VfB-Gegner Dresden Dynamo-Fans kämpfen gegen schlechtes Image

Von Christoph Ruf 

Die Dresdner Fans haben ein schlechtes Image, doch ein genauere Blick in die Fanszene offenbart eine positive Entwicklung. Foto: Bongarts
Die Dresdner Fans haben ein schlechtes Image, doch ein genauere Blick in die Fanszene offenbart eine positive Entwicklung. Foto: Bongarts

Dynamo Dresden kommt an diesem Sonntag zum VfB Stuttgart. Dabei stehen vor allem die mitgereisten Fans im Fokus, welche nicht unschuldig an ihrem schlechten Image sind. Doch wahr ist auch, dass sich die Dresdner Fan-Szene in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat.

Stuttgart - Am vergangenen Sonntag geschah das, was immer passiert, wenn Dynamo Dresden ein Auswärtsspiel hat: Tausende Fans der Schwarz-Gelben begleiteten ihre Mannschaft nach Zwickau.

Doch damit enden die Parallelen zum Status quo. Denn während im Liga-Alltag oft Rekordaufgebote der Polizei die Fanmassen erwarten, herrschte in Westsachsen helle Freude über den Besuch aus Dresden: Über 150 000 Euro brachte das Benefizspiel in die Kassen des gebeutelten Drittligisten. Die Fanszenen beider Vereine sind befreundet, vor dem Spiel hatten die Capos („Chefs“) beider Ultraszenen gemeinsam Bier ausgeschenkt – zur Freude aller war auch ein lila Plastikschwein zu sehen, von dem später noch die Rede sein wird.

Seit dem Stadionumbau kaum Vorkommnisse

So idyllisch geht es nicht immer zu, wenn Dynamo auswärts spielt. Dass zur Fanszene eine stattliche Anzahl an Hooligans und rechtsgerichteten Fans zählt, ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass Tausende in Sippenhaft genommen werden, die als „ganz normale Fußballfans“ wahrgenommen würden, wenn sie statt des gelb-schwarzen Trikots der Dresdner eines der Dortmunder Borussen anhätten, bei denen das Naziproblem meist auch in Relation zur Gesamtzahl der Fans gesetzt wird.

In Dresden und Umland gelten die Heimspiele als Pflichtveranstaltungen – für den Rentner, der mit Rührung im Blick die Vereinshymne „12. Mann“ mitsingt („ob um Punkte oder im Pokal – wir Fans sind da in großer Zahl“), bis zur Familie mit Kindern. Das Heimspielpublikum ist genauso durchmischt wie in Hamburg oder Stuttgart. Dass es bei den Spielen zuletzt weit weniger Vorfälle gab als bei Vereinen mit besserem Image, bestätigt auch die Polizei. Seit dem Stadionumbau 2009 passiere kaum noch etwas. Gut möglich allerdings, dass am Sonntag, wenn mehr als 6000 Dynamo-Fans in Stuttgart erwartet werden, Pyrotechnik gezündet wird. Wegen der Europapokal-Duelle 1989 ist das Spiel für die Dynamo-Szene ein besonderes.

„Rassismus kein Fangesang“ auf der Anzeigetafel

Nicht nur, wenn es nach Stuttgart geht, finden bei Dynamo-Spielen wahre Völkerwanderungen statt. 15 000 Dresdner Fans begleiteten ihr Team im Dezember zum Spiel bei 1860 München. „Dynamo hat eine der größten und vitalsten Fanszenen in Deutschland. Da kann es bei einzelnen Spielen immer mal zu unschönen Vorfällen kommen“, sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinierungsstelle der Fanprojekte in Frankfurt. „Das verbreitete Klischee, die Dynamo-Fans seien in der Mehrzahl gewalttätig und rechts, trifft aber schon lange nicht mehr zu.“

Immer noch kommen allerdings viele kampfsportgestählte Männer zu den Spielen, die politisch der Pegida-Bewegung näherstehen als dem demokratischen Spektrum. Doch im Gegensatz zu den 1990er Jahren, als rassistische Rufe noch an der Tagesordnung waren, bleiben die heute aus. Nicht nur, weil der Verein seit Jahren viel deutlicher Position bezieht als früher. Nicht nur, weil auch in Dresden die Mehrheit der Stadionbesucher findet, dass „Rassismus kein Fangesang“ ist, wie auf der Anzeigetafel steht. Sondern vor allem, weil die enorm große Ultraszene des Vereins sich als „unpolitisch“ erklärt. Der Begriff ist umstritten, im Kurven-Alltag aber bedeutet er, dass jeder Fan, der sich politisch äußert, gegen den Minimalkonsens verstößt – egal, ob er als Privatperson rechts oder links tickt. Das „Keine Politik im Stadion“-Dogma führte auch dazu, dass der rechtsextreme Schlägertrupp „Faust des Ostens“ aus dem Stadion komplimentiert wurde, die Linie schränkt aber auch Fans ein, die sich offensiver gegen rechts positionieren wollen.

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