Auf dem Reuteweg in Richtung Rotenberg sind zu viele Autofahrer unterwegs. Foto: Patricia Sigerist

Immer mehr Fahrzeuge sind unerlaubt in Fellbachs Weinbergen unterwegs. Das sorgt für viel Ärger mit den Behörden.

Fellbach - Die Sonne versinkt hinter dem Horizont, die Aussicht ist fantastisch. Der perfekte Abend also, um mit der Liebsten auf den Kappelberg zu fahren und dort die Stimmung zu genießen. So weit, so gut. Doch die zumeist jungen Leute radeln meist nicht mit ihren Fahrrädern in die Weinberge, sondern machen sich mit dem Auto auf den Weg. Und nach dem gelungenen Abendprogramm sieht der Weinberg häufig aus wie nach einem Rockfestival: Leere Pizzakartons und Bierdosen sowie gebrauchte Kondome sind an manchen Stellen kein seltener Anblick.

Solcherlei abendliche Ausflügler sind allerdings nur ein Teil jener Verkehrsteilnehmer, die sich zunehmend auf dem Kappelberg tummeln und gegen Vorschriften verstoßen. Auch der Tagesverkehr nimmt massiv zu. „Ich habe nichts dagegen, wenn jemand mit seiner betagten Mutter auf den Berg fährt, damit die Oma sich dort auch mal aufs Bänkle setzen kann“, sagt Thomas Seibold von den Fellbacher Weingärtnern. Kein Verständnis hat der WG-Vorstandsvorsitzende aber für diejenigen, die aus purer Bequemlichkeit den Weg durchs Landschaftsschutzgebiet wählen.

Auch beim Fellbacher Ordnungsamt kennt man das Problem, deshalb wird massiv kontrolliert

So sei das Verkehrsaufkommen etwa auf dem Reuteweg ab der Kreuzung Esslinger-/Untertürkheimer Straße in Richtung Rotenberg ein riesiges Problem. „Um 16 Uhr geht’s los mit dem Durchgangsverkehr, danach kann man die Uhr stellen“, sagt Seibold. Was sich auf dieser Strecke tue, spotte jeder Beschreibung. Cabriofahrer, Berufspendler oder einfach solche, die den Weg durch den Weinberg genießen: Hier sind alle unterwegs. Zudem mache sich ein neues Phänomen breit. „Immer mehr Autofahrer stellen ihr Fahrzeug am Ende von Weinbergreihen ab, um von dort aus los zu spazieren.“ Doch dadurch behindern sie die Wengerter, die nicht mehr mit ihren Fahrzeugen in die Reihen kommen und nicht mehr wenden können.

Auch beim Fellbacher Ordnungsamt kennt man das Problem. Kürzlich sei daher an mehreren Tagen massiv kontrolliert worden, berichtet Amtsleiter Werner Rögele. „Während der zehneinhalb Stunden Kontrolle am Reuteweg haben wir 106 Fahrzeuge festgestellt, die mit großer Wahrscheinlichkeit dort ohne Berechtigung unterwegs waren.“ Doch was früher eine Selbstverständlichkeit war – nämlich die Ausstellung eines Strafzettels vor Ort – stellt sich heute als Problem dar.

„Die Leute haben einen unglaublichen Fundus an Ausreden und diskutieren endlos mit uns“, so sagt Werner Rögele. Erwische man etwa einen Autofahrer, der aus Richtung des „Diehl-Besens“ komme, werde argumentiert, man habe dort ja schließlich landwirtschaftliche Produkte konsumiert und gehöre daher zum landwirtschaftlichen Verkehr. Auch die Umweltverschmutzung diene häufig als Argumentationsgrundlage. „Die Leute sagen dann, indem sie die Fahrtstrecke abkürzten, verminderten sie den Feinstaub.“ Viele behaupteten zudem, sie seien unterwegs zu ihrem Garten oder besuchten einen befreundeten Gartenbesitzer. Man könne aber schließlich nicht von allen eine Besitzurkunde als Beweis verlangen.

Als erste Maßnahme gegen die Wildparker werden nun grüne Zettel verteilt

Dennoch soll dem Treiben zumindest ein zaghafter erster Riegel vorgeschoben werden. Als erste Maßnahme gegen die Wildparker werden nun grüne Zettel durch die Wengerter und das Ordnungsamt verteilt. Die (noch) gebührenfreien Hinweiszettel machen die Autofahrer darauf aufmerksam, dass das Fahren und Parken hier nur dem landwirtschaftlichen Verkehr gestattet ist. Gleichzeitig werden die Kennzeichen notiert und der Nachweis einer Berechtigung verlangt. Erfolgt dieser nicht, flattert dem Wildparker ein Verwarngeld ins Haus. Auch die kürzlich kontrollierten „illegalen“ Autofahrer müssen mit einem Verwarngeld in Höhe von 20 Euro rechnen. Wird ein Berechtigungsnachweis erbracht, ist die Strafe hinfällig; ist dies aber nicht der Fall und entpuppt sich ein Fahrer zudem als Wiederholungstäter, wird ein Gebührenbescheid in Höhe von 40 Euro und mehr verschickt.

Über Schranken wird nachgedacht

Bei einem Gespräch zwischen dem Ordnungsamt und mehreren Wengertern habe sich auch die Frage nach einer Schrankenlösung gestellt, berichtet Werner Rögele. Doch Schranken an den neuralgischen Stellen zu installieren, sei auch keine Lösung. „Wenn die Weingärtner die Schranken jedes Mal von Hand aufmachen müssen, ist das zu umständlich. Ferngesteuerte Schranken oder Poller können wir aber nicht aufstellen, denn die sind binnen kürzester Zeit entweder beschädigt, oder ihr Code wird geknackt“, befürchtet er. Auch Gert Aldinger hält nicht viel von Schranken. „Ich habe die Schranken im Jahr 1988 extra abgeschafft. Das Problem muss man anders in den Griff bekommen.“

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