Der VfB Stuttgart hat in der Champions League seinen ersten Punkt der Saison geholt. Wirklich zufrieden ist damit aber kaum jemand. Warum der Aufwand der Stuttgarter nicht zu mehr führte.
Fabian Rieder schloss in der 87. Minute noch einmal entschlossen ab. Kurz vor dem Ende der Nachspielzeit versuchte es Anthony Rouault aus der Distanz. Aber: Beide Male war Peter Vindahl, der Torhüter von Sparta Prag, zur Stelle – und kurz nachdem der Abpfiff ertönt war, sah man durchaus bedröppelte Mienen in den Reihen des VfB Stuttgart. Ganz klar: Das erste Heimspiel in der Champions League seit dem 23. Februar 2010 (1:1 gegen den FC Barcelona) hatten sich die Stuttgarter anders vorgestellt.
Ein Fußballfest hätte es werden sollen – und die Atmosphäre samt einer beeindruckenden Choreografie passte absolut. Ein Sieg sollte im zweiten Königsklassenspiel der Saison (nach dem 1:3 bei Real Madrid) her. Die VfB-Stars wurden am Ende auch beklatscht – doch zu mehr als einem 1:1 gegen Sparta Prag hatte es nicht gereicht. „Über das Ergebnis sind wir enttäuscht, denn wir haben uns mehr erhofft“, sagte Sebastian Hoeneß.
Gegenüber dem 2:2 in Wolfsburg hatte der VfB-Trainer seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert. Anstelle von Flügelstürmer Fabian Rieder kehrte Deniz Undav in die Startelf zurück. Zudem ersetzte Pascal Stenzel den angeschlagenen Josha Vagnoman – und hatte gleich allerhand zu tun.
Denn es dauerte gar nicht lange, da wurde klar: Der VfB hat es mit einem Gegner zu tun, der diszipliniert gegen den Ball arbeitet – und bei Ballgewinnen recht zielstrebig den Weg zum Tor sucht. So tat sich der VfB erst einmal schwer, den gewohnten Rhythmus aufzunehmen. Das weiß-rote Gebilde wirkte etwas wackelig – umso erstaunlicher: Zur frühen Führung reichte es dennoch.
Enzo Millot trifft per Kopf
Maximilian Mittelstädt und Jamie Leweling boten die erste flüssige Stuttgarter Kombination des Tages – einen Doppelpass auf der linken Seite. Mittelstädt flankte den Ball dann in den Strafraum des tschechischen Meisters. Dort lauerte Enzo Millot, der zum 1:0 nach sieben Minuten einnickte.
Die ohnehin herausragende und knisternde Stimmung in der ausverkauften MHP-Arena erklomm einen weiteren Rekordpegel. Allerdings gab der Treffer dem VfB-Team nur bedingt Sicherheit. Zwar zog der Vizemeister der vergangenen Bundesligasaison phasenweise sein gewohntes Passspiel auf und war immer wieder auf dem Weg, die Kontrolle vollends zu übernehmen. Doch immer, wenn sich ein vages Gefühl von Sicherheit und Dominanz breit machte, brachten sich die Jungs von Sparta Prag mit gefährlichen Aktionen wieder in Erinnerung. „Uns hat die Schärfe gefehlt“, monierte Hoeneß. Das nutzten die Gäste.
In der 13. Minute sprang der Ball nach einem Kopfball von Martin Vitik noch an den Pfosten des VfB-Tores. In der 39. Minute traf Veljko Birmancevic ebenso die Latte – als sein Team aus der tschechischen Hauptstadt jedoch bereits den Ausgleich erzielt hatte.
Etwas mehr als eine halbe Stunde war gespielt gewesen, als Enzo Millot vorne den Ball verlor. Beim VfB wartete man vergeblich auf einen Pfiff des Schiedsrichters, die Prager indessen spielten weiter – und Maximilian Mittelstädt verursachte am linken Stuttgarter Strafraumeck einen Freistoß. Den Kaan Kairinen derart exakt in den Torwinkel trat, dass Alexander Nübel keine Chance hatte, den Ausgleich zu verhindern. Die ohnehin knifflige Aufgabe war noch schwieriger geworden für die Gastgeber.
Auch nach der Pause blieben die Tschechen gefährlich, hatten die erste Torchance, die Nübel stark zunichtemachte. Erst dann übernahm der VfB nach und nach die Kontrolle und drückte die Gäste weit an deren eigenen Strafraum zurück. Auch die Umstellung, die mit den Einwechslungen von Chris Führich (für Ermedin Demirovic) und Anrie Chase (für Pascal Stenzel) einherging, brachte neuen Schwung. Allerdings: Der Athletic Club Sparta aus Prag blieb standhaft, ließ dem VfB kaum Räume und verhinderte meist schon das gefahrbringende Zuspiel.
In der letzten halben Stunde verteidigten die Gäste teils mit sechs Mann auf einer Linie – der VfB suchte und suchte die Lücke, fand sie aber trotz drückender Dominanz nicht. Nach 94 Minuten war Schluss – und die Stuttgarter mussten sich trotz großer Bemühungen mit dem Punkt zufriedengeben. „In der zweiten Halbzeit waren es genug Chancen, um das zweite Tor zu machen, obwohl wir nicht immer mit der nötigen Haltung und Kreativität gespielt haben“, sagte Hoeneß.
Am Sonntag (19.30 Uhr) geht es nun in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim weiter. Nächster Gegner in der Champions League ist am 22. Oktober auswärts Juventus Turin.