In diesem Jahr haben Wasserratten in Gärtringen das Nachsehen – das Freibad bleibt zu. Foto: Archiv/Thomas Bischof

In der letzten Woche wurden Temperaturen von über 50 Grad am Beckenrand und nahezu 60 Grad im Becken gemessen. Aus Gründen des Arbeitsschutzes mussten die Sanierungsarbeiten unterbrochen werden

Anders als bisher gedacht, wird es in dieser Saison keinen Sprung ins kühle Nass im Freibad am Weingarten geben. Ausgerechnet die anhaltende Hitzeperiode macht den Wiedereröffnungsplänen nach der Beckensanierung einen Strich durch die Rechnung.

 

„Noch vor wenigen Tagen waren alle Beteiligten voller Hoffnung, dass wir in den Sommerferien öffnen können“, betonte Bürgermeister Thomas Riesch bei einem Pressegespräch vor Ort: „Dann aber kam die Hitzewelle“. Bei Außentemperaturen von weit über 35 Grad seien über 50 Grad am Beckenrand und nahezu 60 Grad im Becken selbst gemessen worden. Aus Gründen des Arbeitsschutzes mussten die Arbeiten an der neuen Folienauskleidung des Beckens daher unterbrochen werden.

Inzwischen ist die türkisblaue Folie zwar fertig verschweißt, aber noch sind Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie Schwimmmeisterin Ute Muschkowitz mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. „Um einen betriebsfertigen Zustand des Bades zu erreichen, sind weitere Arbeiten nötig, die noch mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen würden“, so Thomas Riesch. Selbst im besten Falle, wenn das Becken nach Abschluss aller Arbeiten innerhalb von einer Woche befüllt worden wäre und das Gesundheitsamt nach zwei Wochen des Hochfahrens und der Tests sofort grünes Licht gegeben hätte, wäre eine Eröffnung frühestens am 23. September möglich gewesen. Eigentlich sei die Wiedereröffnung für Anfang der Sommerferien angestrebt gewesen, ließ Bauamtsleiter Gert Gaebele die eng getakteten Sanierungsmaßnahmen nochmals Revue passieren.

Personalengpass bei Folienbauer

Eine erste Verzögerung habe es gegeben, als die Folienbauer wegen eines Personalengpasses später begonnen hätten als geplant. Alle anderen Arbeiten seien gut vorangegangen: Das neue Aufsichtsgebäude steht nun an einem Standort, von dem die gesamte Wasserfläche eingesehen werden kann. Dies ist möglich, weil in diesem Bereich bei einer vorangegangenen Sanierung der erhöhte Beckenkopf entfernt worden ist. Dort, wo dieser noch vorhanden ist, wurden statische Probleme unter anderem durch die nachträgliche Anbringung von Dehnfugen und Halbierung der Startblockanzahl auf jetzt vier behoben. Außerdem wurde das Rohrnetzsystem, das mehrere undichte Stellen aufwies, erneuert.

Auch ohne Badebetrieb wird das Becken mit Wasser gefüllt. Da aber keine Eile geboten ist, erfolgt dies nun langsamer. Im Oktober wird dann der Färbe-Durchströmungsversuch unternommen, bei dem die Beckenhydraulik überprüft wird. „Der muss auf jeden Fall gemacht werden“, bevor das Freibad den Betrieb wieder aufnehmen darf, betonte Gert Gaebele. Die dabei verwendete Farbe vertrage sich aber nicht mit Chlor, deshalb könnten die Einstellungen der hygienischen Parameter erst nach dessen erfolgreicher Durchführung angegangen werden. Diese soll dennoch testweise auch in diesem Jahr erfolgen. So soll überprüft werden, ob die notwendigen Qualitätsstandards erreicht werden, damit einer kompletten Badesaison 2023 zumindest in puncto Beckentechnik nichts im Wege steht.

Solarthermieanlage muss auf Vordermann gebracht werden

Bis dahin muss auch die Solarthermieanlage, über die das Beckenwasser seit über 20 Jahren erwärmt wird, wieder auf Vordermann gebracht werden. Durch die schwarzen Kunststoffleitungen strömt normalerweise das Wasser und wird dabei erwärmt. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass die Absorberanlage auf rund 25 Grad gekühlt wird. Trockengefallen hat sich das Material nun stärker erwärmt und dadurch so ausgedehnt, dass die Stränge teilweise nicht mehr geordnet nebeneinanderliegen und bildlich gesprochen abgehoben vom Boden kleine Wellen schlagen. „Das wird im Frühjahr gerichtet, nachdem der Frost drüber ist“, blickt Ute Muschkowitz guter Dinge in Richtung Saison 2023 voraus.