Veteranen machen auf ihrem Weg nach Sarajewo Station in Stuttgart Foto: Winkler/Bundeswehr LKdoBW

22 ehemalige Soldaten haben sich zu einer Veteranenfahrt nach Sarajevo auf den Weg gemacht. Sie kämpfen auf dem Rennrad nicht nur gegen Steigungen an, sondern seit ihren Kriegseinsätzen auch gegen posttraumatische Belastungsstörungen.

Stuttgart - Dass die Bundeswehr Kompanien mit Drahteseln ausgerüstet hat, ist lange her. Und doch rücken am Montag 22 Kameraden mit Rennrädern in die Theodor-Heuss-Kaserne in Bad Cannstatt ein. Sie tragen indes sportliches Zivil und die Zusammensetzung der Gruppe ist international: Es sind Kriegsveteranen aus Deutschland, Kanada, den Niederlanden und Bosnien. Die meisten von ihnen haben mit einem hartnäckigen Gegner zu kämpfen – der posttraumatischen Belastungsstörung.

Bad Cannstatt ist nur ein Etappenziel. Vom niederländischen Doorn führt der Weg der Männer nach Sarajevo, wo sie am 21. September, dem Weltfriedenstag der Vereinten Nationen, eintreffen wollen. „Wir wollen ein positives Signal setzen“, erklärt Jürgen Mark vom Bund Deutscher Veteranen. „Natürlich ist es uns wichtig, auf das Problem Post Traumatic Stress Disorder, kurz PTSD, aufmerksam zu machen. Vor allem geht es aber darum zu zeigen, dass es für Betroffene einen Weg zurück ins Leben gibt.“

Lob für Stuttgarter Gastfreundschaft

Mark ist Sanitäter und war 1993 mit der Bundeswehr in Somalia. Jahre später stand er mitten in Duisburg und spürte wieder den Sand Ostafrikas auf den Lippen. Die Kriegserlebnisse hatten ihn eingeholt. Heute sind er und Piet Heuts von den Wounded Warriors Nederland für andere Einsatzgeschädigte aktiv. Gemeinsam koordinieren die beiden die Tour über die Alpen: als therapieunterstützendes Projekt, aber auch als Zeichen, dass es immer noch Veteranen gibt. „Bei diesem Wort denken alle an den zweiten Weltkrieg und alte Männer“, stellt Heuts kopfschüttelnd fest. „Unser ältester Fahrer ist zwar 73, das ist aber die Ausnahme.“

Auch der Senior hat die Tagesetappe von 91 Kilometern gut bewältigt. Am Dienstag soll es nach Ulm weitergehen. Zunächst genießen die Radler aber die Stuttgarter Gastfreundschaft. „Es gibt Kasernen, die anfangen, Übernachtung oder Essen abzurechnen“, stellt Mark fest. „Hier hingegen werden wir sehr zuvorkommend versorgt.“

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