Berittene Polizistinnen und Polizisten vor dem Gästeblock nach der Partie zwischen dem VfB und Feyenoord Rotterdam. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Teils tierisch ging es im Gästeblock während der Europa-League-Partie des VfB gegen Feyenoord zu – und am Ende standen Pferde vor dem Block. Wann war das zuletzt der Fall?

So etwas hat die MHP-Arena schon eine Weile nicht mehr gesehen. Beim Europa-League-Duell zwischen dem VfB Stuttgart und Feyenoord Rotterdam am Donnerstagabend, das der Club aus Cannstatt nach Toren von Bilal El Khannouss und Deniz Undav mit 2:0 für sich entschied, standen ganz zum Schluss berittene Polizisten im Innenbereich des Stadions.

 

Nach Auskunft der Stuttgarter Polizei, die nach der Partie eine gemischte Bilanz zog, handelte es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Der Einsatz der Beamten der Reiterstaffel sei „präventiv“ erfolgt, so Sprecherin Kara Starke.

Polizeikette und Pferde am Gästeblock gegen Feyenoord

Nachdem die Feyenoord-Fans, die schon auf dem Marsch zum Stadion ihre Zerstörungswut offenbart hatten, mehrere Zaunelemente beschädigt und teilweise entfernt hatten, sei zu befürchten gewesen, dass Teile der Anhängerschaft auch auf das Feld kommen. Deshalb der Einsatz der Pferde. Zum Heimbereich des Stadions hin bildeten Beamte eine Polizeikette.

Dass Pferde im Innenbereich der Arena zum Einsatz kommen, ist im übrigen „nicht die Regel“, wie Starke es ausdrückt. Man könnte auch sagen, es ist äußerst selten. Das letzte Mal war das – auch nur kurzzeitig – im Jahr 2022 der Fall. Am letzten Spieltag köpfte der damalige Kapitän Wataru Endo das Stadion in Ekstase, als er mit einem Treffer in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln (2:1) den VfB in der ersten Liga hielt. Es kam zum Platzsturm, als die Situation zu eskalieren drohte, weil auch Kölner aufs Feld drängten, gingen berittene Beamte dazwischen.

Ermittlungen nach Derby gegen Polizeireiter

Wie viele Reiter in Uniform im Einsatz sind, hängt vom jeweiligen Spiel ab und ist „lageabhängig“, wie es heißt. Je höher Verband, Verein und Polizei das Risiko von Krawallen und Randale einstufen, desto mehr Einsatzkräfte insgesamt sind im Einsatz – die Zahl der berittenen Kräfte steigt entsprechend. An „normalen“ Spieltagen in der Fußball-Bundesliga werden die Beamten zu Pferde vor allem zur „Bestreifung“ rund ums Stadion eingesetzt.

Darüber, wann die Pferde im Stadion selbst zum Einsatz kommen, führt die Polizei keine Statistik. In der Vergangenheit gab es deshalb aber auch schon richtig Ärger. Insbesondere am Rande der Derbys mit dem Karlsruher SC waren berittene Kräfte immer wieder gefragt.

Nach einem 3:1-Heimsieg des VfB gegen den Rivalen aus Baden im Herbst 2008 schlugen Teile der Gästefans mächtig über die Stränge. Sie hatten Schalensitze herausgerissen, eine Toilette im Stadion angezündet sowie mit Pflastersteinen, Bechern und Ähnlichem geworfen. Die Polizei schritt mit acht Polizeipferden ein, zwei der Reiter wurden hinterher angezeigt. Die Polizeiführung sprach später von einer möglichen Überreaktion der beiden Beamten, bezeichnete den Einsatz der Reiterstaffel aber als notwendig. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen im darauffolgenden Jahr ein.

Berittene Kräfte nach dem Heimspiel des VfB gegen Bayern München im Jahr 2010. Foto: Archiv/Pressefoto Baumann/Keppler

In Baden-Württemberg gibt es zwei Polizeireiterstaffeln, eine in Mannheim , eine andere in Stuttgart. Sie gehören den Bereitschaftspolizeidirektionen des Polizeipräsidiums Einsatz an. Auch außerhalb des Fußballs kommt es immer wieder zu Vorfällen und Kritik im Zusammenhang mit der berittenen Truppe. Im vergangene Jahr wurden bei einer Mai-Kundgebung drei Pferde verletzt .