenommen, sondern da waren knapp 100 japanische Fans und auch ein mittlerweile offizieller Fanclub. Dieses Commitment und Nahbarkeit sehen die Japaner, sie vergleichen uns auch, was in diesem Fall sehr positiv für uns ist. Das Feedback hierzu ist eindeutig.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, das ist doch alles nur schwer messbar und kosten dafür aber Unsummen?

Messbarkeit ist da. Wir wissen genau, was wir hier erwirtschaften. Wie viele Medienkontakte wir machen. Auch wie wir hier die Bundesliga unterstützen, ist an klaren Kennzahlen festzumachen. Wir sind hier ein Teil der Bundesliga-Asien-Tour. Und diese unterstützt und steigert den hohen zweistelligen Millionenbetrag aus den asiatischen Medienerlösen, die dann wiederum auf die DFL-Clubs aufgeteilt wird. So hat eben jeder seine Aufgabe. Wenn die Bayern nach Korea gehen und die Dortmunder in Thailand spielen, generiert jeder Einnahmen für sich, aber auch für die gemeinsamen Medienerlöse wovon jeder profitiert. Somit unterstützen wir uns auf diesem Terrain gegenseitig und würden wir gerne noch mehr Clubs hier aktiv sehen. Davon profitieren wir alle.

Dennoch scheint es an der Akzeptanz in der Breite zu mangeln.

Was wir hier machen ist komplex. Das Internationalisierungs-Thema ist ein ganzes Ökosystem, das man richtig bespielen muss, wenn etwas dabei rauskommen soll. Es ist nicht einfach zu erläutern. Ohne zu weit auszuholen, nur diese Beispiele: Wie haben gleich mehrere Partner neu akquiriert, die nur wegen dieser Tour bei uns eingestiegen sind. Warum tun die das? Weil wir ihnen hier in diesem Markt eine Plattform bauen können, die ihnen nutzt. So konnten wir in der Vermarktung neue Töpfe erschließen, an die wir bisher gar nicht rankamen. Bei lokalen Partnern, also internationalen Unternehmen, aber auch unseren bestehenden Partnern in der Heimat.

Was hat der Trip den Club denn gekostet und was steht unterm Strich?

Die Kosten hier vor Ort sind alle vom Organisator gedeckelt. Alles, was hier vor Ort passiert, müssen wir nicht bezahlen. Wir tragen nur die Flugkosten. Durch unsere schon deutlich siebenstellig generierten Einnahmen, rechnet sich so eine Tour schnell.