Zwischen dem Brasilianer Ronaldo und der Agentinier Maxi Romero (rechts) gibt es Parallelen. Foto: Baumann/dpa

Der VfB war drauf und dran, mit Maximiliano Romero eines der Top-Talente der Welt zu verpflichten. Schon einmal hatten die Schwaben einen aufgehenden Stern aus Südamerika an der Angel - der Transfer scheiterte aber auch damals an der Ablöse. Unser Autor Thomas Näher erinnert sich.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart stand kurz davor, sich eines der besten Talente des Weltfußballs zu sichern. Zehn Millionen Euro wollten die Schwaben für Maximiliano Romero offenbar auf den Tisch legen. Rekord für den VfB Stuttgart. Der VfB selbst hielt sich die ganze Zeit bedeckt, während Maxi Romero seinen Wechsel bereits selbst verkündete (wir haben berichtet).

Doch dann die dramatische Wende. Der VfB zog sich aus den Verhandlungen zurück. der Transfer von Maxi Romero platzte (lesen Sie hier die ganze Geschichte). Was der Dramaturgie noch die Krone aufsetzt: Maxi Romero wechselt zur PSV Eindhoven.

Der VfB stand kurz vor der Verpflichtung eines kommenden Weltstars

Denn: Schon einmal war der VfB kurz davor, sich einen späteren Weltstar zu angeln. Der Brasilianer Ronaldo hatte damals sogar schon Gefallen am VfB-Trikot gefunden. Doch der Deal platzte. Und er ging in die Niederlande. Unser Autor Thomas Näher erinnert sich:

Es gibt Geschichten, die sind zu schön, um wahr zu sein. Die folgende ist so eine. Und der persönliche Aufstieg von Lionel Messi illustriert sie. Seit der FC Barcelona einst in der Champions League den FC Chelsea entzaubert hat, ist Messi in aller Munde. Die Fußballwelt staunte damals über den 18 Jahre alten Zauberzwerg. Seine Künste sind längst unbezahlbar. Der FC Barcelona hat die Ablöse für ihn auf eine astronomische Summe festgelegt und lacht sich ins Fäustchen: Als Messi praktisch zum Nulltarif bei den Katalanen unterschrieb, war er 13 Jahre alt. Ein unbeschriebenes Blatt - wie Ronaldo im Jahr 1994.

Ralf Rangnick erinnert sich noch genau. So, als sei der Anruf des damaligen VfB-Managers Dieter Hoeneß erst ein paar Tage alt. „Hoeneß hat gesagt: Du musst nach Brasilien fliegen, am besten noch heute Abend“, sagt der damalige Jugendkoordinator der Roten. Ein Berater hatte dem VfB etwas vorgeschwärmt. Von einem 16-Jährigen war die Rede, schüchtern, mit einer mächtigen Zahnspange und scheinbar unermesslichem Fußballtalent. Außerdem bot er ein anderes Talent an. Sein Name: Dener.

Ralf Rangnick war von Ronaldo angetan

Stunden später saß Rangnick im Flugzeug. Im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro sah er Cruzeiro Belo Horizonte. Mit Ronaldo. Und mit Dener. Eine Mission mit tragischem Ende: Tags darauf verunglückte Dener auf der Fahrt zum Training tödlich. Ronaldo aber hatte es Rangnick angetan. Schon der erste Eindruck genügte ihm: „Es war nicht schwer zu sehen, dass Ronaldo ein ganz besonderer Spieler war. Es war klar: Wenn er gesund bleibt, wird er ein Star.“ Das war der Beginn eines Versteckspiels. Eine Woche dauerte das Katz-und-Maus-Spiel, so lange blieb Rangnick.

Der Präsident von Cruzeiro, ein Politiker, lag ihm flehend in den Ohren: „Demnächst ist hier Wahl, ich kann Ronaldo nicht verkaufen, die Leute würden mir das nie verzeihen.“ Trotzdem gab es ein privates Treffen. Bei Nacht und Nebel in Rangnicks Hotelzimmer. Ronaldo kam im Schutz der Dunkelheit, durch den Hintereingang. Rangnick überreichte Ronaldo ein VfB-Trikot. Damit hinterließ er bleibenden Eindruck. Vor einiger Zeit trafen sich die beiden wieder. Ronaldo sagte: „Ich erinnere mich an das VfB-Trikot. Stuttgart war damals der erste Club, der sich für mich interessiert hat.“

Cruzeiro forderte fünf Millionen Dollar

Als Rangnick wieder auf dem Wasen war, schwärmte er Dieter Hoeneß vor: „Ein Supertalent, überragend, mit allen Qualitäten, die man sich denken kann.“ Die Sache hatte nur einen Haken: Cruzeiro forderte fünf Millionen Dollar Ablöse. Heute huscht ein Lächeln über das Gesicht von Ulrich Ruf. Der einstige Finanzvorstand der Roten hatte schon damals die VfB-Kasse gehütet. „Umgerechnet waren das neun bis zehn Millionen Mark. So viel Geld hatten wir nicht. Damals gab es überhaupt keine Transfers in dieser Größenordnung“, erinnert sich Ruf. Deshalb war das Thema so schnell vom Tisch, wie es aufgekommen war. Ein Flirt ohne Happy End. Stoff für (unerfüllte) Träume. Nur nicht für die PSV Eindhoven. Mit dem Philips-Konzern im Rücken verpflichteten die Niederländer im Sommer 1994 Ronaldo. Zwei Jahre später reichten sie ihn an den FC Barcelona weiter - für 15 Millionen Euro.

Im Fall von Maxi Romero endet die Geschichte also nahezu gleich. Nur die Frage, wieviel Geld der Argentinier eines Tages den Holländern einbringt, bleibt offen. Ansonsten hat sich in diesen Tagen Geschichte wiederholt.

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