Mirko Trodler hat die Vesperkirche geholfen, nun gibt er etwas zurück. Foto: factum/Weise

Die Vesperkirche in Ludwigsburg bietet noch bis zum ein günstiges Essen und soziale Kontakte. Mirko Trodler hat vor einigen Jahren selbst Hilfe gesucht und gefunden – nun will er etwas zurück geben.

Ludwigsburg - Da sitzt er inmitten der anderen Besucher. Mirko Trodler (53) stammt aus der Bundeshauptstadt, seine Berliner Schnauze ist nicht zu überhören. Doch er lebt seit 30 Jahren in Ludwigsburg, arbeitet freiberuflich als Fotograf und fühlt sich hier heimisch. Ja, die Vesperkirche ist für ihn ein Stück Heimat. Vor vielen Jahren ist er zum ersten Mal in die Friedenskirche in der Innenstadt gekommen.

Damals ging es ihm nicht so gut, finanziell gesehen. „Man hat auch mal schwierige Zeiten“, sagt er dazu heute. Irgendwo hat Mirko Trodler einen Aushang für die Vesperkirche gesehen – und ist sofort hingegangen. Das Kulturprogramm, ein günstiges Essen für 1,50 Euro und soziale Kontakte, das war damals Gold wert für ihn. „Wenn man wenig Geld hat, kann nicht einfach so in eine Kneipe oder ins Theater gehen“, sagt er. So fand er Anschluss, wurde mit offenen Armen empfangen. Das war damals, vor vielen Jahren, ein Trost in schwierigen Zeiten.

Begegnungen sind oft wichtiger als das Essen

Inzwischen geht es Mirko Trodler wieder gut, sein Auskommen ist gesichert. Doch gerade deswegen kommt er jedes Jahr immer wieder zur Vesperkirche. Spendet Geld und bringt Spielzeug mit für die Kinderecke. „Ich möchte etwas zurückgeben von dem, was ich damals bekommen habe“, sagt der 53-Jährige und lacht. Es ist immer ein großes Hallo, wenn er die Friedenskirche betritt. Ein Bekannter grüßt, viele der ehrenamtlichen Helfer kennen ihn. „Manche Kontakte bestehen auch außerhalb der Vesperkirche“, erzählt Trodler. Mit einer Frau geht er häufig in die Galerie in Bietigheim.

In gewisser Weise versinnbildlicht Mirko Trodler das, was die Vesperkirche ausmacht. Begegnungen über alle Schichten und gesellschaftlichen Barrieren hinweg. Deswegen haben Gisela Vogt, die Pfarrerin der Friedenskirche, und die bei der Diakonischen Bezirksstelle angestellte Bärbel Albrecht vor acht Jahren die Idee einer Vesperkirche für Ludwigsburg gehabt. „Die Begegnung steht bei uns im Vordergrund, das ist ein wenig anders als in Stuttgart“, sagt Albrecht. Mit einer 25-Prozent-Stelle ist sie die einzige „Teil-Hauptamtliche“ im Vesperkirchen-Team.

Gut 600 Helfer sind im Einsatz

Über die vier Wochen hinweg verteilt sind 600 ehrenamtliche Helfer im Einsatz, bis zu 550 Essen können jeden Tag ausgegeben werden. Zubereitet werden diese in der Kantine der Karlshöhe, ein großer logistischer Aufwand, der jeden Tag betrieben wird. Bärbel Albrecht trifft viele als Gäste wieder, die sie in ihrer täglichen Arbeit betreut. Nicht jedem Besucher der Vesperkirche sieht man an, ob er bedürftig ist: „Manche achten sehr auf ihr Äußeres und müssen an allen anderem sparen.“ Oder man hat eine auskömmliche Rente – aber es fehlt an sozialen Kontakten.

Einer der Helfer ist Klaus Ellwanger (58). Er lebt in Ludwigsburg und arbeitet bei Bosch in Feuerbach. Von der ersten Stunde der Ludwigsburger Vesperkirche ist er dabei. „Meine Frau und ich haben ein Herz für andere Menschen“, sagt er schmunzelnd. Obwohl er selbst in einer Freikirche aktiv ist, kommt er wie selbstverständlich in die Friedenskirche.

Er ist als Ordner eingesetzt, der die ankommenden Gäste begrüßt und ihnen erklärt, wo sie hin müssen. Er engagiert sich auch anderswo, etwa in Feuerbach beim Gospelforum. Doch dieVesperkirche ist für ihn etwas Besonderes. „Es gibt keine Barrieren, man begegnet vielen Menschen, und das Engagement ist zeitlich begrenzt“, sagt Ellwanger, der in gerade mal zwölf Tagen in den Ruhestand geht. Er ist an den Wochenenden im Einsatz, wie viele Berufstätige. Bald hat er mehr Zeit für seine vier Enkel, und doch steht schon ein Termin wieder fest: Die nächste Auflage der Vesperkirche., „Er ist einer, der immer mit dabei ist“, lobt Bärbel Albrecht den bescheiden auftretenden Mann.

Ein Funke für den christlichen Glauben

Klaus Ellwanger findet das Projekt faszinierend. „Vielleicht kann der eine oder andere auch mit der christlichen Botschaft etwas anfangen, auch wenn er vorher keinen Bezug hatte“, sagt der Bosch-Mitarbeiter im graublauen Pullover.

Vielleicht trifft das ja auch auf den gebürtigen Berliner Mirko Trodler zu. „Ich bin kein religiöser Mensch“, sagt der freiberufliche Fotograf, „aber ich habe meinen eigenen Glauben für mich.“ Abseits der kirchlichen Institutionen. Vielleicht hat ihn die Vesperkirche auch zum Nachdenken gebracht. Über sich selbst, über die Untiefen des Lebens, und über den tieferen Sinn des Lebens. Vielleicht auch über Gott. Und so lebt Trodler, der sonst keine Gottesdienste besucht, die christliche Botschaft ganz praktisch. Wie Klaus Ellwanger und all die anderen 600, die sich engagieren.

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