Die Roten Römer aus Kernen Steffen Günter, Jürgen Tönnies und Frank Eckardt (von links) fiebern in Fankluft auf dem Sofa mit ihrem VfB Stuttgart. Foto: Gottfried Stoppel

Anhänger des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart bedauern, dass sie ihren Verein wegen der Pandemie seit Langem nicht von den Rängen anfeuern können. Besondere Einblicke bei zwei Fanclubs.

Kernen - Nach dem Abpfiff der Bundesliga-Begegnung zwischen den Fußballern des VfB Stuttgart und denen von Arminia Bielefeld war die Stimmung unter den Roten Römern nicht euphorisch, aber fröhlich. Ihr Verein hatte das letzte Saisonspiel zwar mit 0:2 verloren, aber der neunte Tabellenplatz im Jahr nach dem Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus freut die Mitglieder des offiziellen Fanclubs aus Rommelshausen. Außerdem sind sie zuversichtlich, dass sie in der nächsten Saison den VfB Stuttgart wieder im Stadion anfeuern können.

Das Trikot mit dem roten Brustring haben die VfB-Anhänger aus Rommelshausen bei jeder Partie an. Auch wenn sie daheim vor dem Fernseher sitzen. Sie fiebern auch aus der Distanz immer mit. Mit großer Begeisterung, aber nicht ohne Bedauern. „Wir waren dabei, als der VfB vor zwei Jahren abgestiegen ist. Es tut schon weh, dass wir in dieser Runde, in der unser Verein in der Bundesliga so viel Spaß gemacht hat, bei keinem einzigen Spiel dabei sein konnten“, sagt Steffen Günter, der Präsident der Roten Römer.

Wo schmeckt die Rote Wurst besser?

Viele schöne Ausflüge haben er und seine Fußballclique wegen der Pandemie verpasst – und viele fröhliche Fußballfeste. Der Aufsteiger vom Wasen hatte sein Saisonziel, den Klassenverbleib, frühzeitig erreicht. Gerne hätten die Roten Römer in den vergangenen Wochen die Mannschaft und den Trainer gefeiert. „Denn sie haben sich nicht nur spielerisch stark, sondern nach außen auch überaus sympathisch präsentiert“, findet der Fanclub-Vorsitzende.

Wie Steffen Günter sehnt sich sein Schwager Jürgen Tönnies nach der Rückkehr in die Mercedes-Benz-Arena. „Auch wenn ich coronabedingt in den vergangenen Monaten für mich den Charme der Radioreportagen wieder entdeckt habe, vor allem der Schluss-Konferenzen. Doch die Vorfreude auf die neue Saison im Stadion ist jetzt schon groß.“

Auch Frank Eckardt von den Roten Römern sitzt lieber mit Steffen Günter und Jürgen Tönnies in den Plastiksitzen in der Untertürkheimer Kurve. So aber verbrachte er die Saison meist allein oder coronakonform mit maximal einer Person aus einem anderen Haushalt auf bequemen Sofas. Obwohl die Wurst, die der Präsident zu jedem VfB-Spiel auf dem Balkon grillt, bestimmt nicht schlechter schmeckt als die Stadion-Rote.

Die Leitungen der Messengerdienste glühen

„Uns fehlt allen das gemeinsame Stadionerlebnis. Die Server der Messengerdienste sind bei den VfB-Spielen heiß gelaufen, weil wir uns wegen der Kontaktbeschränkungen meistens nur auf diesem Weg austauschen konnten“, erzählt Steffen Günter, der als Physiotherapeut zweimal gegen Corona geimpft ist. Er hofft, dass sich die Anhänger bald wieder in Bad Cannstatt versammeln können, um gemeinsam ins Stadion zu ziehen. Wenn auch zunächst nur in kleinerer Zahl. „Die Ultras propagieren ja ‚alle oder keiner’, das hat seinen Charme, ist aber derzeit wohl eher nicht realistisch“, sagt der Präsident der Roten Römer.

Die Stadiongänger unter den gut 20 Mitgliedern des Fanclubs Narren-Chaos 1893 aus Schmiden wollen ebenfalls wieder auf ihre Plätze in den Rängen der Mercedes-Benz-Arena. Martina Madeya besucht seit dem Meisterjahr 2007 alle Heimspiele der Rot-Weißen. „Wenn das wegfällt, fehlt einem was.“ Die Liebe zum VfB teilt Martina Madeya mit ihrem Mann Michael. Gemeinsam wollen sie, sobald es möglich ist, auch wieder zu Auswärtsbegegnungen der Stuttgarter fahren.

Blickkontakt vom heimischen Balkon

Michaela Dähne, die Vorsitzende der närrischen Fans, geht aus gesundheitlichen Gründen seit einigen Jahren nur noch selten ins Stadion. Ihre Dauerkarte im Fanblock in der Cannstatter Kurve behält sie aber dennoch. „Daheim hast du einfach nicht das Feeling vom Stadion“, sagt die 53-Jährige. Sie hofft, dass sie bald das Ticket für die Bundesliga-Saison 21/22 in den Händen halten kann. „Sobald es die Dauerkarten gibt, hole ich meine persönlich in Bad Cannstatt ab“, sagt Michaela Dähne. Sie hält von ihrer Wohnung im Hochhaus im Schmidener Postweg immer Blickkontakt mit ihrem Lieblingsverein. „Ich sehe vom Balkon aus, wenn unten auf dem Wasen das Flutlicht angeht.“

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