Ohne Vertretungslehrer läuft nichts Foto: dpa

Die Grünen wollen erreichen, dass von 2019 an voll ausgebildete Vertretungslehrer vor den Sommerferien nicht mehr entlassen werden. Sie fordern Vorschläge vom Kultusministerium.

Stuttgart - Für rund 3300 Lehrer im Südwesten läuft in wenigen Tagen der Arbeitsvertrag aus. Die seit Jahrzehnten übliche Praxis, Vertretungslehrer vor den Sommerferien zu entlassen und bei Bedarf danach wieder einzustellen, wollen die Grünen im Landtag nun beenden. In einem Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) haben Thekla Walker und Sandra Boser, die Sprecherinnen für Finanzen und für Bildung in der Grünen-Fraktion, diese gebeten, entsprechende Lösungsvorschläge zu machen.

„Insbesondere muss in Zukunft vermieden werden, dass voll ausgebildete Vertretungs-Lehrkräfte mehrfach hintereinander nur befristete Arbeitsverträge bekommen“, erklären Walker und Boser. „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Wenn wir unsere top ausgebildeten Lehrkräfte in Baden-Württemberg halten wollen, müssen wir ihnen eine sichere berufliche Perspektive bieten.“

650 Vertretungslehrer erfüllen Voraussetzungen

Nach Angaben des Kultusministeriums erfüllen etwa 650 der derzeitig 3300 Vertretungslehrer in Baden-Württemberg die Voraussetzungen für eine Festanstellung. „Diese Gruppe muss in Zukunft unbefristet beschäftigt werden“, fordern Walker und Boser. Sie schätzen die Kosten, die für deren Bezahlung während der Sommerferien anfallen würden, auf 1 bis 1,5 Millionen Euro. Die genaue Summe hänge davon ab, ob alle in Frage kommenden Lehrer überhaupt eine Festanstellung wollten. Die neue Regelung soll allerdings erst vom kommenden Schuljahr an gelten. In diesem Jahr müssen sich die Betroffenen noch arbeitslos melden oder sonst über die Runden kommen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hatten sich während der Sommerferien 2017 deutschlandweit rund 4900 Lehrer arbeitslos gemeldet, davon 1680 in Baden-Württemberg.

Die notwendigen Mittel sollen nach Ansicht der Grünen aus dem 11-Milliarden-Haushalt des Kultusministeriums bereitgestellt werden. „Schließlich wird dort allein durch die vielen unbesetzten Lehrerstellen viel Geld eingespart“, sagten Boser und Walker. Im vergangenen September, zu Beginn des noch laufenden Schuljahres, waren nach Angaben des Ministeriums noch 635 Stellen offen. Ein Teil wurde in den Wochen danach mit Vertretungslehrern besetzt.

Ein Sprecher des Kultusministeriums hatte kürzlich nach Kritik von Gewerkschaften und Lehrerverbänden an den Entlassungen erklärt, dass aus rechtlichen Gründen einem Großteil der 3300 Lehrer mit Zeitverträgen gar keine unbefristete Anstellung angeboten werden könne. 2000 erfüllten die Voraussetzung dafür nicht, weil sie keine grundständige Lehramtsausbildung absolviert oder die Ausbildung noch nicht abgeschlossen hätten. Weitere 650 seien Pensionäre, „die faktisch gar nicht arbeitslos werden“. Unter den verbleibenden 650 seien „durchaus auch solche, die sich bewusst für diese Situation entschieden haben“. Sie hätten sich auf offene unbefristete Stellen „bewusst nicht beworben oder ein solches Angebot ausgeschlagen, weil dies ihrem Ortswunsch nicht entsprach, und stattdessen lieber eine befristete Krankheitsvertretungsstelle im gewünschten örtlichen Umfeld angetreten“.

Keine Regelung für Referendare

Neben den Lehrern mit befristeten Verträgen werden pünktlich zu den Sommerferien auch rund 4000 Referendare entlassen, die dann ihre Lehrerausbildung abgeschlossen haben. Diejenigen, die in den Schuldienst übernommen werden, erhalten einen neuen Vertrag, der ab dem 6. oder 7. September läuft.

Die Chancen auf Übernahme seien relativ gut, sagte ein Sprecher des Ministeriums – vorausgesetzt, die Bewerber seien flexibel. Engpässe gibt es vor allem an den Grund- und den Sonderschulen sowie in einigen Fächern, besonders in den Naturwissenschaften – sowie in einigen ländlichen Regionen, die bei vielen Lehrern unbeliebt sind. Für junge Gymnasiallehrer, die nicht zum Zug kommen, bietet das Ministerium vorübergehend Stellen an Grundschulen – mit der Zusage, dass sie später ins besser bezahlte Gymnasiallehramt wechseln können.

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