Hertha-Trainer Friedhelm Funkel (l.) und Manager Michael Preetz bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Foto: dpa

Der VfB spielt in Berlin vor einer Geisterkulisse - dafür wird vor dem Stadion umso mehr geboten.

Berlin - So etwas hat die Bundesliga noch nicht gesehen: Während Hertha BSC am Samstag gegen den VfB Stuttgart in einem halbleeren Stadion um das „Wunder von Berlin“ kämpfen muss, fiebern die ausgesperrten Fußball-Fans nur wenige hundert Meter entfernt bei einem gigantischen Public Viewing mit.

„Das ist irre und passt zu dieser Saison“, erklärte Manager Michael Preetz zwei Tage vor dem Strafspiel der Berliner gegen die beste Mannschaft der Rückrunde.

"Der VfB hat einen Lauf"

Die Anhänger der „Alten Dame“ gestalten die DFB-Sanktion für die Randale einiger Hertha-Chaoten nach der Partie am 13. März gegen Nürnberg (1:2) in ein Happening um: Vor einem Riesenbildschirm in der ans Olympiastadion angrenzenden Waldbühne, ohnehin seit einem legendären Konzert von Bob Marley 1980 als Kultstätte bekannt, hoffen bis zu 15.000 Anhänger mit den Berliner Profis.

Mit sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen sind Kampfgeist und Zuversicht zurück beim Tabellen-Letzten. Nach 202 Tagen könnte Hertha die Rote Laterne erstmals wieder abgeben, dazu muss allerdings endlich ein Heimsieg her.

 „Der VfB hat einen Lauf, aber auch wir haben zu einer konstanten Form gefunden“, erklärte Friedhelm Funkel, der als Hertha-Trainer noch kein Bundesliga-Heimspiel gewinnen konnte.

'Wir wissen, es ist hart'

Der VfB hat seit der Winterpause 28 Punkte gesammelt, zwei mehr als der FC Bayern. Doch auch die Herthaner, bei denen Florian Kringe nach Verletzung vor einem Comeback steht, haben sich mit 16 Rückrunden-Punkten die Chance auf das Wunder bewahrt.

Hertha wird die Jubelchöre in der direkt hinter dem Marathontor gelegenen Waldbühne und im Stadion verschmelzen lassen; vor und möglicherweise auch nach der Partie wird die Waldbühnen-Party auf den Video-Bildschirmen im Stadion zu sehen sein.

Randalierer helfen beim Auf- und Abbau

Auch die 27 Randalierer, die nach der Rasen-Stürmung mit einer dreijährigen bundesweiten Stadionsperre belegt wurden, dürfen auf dem Nebenschauplatz Waldbühne dabei sein. „Sie sind bereit, einen Sozialbeitrag zu leisten, etwa bei Auf- und Abbauten zu helfen“, berichtete Preetz.

Für den Verein wird das Public Viewing zu einem Zuschussgeschäft. Dennoch griff Hertha die Idee der Fans auf, „weil die meisten Leute völlig unverschuldet ausgeschlossen wurden“, sagte Preetz.

Hertha sieht sich durch das Urteil des DFB-Sportgerichts gleich mehrfach bestraft, nimmt es aber sportlich: „Wir wissen, es ist hart. Aber es hätte noch härter kommen können“, sagte Preetz.

Der Verein durfte für die Partie gegen Stuttgart nur 25.000 Tickets an eigene Fans verkaufen, dazu werden rund 3500 Gäste-Anhänger erwartet. Zudem sind 6000 der größten blau-weißen Stimmungsmacher aus der Ostkurve komplett ausgesperrt, da aus ihren Reihen die 100 bis 150 Innenraum-Stürmer nach dem Spiel gegen Nürnberg kommen.

„Der finanzielle Schaden wird sich sicher oberhalb von 500.000 Euro bewegen, da wir gegen den VfB mindestens 60.000 Zuschauer im Stadion gehabt hätten“, sagte Preetz, der auf eine zusätzliche Trotzreaktion der Mannschaft hofft: „Wir müssen sehen, dass wir aus dieser außergewöhnlichen Situation etwas herausziehen, eine Motivation.“

VfB ohne Hleb und Khedira

Zwei Wochen nach dem Coup beim Liga-Primus FC Bayern will der VfB Stuttgart seinen Ansturm auf die Euro-League- Plätze auch bei Schlusslicht Hertha BSC Berlin nicht stoppen lassen.

„Wir wollen weiter an unserer Auswärtsbilanz arbeiten“, kündigte VfB- Trainer Christian Gross an.

Denn bei ihrer Aufholjagd gilt für die beste Rückrunden- Mannschaft der Fußball-Bundesliga auch nach drei Siegen hintereinander streng die Devise: Bloß nicht lockerlassen!

"Das ist fast schon wie in der Sauna"

Schließlich wäre im Kopf-an-Kopf-Rennen des Quartetts Hamburger SV (45 Punkte), VfB Stuttgart (44), Eintracht Frankfurt (44) und VfL Wolfsburg (43) um den wahrscheinlich für die Europa-League reichenden sechsten Rang schon ein Remis ein Rückschlag.

„Das ist fast schon wie in der Sauna, so eng sitzt man da beieinander“, meinte VfB- Sportvorstand Horst Heldt. „Aber es ist klar, dass wir dieses Ziel haben, alle oder möglichst viele Spiele noch zu gewinnen. Und wenn wir das schaffen, haben wir sicherlich noch eine Möglichkeit.“

In Berlin richten sich die Schwaben trotz Herthas 18. Tabellenplatz auf einen Härtetest ein. „Wir treffen auf einen Gegner, der sich mit aller Macht gegen den drohenden Abstieg wehrt. Und das versuchen sie spielerisch zu lösen, stehen aber trotzdem sehr kompakt. Da werden wir aufs Äußerste gefordert“, warnte Gross.

Auch Heldt hält den Neunten der Rückrunden-Tabelle längst nicht nur wegen des jüngsten 3:0-Ausrufezeichens in Köln für gefährlich. „Sie haben in der Rückrunde die wenigsten Gegentore. Das ist eine Mannschaft, die in der Lage ist, jeden Gegner zu schlagen - auch uns. Wir müssen höllisch aufpassen“, sagte der 40-Jährige.

"Er hat mein Vertrauen"

Kaum Hoffnung hat der Tabellen-Siebte auf ein Comeback seines mit Adduktorenproblemen kämpfenden Mittelfeld-Antreibers Alexander Hleb. „Es sieht so aus, dass bei Alex noch nichts geht“, sagte Gross.

Auch Nationalspieler Sami Khedira wird nach seiner Knieverletzung trotz großer Fortschritte wohl weiter fehlen. Für den Platz neben Matthieu Delpierre in der Innenverteidigung legte sich Gross trotz seines Fehlers beim 2:1 gegen Mönchengladbach auf Serdar Tasci („Er hat mein Vertrauen“) fest, Georg Niedermeier bleibt auf der Bank.

Cacau steht nach verbüßter Gelbsperre als Alternative im Angriff bereit.

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