Beim Tag der offenen Tür zeigt die Versuchsstation Drohnen, Feldroboter und ein 5G-Projekt und lädt zu Felderrundfahrten ein.
Seit 60 Jahren besteht die Versuchsstation Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim auf dem Ihinger Hof. Auch in diesem Jubiläumsjahr nimmt das bei Renningen gelegene landwirtschaftliche Anwesen mit einem Tag der offenen Tür an der Aktion „Gläserne Produktion“ teil. Am Sonntag, 23. Juni, können Besucherinnen und Besucher von 10 bis 17 Uhr vieles rund um die landwirtschaftliche Forschung in Theorie und Praxis erfahren. Der Hof ist einer von mehreren Betrieben im Landkreis, die Verbrauchern ihre Arbeit und ihre Erzeugnisse zeigen. „Mir ist es wichtig, dass wir die Landwirte in unserem Landkreis dazu ermutigen“, sagt Leona Irion, die beim Landratsamt die landesweite Aktion „Gläserne Produktion“ koordiniert und die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte im Blick hat. In diesem Jahr konnten wieder einige Betriebe gewonnen werden, ihre Türen zu öffnen, etwa der Philadelphia-Biolandhof in Leonberg oder das Hofgut Mauren in Ehningen, beide am 7. Juli.
„In den Corona-Jahren gab es eine große Verbraucherwelle hin zu den Hofläden und Automaten der Landwirte“, sagt Leona Irion. Dabei sei nicht so sehr der Wunsch nach Bio-Ware an erster Stelle gestanden, sondern der nach Regionalität. Dieser Run auf Direktvermarkter habe wieder etwas nachgelassen. Öffentlichkeitsarbeit, wie man sie mit der Gläsernen Produktion mache, sei notwendig, um die Distanz zwischen Verbrauchern und der Landwirtschaft zu verringern.
Immer weniger Menschen mit direktem Bezug zur Landwirtschaft
Auch nach Ansicht von Markus Pflugfelder, dem Betriebsleiter des Ihinger Hofes, gibt es immer weniger Menschen mit direktem Bezug zur Landwirtschaft. „Wir produzieren hier bei uns keine Lebensmittel für den Verkauf, sondern wir produzieren Daten und Wissen“, erklärt er. „Unser Schwerpunkt liegt auf der Forschung.“ Aber einiges von dem, was auf den Feldern zwischen Renningen, Magstadt und Weil der Stadt wächst, geht etwa als Futtermittel an andere Standorte der Uni Hohenheim, und auch vor Ort produziertes Saatgutgetreide wird vermarktet. Lediglich Ernteerzeugnisse, die keine Zulassung haben, könnten nicht weiterverwendet werden. „Doch 95 Prozent von dem, was hier wächst, können wir gut verwerten“, so Markus Pflugfelder.
Am Tag der offenen Tür will die Versuchsstation die ganze Bandbreite ihres Schaffens zeigen. „Wir wollen die Besonderheit herausstellen, dass wir sowohl ein Landwirtschaftsbetrieb sind als auch ein Forschungsbetrieb sind.“ Auf Felderrundfahrten zeigen die Mitarbeiter laufende Feldversuche und Projekte sowie ein Schaubeet, verschiedene Maschinen werden vorgeführt sowie große Drohnen, die bis zu hundert Kilogramm Abfluggewicht haben. „Mit diesen können wir Schäden auf den Feldern sehen und auch düngen und streuen“, beschreibt Markus Pflugfelder den Einsatz der Geräte. Nicht nur aus der Luft, sondern auch am Boden wird mit modernster Technik experimentiert. So werden Feldroboter zur Unkrautbekämpfung bei Zuckerrüben eingesetzt.
Wissenschaftler demonstrieren ihre Tätigkeiten
Auch bei Führungen durch die Labore der Uni-Einrichtung demonstrieren Wissenschaftler ihre Tätigkeiten, etwa die Analyse von Boden und Pflanzen. Und ein besonderes Projekt mit dem Namen 5G-Precise wollen die Wissenschaftler der Öffentlichkeit ebenfalls vorstellen. „Zusammen mit dem Landratsamt haben wir ein großes Forschungsprojekt aufgesetzt, bei dem es um die Nutzung des schnellen Mobilfunknetzes 5G in der Landwirtschaft geht“, erklärt Markus Pflugfelder. Dazu sei vor Ort ein 5G-Netz aufgebaut worden, mit dem getestet werde, wie lokal per Sensoren gesammelte Daten zentral auf großen KI-Rechnern verarbeitet werden können, um sofort Entscheidungen für die Düngung von Pflanzen zu treffen.
Auf die Besucher wartet weiter der historische Lehrpfad zur Geschichte des Hofguts sowie ein Lehrpfad zum Thema Boden, auf die kleinen Gäste ein Kinderprogramm. Weil so viel Wissens-Input hungrig macht, werden die Gäste mit Kaffee und Kuchen sowie dem Angebot von vier Foodtrucks versorgt. Die Veranstalter rechnen wieder mit einigen Tausend Besuchern und legen deswegen einen provisorischen Parkplatz am Rand des Geländes an. Der Hof lässt sich auch gut per Fahrrad oder mit einem etwa halbstündigen Spaziergang von der S-Bahn-Station Renningen Süd aus über den Bergwald erreichen.
Ein Flyer zu den Teilnehmern der Aktion Gläserne Produktion ist auf der Seite des Landratsamts unter www.lrabb.de zu finden.