VfB-Analyse gegen Bayern München Die Nullinger vom Neckar

Von Gregor Preiß 

Rein in Zahlen betrachtet war der Auftritt des VfB Stuttgart gegen Bayern München eine Bilanz des Schreckens. Null Chancen, null Tore, null Punkte. Schon steht der VfB da, wo er nie wieder hinwollte: Am Tabellenende.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat in seinem ersten Heimspiel der neuen Saison gegen einen starken FC Bayern München beim 0:3 (0:1) nicht den Hauch einer Chance. Wir analysieren das Spiel in unserer Fünferkette.

Spielidee: Trainer Tayfun Korkut wich von seinem gewohnten 4-4-2-System ab. Wie schon beim famosen 4:1-Triumph im Mai in München setzte der 44-Jährige auf ein 4-1-4-1. Die Idee dahinter: Die Räume hinten eng machen und über Konter mit dem schnellen Anastasios Donis die Münchner überrumpeln. Der Plan ging halbwegs auf, aber nur 37 Minuten lang. Nach dem Rückstand hatte der VfB den Bayern nichts mehr entgegenzusetzen. Was aber nicht am Spielsystem lag.

Spielentscheidend: Bis zum Gegentor durch Leon Goretzka zum 0:1 hatte der VfB einige Umschaltaktionen, konnte diese aber nicht bis zum Strafraum zu Ende spielen. Weil die Stuttgarter das hohe Spieltempo der Münchner mitgehen wollten, dabei aber häufig die Genauigkeit auf der Strecke blieb. Was letztlich der technischen Unterlegenheit geschuldet war. So mündete keiner der wenigen Ansätze in einem gefährlichen Torabschluss. Mit eigener Führung wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen. Aber davon war der VfB an diesem Abend so weit entfernt wie Mario Gomez im Moment von der Torjägerkanone.

Spielentscheider: Leon Goretzka (37.), Robert Lewandowski (62.) und Thomas Müller (76.) hießen die Torschützen der Münchner, die sich bei ihrem Gastspiel nur vorwerfen konnten, bei 23 Torschüssen nicht noch öfter ins Stuttgarter Tor getroffen zu haben. Ein 0:4 oder 0:5 wäre dem Spielverlauf angemessen gewesen. Der VfB hatte nach dem ersten Gegentreffer nichts mehr entgegenzusetzen. Und so erlebten die Fans im ausverkauften Stadion das seltene Schauspiel einer Mannschaft, die in 90 Minuten keinen Eckball und keinen einzigen Schuss auf das Tor von Manuel Neuer zustande brachte. „Dieses Mal war es gegen die Bayern besonders heftig“, lautete die ernüchternde Bilanz von VfB-Sportchef Michael Reschke. Nicht minder ernüchternd liest sich die bisherige Saisonbilanz der Nullinger vom Neckar: Drei Spiele, null Punkte, null Tore. Tabellenletzter.

Wortspiel: „Es war sicher kein günstigster Moment, gegen die Bayern zu spielen“, meinte Mario Gomez. Aber wäre der siebte, zwölfte oder 23. Spieltag ein besserer Zeitpunkt gewesen? „Vielleicht“, schob der Angreifer hinterher, „haben wir nach der sensationellen Rückrunde ein wenig gedacht, dass es so weitergeht.“ Angesichts solcher Überlegungen konnte das Kräftemessen mit dem Rekordmeister sicher nicht früh genug kommen.

Spielplan: Nach der deftigen Watschn grüßt der VfB erst einmal vom Tabellenende der Bundesliga. Und das mindestens zwei Wochen lang, die Länderspielpause lässt keine frühere Korrektur zu. Am Sonntag, 16. September (18 Uhr), steht dann die Auswärtspartie beim SC Freiburg auf dem Programm. Es wäre an der Zeit, die Null in Zählbares umzumünzen.

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