Das Trio soll auf das Opfer eingetreten und es geschlagen haben. Foto: Phillip Weingand/geschichtenfotograf.de

Im März dieses Jahres ging ein Trio – wohl aus nichtigem Anlass – am Bahnhof in Beutelsbach auf einen 23-Jährigen los. Nun stehen drei junge Männer deswegen vor dem Landgericht Stuttgart.

Weinstadt/Stuttgart - Am frühen Morgen des vergangenen 8. März, eines Sonntags, kam es am Bahnhof von Weinstadt-Beutelsbach (Rems-Murr-Kreis) zu einem folgenschweren Zusammentreffen mehrerer junger Männer. Ein 23-Jähriger rempelte beim Aussteigen ein Mitglied einer dreiköpfigen Gruppe an. Am Ende hagelte es nicht nur für ihn Schläge und Tritte: Auch Zeugen, die ihm zur Hilfe kommen wollten, wurden verletzt. Einem von ihnen wollte das Trio laut der Staatsanwaltschaft zudem die Geldbörse abnehmen. Nun stehen ein 20-jähriger Schüler sowie ein 21- und ein 17-Jähriger, beide arbeitssuchend, vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung, versuchte räuberische Erpressung – und sogar versuchter Totschlag.

Der 23-Jährige wird gegen den abfahrenden Zug gestoßen

Im damaligen Polizeibericht war zwar auch von Schlägen, Tritten und leichten Verletzungen die Rede. Der für den Vorwurf des versuchten Totschlags wichtige Punkt war aber wohl noch nicht ermittelt: Der 20 Jahre alte Angeklagte soll das am Boden liegende Opfer nach oben gezerrt und gegen die ausfahrende Bahn gestoßen haben. Damit, so die Staatsanwältin, habe er billigend in Kauf genommen, dass der 23-Jährige vom Zug mitgerissen und getötet werden könnte.

Auf der Anklagebank präsentiert sich der Mann redegewandt: Seine Mutter sei krank, der Vater lebe in Großbritannien, Kontakt zu ihm gebe es selten. „Ich mache im Haushalt sehr viel, als einziger Mann im Haus“, sagt der Weinstädter. Und auch wenn er als Kind kurzzeitig in einem Heim lebte, er nach eigenen Angaben Erfahrungen mit Rassismus und Mobbing machen musste und noch keine längere Beziehung hatte: hoffnungslos scheint seine Biografie nicht. Sogar einen Platz an einer Privatschule, um die Mittlere Reife nachzuholen, konnte er ergattern. „Die Direktorin hat gemerkt, dass ich etwas im Kopf habe und es mir ernst ist“, meint der junge Mann. Doch seit der Festnahme kurz nach der Tat sitzt er in U-Haft.

Die Angeklagten erzählen aus ihrem Leben

Für seinen Kumpel, den 21-jährigen Angeklagten, kommt er Tat wegen eine Karriere in der Sicherheitsbranche, die er nach diversen und allesamt abgebrochenen Realschulversuchen, Ausbildungen und Gelegenheitsjobs anvisiert hatte, nicht mehr in Betracht. Ob er denn eine Beziehung habe, will die Richterin wissen. „Momentan eher was Lockeres“, meint der Remshaldener. Und sieht sich dabei um, ob die Gemeinte vielleicht auf einem der Zuschauerplätze sitzt.

Der mitangeklagte 17-Jährige aus Weinstadt erzählt, er sei „immer der Klassenclown“ gewesen. Mit einem Förderschulabschluss in der Tasche fällt es ihm aber schwer, Fuß zu fassen – wobei auch der Verlust seines Vaters, der noch nicht lange zurückliegt, eine große Rolle spielt. Seit einem Monat lässt er sich in Sachen Bewerbungen beraten. Zwei der Treffen hat er selbst abgesagt.

Beim nächsten Prozesstag sagt das Opfer aus

Wie es zu den Ereignissen auf dem Bahnsteig kommen konnte, hat die zweite Große Strafkammer noch nicht vollständig beleuchtet. Möglich ist, dass der Alkohol und vielleicht auch das Marihuana, welches alle drei Angeklagten zumindest zeitweise konsumiert hatten und es teils heute noch tun, eine Rolle gespielt haben.

Der Hauptangeklagte will nicht nur zu seiner Person, sondern auch zu den Geschehnissen jener Nacht etwas sagen. Da sich die anderen beiden jungen Männer auf der Anklagebank aber erst nach seiner Schilderung äußern wollen, blieb es beim ersten Prozesstag zunächst bei den Personalien der Männer und der Anklageschrift. Wenn die Verhandlung am 8. September weitergeht, werden nicht nur die Beschuldigten, sondern auch das Opfer ihre Sicht der Dinge darlegen. Der 23-Jährige hatte damals unter anderem ein gebrochenes Nasenbein und ausgeschlagene Zähne zu beklagen.

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