Ein 35-Jähriger ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Foto: Thiel

Es beginnt mit einem Ausraster, dann folgen Drohungen – schließlich steht er mit Molotowcocktails in der Wohnung seiner Freundin in Aspach und versucht, Feuer zu legen. Jetzt muss sich der 35-Jährige vor Gericht verantworten.

Aspach - Keiner wird den heutigen Tag überleben.“ Die Drohungen, die der ­35-jährige Angeklagte im April dieses Jahres unter anderem gegenüber seiner Freundin ausgestoßen haben soll, waren heftig – und der Höhepunkt einer massiven Beziehungskrise. Weil der Mann seine Drohungen gegen die Freundin und einen Bekannten offenbar mit selbst gebauten Molotowcocktails, einer Spiritusflasche und einem demonstrativ immer wieder in die Nähe der Flaschen gehaltenen Feuerzeug unterstrich, lautet der Vorwurf gegen ihn nun unter anderem auf versuchten Totschlag, versuchte gefährliche Brandstiftung und schwere Körperverletzung.

Versuch, Feuer zu legen, bleibt erfolglos

De 35-Jährige habe, so schildert es die Anklage vor der neunten Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts, am Abend des 25. April seine Freundin mehrfach geschlagen. Dann habe er einen Stuhl so vor der Wohnungstür verkeilt, dass die Frau und ein Bekannter die Wohnung des Paares nicht verlassen konnten. Nach weiteren körperlichen Attacken auf die Lebensgefährtin habe er dann erfolglos versucht, die Wohnung in Brand zu setzen.

Zu den Vorfällen hat der 35-Jährige am ersten Prozesstag keine Angaben gemacht. Sehr ausführlich haben die drei Richter und zwei Schöffen dafür das als Nebenklägerin am Prozess beteiligte Opfer befragt. Die Frau berichtete, das dramatische Geschehen habe schon am Wochenende zuvor seinen Anfang genommen. Nach einer abendlichen Kneipentour mit einem befreundeten Ehepaar habe man entschieden, das Auto stehen zu lassen, aber die letzte S-Bahn verpasst. Auch die erste Bahn am frühen Morgen sei der Gruppe durch die Lappen gegangen. Daraufhin habe der 35-jährige beschlossen, er wolle doch mit dem Auto fahren. Nach zunächst erfolgreicher Überzeugungsarbeit sei es am Bahnsteig urplötzlich zu einem heftigen Ausraster seinerseits gekommen. „Er hat völlig überreagiert“, offenbar mit wildem Zornesausbruch und Flaschenwurf auf die Gleise. Nach getrenntem Heimweg kam es zu Hause in Aspach laut dem Opfer zum ersten handgreiflichen Übergriff. Anschließend verließ der 35-Jährige die gemeinsame Wohnung.

Wirre Drohungen und Beleidigungen

Was folgte, war laut der Frau, die zu dem Zeitpunkt seit knapp drei Monaten mit dem Angeklagten liiert war, eine ganze Reihe wirrer Drohungen und Beleidigungen über Handy und E-Mail. Ob derlei Reaktionen öfter vorgekommen seien, war eine Nachfrage des Vorsitzenden Richters. Dass der Mann wegen Kleinigkeiten heftig in Rage geraten könne, sei mehrfach der Fall gewesen, samt aggressiver Beschimpfungen und zeitweiser tagelanger Abwesenheit, sagte die Nebenklägerin als Zeugin. Aufgefallen sei ihr, das dies vor allem „in besonderen Umständen“ passiert sei. Der 35-Jährige hat ihr gegenüber offenbar Marihuana-Konsum eingestanden, sie habe aber „auch einmal ein weißes Pulver bei ihm gesehen“.

Zum Angriff mit den Molotowcocktails kam es demnach bei einem Schlichtungsgespräch zwei Tage später. Ihr Lebensgefährte sei in die Wohnung gekommen, habe sie wortlos gegen die Wand gedrückt und am Hals gepackt. Unter Drohungen und Beleidigung habe er sie dann mindestens zehn Mal gegen den Kopf geschlagen. Und er habe wiederholt gedroht – und das mit dem Zünden eines Feuerzeugs unterstrichen –, hier und jetzt mit den Brandsätzen das Leben aller zu beenden. „Da war nichts mehr von ihm selbst übrig.“ Vor allem seine Augen seien nicht wiederzuerkennen gewesen. Dem Bekannten sei es gelungen, per Handy mit einer Freundin Kontakt aufzunehmen. Diese rief die Polizei, welche das bedrohliche Beziehungsdrama beendete. Der Prozess wird fortgesetzt.

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