Weil immer mehr Aufgaben zu bewältigen sind, will Wendlingen die Stelle eines Beigeordneten schaffen – auch wenn es das bei seiner Größe nicht müsste.
Vor fast einem Jahr, im vergangenen Januar, hat der Wendlinger Gemeinderat den Beschluss gefasst, eine Beigeordnetenstelle zu schaffen. Einen besonderen Anlass gab es nicht, auch ist es kein Muss: Laut der Gemeindeprüfanstalt (GPA) ist die Stelle für Kommunen ab 10 000 Einwohnern möglich, aber erst ab 20 000 zwingend. Wendlingen mit seinen etwas mehr als 16 000 Einwohnerinnen und Einwohnern müsste also nicht – tut es aber trotzdem, ungeachtet knapper Kassen.
Ein Blick in die Nachbarkommunen zeigt, dass das Wendlinger Vorhaben alles andere als außergewöhnlich ist: In Plochingen (14 600 Einwohner) oder Wernau (12 300 Einwohner) gibt es längst solche Stellen, die Gemeinde Neuhausen auf den Fildern (12 000 Einwohner) will sogar zwei Beigeordnetenstellen schaffen, nachdem der letzte Beigeordnete bereits vor Jahren in eine andere Stadt gegangen ist. Beigeordnete sind hauptamtliche Beamte einer Kommune, die den Bürgermeister ständig in ihrem Geschäftskreis vertreten. Sie werden vom Gemeinderat für acht Jahre gewählt.
Auch in Wendlingen war die Schaffung einer solchen Stelle aufgrund der stetig zunehmenden Aufgaben in der Verwaltung in den vergangenen Jahren immer wieder in der Diskussion. Dass nach dem Beschluss nun noch einmal einige Monate ins Land gegangen sind, lag daran, dass die Stadt die Organisation ihrer Verwaltung erst durch die GPA prüfen ließ. Erst nach Vorlage des Gutachtens sollte das Anforderungsprofil für die Stelle formuliert werden. Der Gemeinderat beschloss nun einstimmig, dass unter den Aufgabenbereich des neuen Beigeordneten als Dezernat II das bisherige Stadtbauamt, der Bereich Klimaschutz, Liegenschaften, Recht, Versicherungswesen sowie die Zuständigkeit für die Stadtbau GmbH fällt. Obendrein ist der oder die neue Beigeordnete automatisch die ständige Vertretung des Bürgermeisters.
Die Hauptverantwortung bleibt beim Bürgermeister
Unter Leitung des Bürgermeisters Steffen Weigel werden im Dezernat I die Aufgaben des bisherigen Amtes für Familie, Bildung und Soziales sowie die Zentrale Verwaltung und die Kämmerei verortet sein. Auch die Bereiche Wirtschaftsförderung und Kommunikation bleiben beim Verwaltungschef. „Das Anforderungsprofil für den neuen Beigeordneten ist sehr weit gefasst, betrifft aber in erster Linie den Bereich Bau“, sagte Weigel. Er betonte, dass die Gesamtverantwortung der Verwaltung weiter bei ihm liegt.
Die neue Stelle soll zeitnah ausgeschrieben werden. Gesucht werden Bewerber mit einem abgeschlossenen Studium in Architektur, Stadtplanung oder Bauingenieurwesen, inklusive mehrjähriger Verwaltungs- und Führungserfahrung. Unter Einbeziehung des Gemeinderats werden die Bewerber dann auf Herz und Nieren geprüft. Läuft alles nach Plan, fällt die Entscheidung laut Weigel Ende Februar 2024.