Seit 2012 geht es für Stefan Reuter mit dem FC Augsburg nur bergauf. Jetzt stecken sie in der ersten Krise. Foto: dpa

Der Manager des kommenden VfB-Gegners FC Augsburg will die Probleme beim Tabellenletzten nicht kleinreden. „Aber wir kommen da unten raus“, sagt Stefan Reuter.

Stuttgart -

Hallo Herr Reuter, in diesen Tagen fällt es schwer, über Fußball zu sprechen. Ist es die richtige Entscheidung der Deutschen FußballLiga, den Spieltag auszutragen?
In puncto Sicherheit hat sich in den vergangenen Jahren ja schon einiges getan. Nach den Vorfällen von Paris und Hannover sind die Verantwortlichen noch stärker sensibilisiert. Man darf sich dem Terror nicht beugen, insofern ist es die absolut richtige Entscheidung, am Wochenende wieder Fußball zu spielen.
Auch mit der Einschränkung strengerer Einlasskontrollen?
Es geht schon länger in die Richtung, Einlasskontrollen an den Stadioneingängen zu verschärfen. Das mag für die Fans nicht schön sein, aber ich denke, es führt kein Weg dran vorbei, in Zukunft vielleicht sogar noch höhere Auflagen zu akzeptieren.
Wie denken Ihre Spieler über Terror und Fußball?
Die jüngsten Vorfälle sind natürlich auch in der Mannschaft ein Thema, es wird viel diskutiert. Aber der Tenor ist: Weitermachen!
Demnach ist noch niemand mit der Bitte an Sie herangetreten, am Samstag in Stuttgart nicht spielen zu wollen.
Nein.
Kommen wir zum Sportlichen. Das Spiel beim VfB ist für beide Vereine wichtig, für den FC Augsburg aber ganz besonders. Mit nur sechs Punkten stehen Sie am Tabellenende. Was sind die Gründe für den Absturz?
Da gibt es viele. Wir haben die Saison ganz akzeptabel begonnen, aber keine Punkte eingefahren. Pfosten, Latte, unglückliche Schiedsrichterentscheidungen – für uns kam vieles zusammen. Dann kam eine Phase, in der wir nicht gut gespielt haben. In den letzten Wochen hat die Mannschaft aber wieder einen besseren Eindruck gemacht und ist auf dem richtigen Weg.
Aber trotzdem nicht gewonnen.
Weil wir vorne die Tore nicht geschossen und hinten zu viele einfache Fehler gemacht haben. Jetzt stehen wir punktemäßig natürlich katastrophal da.
Aber Sie behalten die Ruhe.
Natürlich. Wir haben eine schwierige Phase, umso wichtiger ist es, jetzt nicht die Nerven zu verlieren. Wir analysieren die Fehler, arbeiten sie auf und machen ruhig weiter. Dann kommen wir auch bald da unten raus – davon bin ich überzeugt.
Erweist sich die Europa League für den FCA schon als Fluch – Stichwort Mehrfachbelastung?
Bei uns machen Spieler Fehler, die seit Jahren die Zuverlässigkeit in Person sind. Das hat vielleicht schon einen Tick mit der höheren Belastung und nachlassender Konzentration zu tun. Aber daran arbeiten wir gerade, dass die Spieler wieder mit der nötigen Frische auf den Platz gehen. Es darf sich bloß niemand einreden, dass die Europa League schuld ist.
Warum läuft es dort – anders als in der Bundesliga?
In der Europa League haben wir die ersten zwei Spiele auch verloren und uns dann in den Wettbewerb zurückgekämpft. Das gilt es nun in der Liga zu wiederholen.
Wie reagiert das Umfeld in Augsburg auf die Talfahrt? Können die Fans nach zwei sehr erfolgreichen Jahren mit der derzeitigen Situation gut umgehen?
Das können sie. Sie wissen genau, dass wir kein gestandener Europa-League-Teilnehmer sind, sondern eine Mannschaft, die um den Klassenverbleib kämpft. Wir haben die letzten zweieinhalb Jahre ein Stück weit über unseren Verhältnissen gespielt und sensationell abgeschnitten. Jetzt haben wir eine Phase, in der wir unter unseren Möglichkeiten bleiben. Aber dass es mal eine schwierigere Phase geben wird, war allen in Augsburg klar.
Das Ganze hat ja auch ein Gutes: Ihr Trainer Markus Weinzierl ist jetzt bei der Konkurrenz nicht mehr so begehrt.

Markus Weinzierl hat hier Vertrag, und wir haben immer gesagt, wir ziehen das gemeinsam durch. Insofern hat mich nie interessiert, wo unser Trainer irgendwo gehandelt wird.

Vor drei Jahren ging Weinzierl als Bundesliganeuling mit nur neun Punkten in die Winterpause, um in der Rückrunde richtig durchzustarten. Sehen Sie Parallelen zu damals?
Die gibt es durchaus. Wir haben die schwierige Situation damals mit einem Großteil der aktuellen Mannschaft gemeistert. Das gibt uns das nötige Vertrauen, auch jetzt wieder an uns zu glauben.
Dem VfB geht es aktuell nicht wesentlich besser als dem FCA. Wie beurteilen Sie die Situation in Stuttgart?
In Stuttgart herrscht im Vergleich zu Augsburg eine ganz andere Erwartungshaltung, das macht die Arbeit beim VfB schwieriger. Ich kann mich in meinen Kollegen gut ­hineinversetzen, beschäftige mich aber nur mit dem FC Augsburg.
Mit welchem Gefühl gehen Sie am Samstag ins Stadion?
Mit einem ganz normalen Gefühl. Die jüngsten Vorfälle von Paris und Hannover sind ­sicher noch im Hinterkopf. Aber ich habe volles Vertrauen in die Sicherheitskräfte.
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