Die Plätze in der Vesperkirche waren zum Auftakt gleich lückenlos besetzt. Foto: Michael Steinert

Die Nürtinger Vesperkirche ist die älteste im Landkreis Esslingen. In der evangelischen Lutherkirche wird seit elf Jahren „gemeinsam an einem Tisch“ gegessen und gesessen.

Nürtingen - Der Ansturm auf die Vesperkirche hält unvermindert an. Am ersten Tag sind in der Nürtinger Lutherkirche aufgestellten Tische schon kurz nach der Öffnung der Kirchentüre belegt. Weit mehr als 300 Essen zum symbolischen Preis von einem Euro sollten die vielen ehrenamtlichen Helfer um die Chef-Organisatorin Barbara Greiler-Unrath im Laufe des Mittags schließlich ausgeben. „Wir haben einen richtigen Senkrechtstart hingelegt“, sagt die Pfarrerin der Lutherkirchen-Gemeinde, Bärbel Brückner-Walter. Der evangelische Dekan der Stadt, Michael Waldmann, hatte zuvor in seiner einführenden Predigt darauf hingewiesen, dass die Menschen nicht nur auf Barmherzigkeit angewiesen seien, sondern dass ihnen die Gesellschaft auch Gerechtigkeit schulde. Daran mangele es beispielsweise, wenn immer mehr Menschen unter immer widrigeren Wohnverhältnissen leiden müssten.

Gelebte Inklusion im Gotteshaus

Im Gotteshaus dagegen herrschte wohlige Wärme und das war nicht nur eine Frage der Raumtemperatur. „So viel gelebte Inklusion und milieu-übergreifenden Miteinanders gibt es sonst nur in wenigen kirchlichen Bereichen. Die Kirche bekommt ein Gesicht in diesen drei Wochen“, sagte Bärbel Brückner-Walter mit Blick auf die lückenlos besetzten Tischreihen im Gotteshaus. Ihre Einschätzung schließt auch den Betrieb hinter den Kulissen mit ein. Rund 250 ehrenamtliche Helfer sorgen noch bis zum Sonntag, 4. Februar, dafür, dass niemand hungrig aufstehen muss. „Wir schneiden jeden Tag 30 Kuchen an. Die sind alle im Ehrenamt gebacken und gespendet worden“, sagt die Seelsorgerin.

Wie stark die Nürtinger Vesperkirche, die einst als erste ihrer Art im Kreis Esslingen aus der Taufe gehoben wurde, im öffentlichen Leben der Stadt verankert ist, zeigt die Tafel der Unterstützer. Neben den Initiatoren, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und dem Kreisdiakonieverband Esslingen, sind dort zwei Dutzend Namen und Organisationen aufgeführt.

Eine ebenso wichtige, wenn auch nicht ganz so erfreuliche Nachricht steht auf einem kleineren Plakat direkt daneben. Die Fußpflegerin, die ihre Arbeit als begleitendes Angebot am Montag anbietet, ist leider schon ausgebucht. . .

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