Kraftprotz aus Bergamo: Der Stürmer Mateo Retegui ist an 48 Prozent aller Ligatore von Atalanta beteiligt, traf auch am Wochenende beim 3:0-Sieg in Neapel. Foto: Imago// Alberto Lingria

Mit 29 Treffern in elf Ligaspielen läuft das Offensivspiel von Atalanta Bergamo auf Hochtouren. Vor dem Auftritt in Stuttgart am Mittwoch übertrumpft der Europa-League-Sieger den VfB in vielerlei Hinsicht. Aber auch der VfB besitzt seine Vorteile.

Am Mittwochabend (21 Uhr) empfängt der VfB am vierten Spieltag der Champions League das italienische Spitzenteam von Atalanta Bergamo. Dabei ist der amtierende Europa-League-Champion den Stuttgartern nicht nur in der Tabelle der Königsklasse einen Schritt voraus. Während die Stuttgarter mit vier Punkten aktuell auf Rang 18 in der Ligaphase der Champions League platziert sind, steht Atalanta mit fünf Punkten einen Punkt und einen Platz besser da.

 

Auf internationaler Bühne hat das Team von Erfolgstrainer Gian Piero Gasperini dabei noch kein Gegentor kassiert (der VfB hingegen vier). Neben den Nullnummern gegen den FC Arsenal und Celtic Glasgow gewann Bergamo in der Königsklasse das zweite Spiel mit 3:0 gegen Schachtar Donezk.

„La Dea“ wie Bergamo aufgrund der langhaarigen Göttin im Vereinswappen genannt wird, ist auch in der heimischen Serie A gut drauf: Nach dem 3:0 gegen den SSC Neapel vom Sonntag ist der Club aus Norditalien Tabellendritter, hat dabei die meisten Tore aller Teams in Italien geschossen: 29 Treffer in elf Ligaspielen bedeuten einen Schnitt von 2,6 Toren pro Partie. Zum Vergleich: Der VfB als Achter der Bundesliga kommt nach neun Spieltagen auf 17 Tore, das macht einen Schnitt von 1,8. Doch es gibt noch mehr aufschlussreiche Zahlen, wie die Daten-Auswertungen des Instituts für Spielanalyse in Kooperation mit dem Daten-Dienstleister One versus One zeigen.

Carnesecchi versus Nübel – die Keeper im Vergleich

Auch bei der Zahl der Gegentore liegen die Italiener vorne: 14-mal musste der aufstrebende Atalanta-Keeper Marco Carnesecchi, 24, in elf Spielen nur hinter sich greifen (Schnitt: 1,3 Gegentore pro Spiel). Alexander Nübel blieb zwar durch seinen Galaauftritt beim 0:0 bei Bayer Leverkusen mit weißer Weste, hat aber in neun Bundesligaspielen bereits 16 Gegentore kassiert (Schnitt 1,8).

Doch nicht überall hinkt der VfB hinterher: So ist die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß beim Passspiel erfolgreicher, führte vor dem Wochenende hier deutlich mit 3776 angekommenen Pässen gegenüber Atalanta (3413), das unter Coach Gasperini gerne druckvolles Pressing spielt, sich aber auch zurückziehen kann. Auch bei den gewonnenen Zweikämpfen besitzt der VfB bislang ein leichtes Plus.

Steht beim VfB der deutsche Nationalspieler Deniz Undav in der Gunst des Publikum ganz vorne, so ist bei Atalanta der in Argentinien geborene italienische Nationalspieler Mateo Retegui der Mann der Stunde – er führt die Serie-A-Torschützenliste mit elf Treffern vor Marcus Thuram (sieben) an, dahinter folgt gleich sein Teamgefährte Ademola Lookman (sechs). Der 25-Jährige ist mit zusätzlichen drei Assists somit an 48 Prozent der Tore von Bergamo beteiligt.

Während beim VfB Maximilian Mittelstädt der Vorlagenkönig ist (drei Assists), nimmt bei den Italienern Ademola Lookman diese Rolle ein. Der in London geborene Nigerianer hat in der Liga bereits fünf Tore aufgelegt. Dass bei Bergamo, bei dem der ehemalige Schalker Sead Kolasinac in der Innenverteidigung agiert, die Zeiten als unbeachteter Provinzclub längst vorbei sind, zeigt auch ein Blick auf die Marktwerte: 447,4 Millionen Euro beträgt der Wert des Atalanta-Kaders (VfB 313,37 Millionen Euro), dessen Spieler im Schnitt 2,2 Millionen Euro pro Saison verdienen.

Weil Verteidiger Giorgio Scalvini (Marktwert: 45 Millionen Euro) verletzt fehlt, wird Ademola Lookman (40 Millionen) der Bergamo-Spieler mit dem höchsten Marktwert auf dem Platz sein. Übertrumpft wird er aber von VfB-Seite durch Enzo Millot, dessen Marktwert aktuell bei 42 Millionen Euro liegt.

Durch den Gewinn der Europa League im Finale von Dublin im Sommer gegen Bayer Leverkusen mit 3:0, als Lookman alle drei Tore erzielte, hat Atalanta Bergamo dem VfB einen internationalen Titel voraus. Auf nationaler Ebene liegt aber der VfB klar vorne: Während die Stuttgarter fünfmal deutscher Meister (1950, 1952, 1984, 1992, 2007) wurden, konnten die Norditaliener den Scudetto als Titelträger der Serie A noch nie in Händen halten.