Gibt die Richtung beim VfB Stuttgart II vor: Trainer Marc Kienle. Foto: Baumann

In Marc Stein und Benedikt Koep hat der VfB Stuttgart für den Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Regionalliga zwei erfahrene Kräfte dazubekommen. Warum der Klassenverbleib dennoch kein Selbstläufer wird, erklärt Trainer Marc Kienle im Interview.

Stuttgart - Die Bilanz vor der Winterpause war mehr als ernüchternd. Zwölf Spiele lang blieb der VfB Stuttgart II in der Regionalliga ohne Sieg. Der letzte dreifache Punktgewinn datiert vom 8. September 2018 – damals hatte es ein 3:2 beim FSV Mainz 05 II gegeben. Der Pflichtspielstart 2019 am 24. Februar (14 Uhr/Schlienzstadion) gegen den Tabellen-Neunten SV Elversberg soll für den Tabellen-Drittletzten ein Neubeginn mit zwei frischen Kräften werden. „Ich bin optimistisch, dass wir in den restlichen 14 Spielen die notwendigen Punkte holen werden“, sagt Trainer Marc Kienle.

Herr Kienle, wie läuft die Vorbereitung im Schatten der Turbulenzen bei den Profis?

Für uns hat sich in den vergangenen Tagen nichts geändert. Wir arbeiten normal weiter und bereiten uns auf den Start vor. Wir haben mit der Regionalligamannschaft unsere eigenen Themen und Ziele – und die zu erreichen wird schwer genug.

Was ändert sich für Sie durch den Aufstieg von Thomas Hitzlsperger vom Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) zum Sport-Vorstand?

Der Austausch mit Thomas Hitzlsperger war zuvor schon eng und ich denke, dass dies auch so bleiben wird.

Wie lief die Vorbereitung bisher?

Zuletzt haben wir das Testspiel beim sehr starken und aggressiven Oberliga-Spitzenclub 1. Göppinger Sportverein mit 1:3 verloren. Darüber war ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mal so unglücklich. Da lassen sich zum einen nochmal neue Reize setzen. Zum andern tun diese Spiele meinem Team gut, denn ähnliche Gegner erwarten uns in der Liga eben auch in Pirmasens oder Balingen. Im Trainingslager in Spanien hatten wir gute Bedingungen und gewannen gegen den souveränen Nord-Regionalliga-Tabellenführer VfL Wolfsburg II mit 3:1 .

Sind alle Ihrer Spieler fit?

Unser Neuzugang Benedikt Koep hatte Schmerzen an der Fußsohle, ist jetzt wieder ins Lauftraining eingestiegen, aber fürs Spiel gegen die SV Elversberg wird es sehr eng. Innenverteidiger Manuel Kober plagen Knieprobleme, wann er wieder spielen kann, ist offen.

Der 31 Jahre alte Koep ist neben Marc Stein (33) einer der beiden Winter-Neuzugänge. Wie froh sind Sie über diese gaballte Ladung an Erfahrung für Ihr junges Team?

Natürlich sehr froh. Man hat die Notwendigkeit erkannt, dass solche Säulen dringend nötig sind, um konkurrenzfähig zu sein. Unsere junge Mannschaft braucht diese Unterstützung. Zudem darf man nicht vergessen, dass wir nach Nicolas Sessa und Alexander Groiß zu Beginn der Saison im Winter vier weitere Spieler abgegeben haben. Wir brauchten diese Spieler, um auch wieder breiter aufgestellt zu sein. Was aber wenig daran ändert, dass wir uns personell immer noch am Minimum bewegen.

Warum?

Es gab Zeiten, da konnte ich mangels Masse nur Fünf gegen Fünf im Training spielen lassen. Vor kurzem war erstmals ein Acht gegen Acht möglich. Wenn ich andere Zweitvertretungen von Bundesligisten anschaue, dann haben die schon viel größere personelle Möglichkeiten. Der VfL Wolfsburg II hat im Testspiel gegen uns bei Halbzeit eine komplett neue Mannschaft gebracht. Davon können wir nur träumen. Aber ich will nicht jammern.

Zumal Sie zwei Wunschspieler dazu bekamen.

Ja. Marc Stein ist ein Typ, der ein Team führen kann und der sehr viel Erfahrung mitbringt. Er hatte bei Drittligist Energie Cottbus eine starke Hinserie gespielt. Wir haben uns stark um ihn bemüht. Dass er zu seiner Familie wieder nach Stuttgart zurück wollte, spielte uns in die Karten. Auch Benedikt Koep ist ein Mentalitätsspieler, der sich um die jungen Spieler kümmert. Solche Typen haben unserer jungen Mannschaft gefehlt.

Diese beiden älteren Spieler erhielten Verträge bis 2021. Ist das eine Abkehr vom U-21-Konzept?

Das ist keineswegs eine Abkehr vom U-21-Konzept. Die Förderung des Nachwuchs steht nach wie vor ganz oben auf der Agenda. Es kann gut sein, dass einer oder mehrere der älteren Spieler auch mal auf der Bank sitzen. Es geht einfach darum, dass es der Entwicklung der jungen Spieler gut tut, wenn sie erfahrene Kräfte im Training oder auch Spiel neben sich haben. Davon profitieren sie.

Tobias Werner (33) und Lukas Kiefer (25) haben Sie auch noch im Kader.

Beide verfügen über große Erfahrung. Lukas ist unser Kapitän und ganz wichtig für unsere Mannschaft, da er sich auch über seine Körperlichkeit definiert. Die Phase, als er lange ausfiel, zeigte deutlich, was wir an ihm haben. Er und Marc Stein sind zwei Schlüsselspieler, die nicht ausfallen dürfen.

Wie schwer wird der Klassenverbleib?

In der dritten Liga ist die SG Sonnenhof Großaspach abstiegsgefährdet, der VfR Aalen ist Tabellenletzter. Es kann fünf Absteiger geben. Aber wir müssen nach uns schauen. Und ich bin optimistisch, dass wir in den restlichen 14 Spielen die nötigen Punkte holen werden.

Gegen die SV Elversberg am 24. Februar können Sie damit beginnen.

Zunächst haben wir noch das abschließende Testspiel am Sonntag gegen den FC Augsburg II, aber klar, unser Ziel ist es gegen Elversberg mit punkten zu beginnen, auch wenn es eine ganz harte Nuss wird, die wir da zu knacken haben. Ich freue mich jedenfalls darauf und auch auf das Wiedersehen mit Elversbergs Trainer Horst Steffen, mit dem ich beim MSV Duisburg zusammenspielte, und mit SV-Sportdirektor Nils-Ole Book, der beim SV Wehen Wiesbaden mein Spieler war.

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