Ein Radpanzer "Boxer" der Bundeswehr. Foto: dpa

Strenge Exportrichtlinien und Sparzwänge bei der Bundeswehr bereiten der deutschen Rüstungsindustrie Probleme. Jetzt könnte es Entlastung geben. Zwei Unternehmen winkt ein größeres Panzergeschäft.

Berlin - Angesichts der Ausrüstungsmisere bei der Bundeswehr prüft das Verteidigungsministerium die Beschaffung zusätzlicher Radpanzer vom Typ „Boxer“. Ein Ministeriumssprecher sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage, dass derzeit der Bedarf „anhand aktueller und zukünftiger Herausforderungen“ festgestellt werde. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ aus Industriekreisen berichtet, dass die Beschaffung von zusätzlichen 131 Exemplaren des gepanzerten Transportfahrzeugs mit acht Rädern geplant sei. Die Bundeswehrreform von 2011 sieht bisher vor, dass das Heer, der Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis mit insgesamt 272 „Boxern“ ausgerüstet werden.

234 davon sind bereits angeschafft, 38 müssen vom Hersteller Artec - einem Joint Venture von Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall - noch bis 2016 an den Sanitätsdienst geliefert werden. 131 zusätzliche Exemplare würden den Steuerzahler laut „Süddeutscher Zeitung“ 620 Millionen Euro kosten.

Noch Mitte August hatte der Parlamentarische Staatssekretär Markus Grübel die Anschaffung zusätzlicher „Boxer“ ausgeschlossen. Dies würde eine Korrektur der Leitlinien zur Neuausrichtung der Bundeswehr bedeuten, schrieb er damals in einem Brief an den Verteidigungsausschuss des Bundestags. „Weder die Beschaffung von zusätzlichen GTK BOXER noch eine Erhöhung der Aufwendungen für den Betrieb sind in der derzeitigen Finanzplanung abbildbar.“

Die massiven Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr wurden erst danach bekannt. Die Koalitionsfraktionen beantragten daraufhin Mitte Oktober im Verteidigungsausschuss eine Aufstockung der „Boxer“-Stückzahl und begründeten dies unter anderem mit der Veränderung der weltweiten Sicherheitslage.

Kritik an den Überlegungen kommt von der Opposition. „Die Regierungskoalition beantragt im Verteidigungsausschuss Panzer, obwohl es dafür offensichtlich noch gar keine konzeptionell hergeleitete Grundlage gibt“, erklärte der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner.

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