Der Kippenschacht stammt aus Holland und hat dort sowie in skandinavischen Ländern längst Einzug gehalten im Alltag. Foto: StZ

Raucher lassen gern die Kippe fallen und treten sie aus. Darauf haben die Erfinder eines Abfallbehälters im Boden reagiert, der jetzt in Stuttgart getestet wird.

Stuttgart - Zigarettenkippen im Gleisbett, auf den Bahnsteigen und auf den Deckeln der Abfalleimer: An manchen SSB-Haltestellen in Stuttgart haben Raucher unübersehbar ihre Spuren hinterlassen. Und manchmal kleben auf den Pflastersteinen auch noch alte Kaumgummis. Ob und wie das zu verhindern ist, will die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gerade herausfinden.

Stadtbahnhaltestelle Vaihingen, beim Bahnhof: Hier ist in den Bahnsteig, an dem die Fahrzeuge in Richtung Möhringen und Plieningen starten, eine Art Minigully mit Gitter eingelassen – und da hinein sollen die Wartenden ihre Kippen und Kaugummis fallen lassen. Ein Bildchen neben der kleinen Grube soll das auch begreiflich machen, die Beschriftung des Schachts selbst ist auf Englisch.

Den Kubus gibt es in unterschiedlichen Größen

Es sei ein Versuch, was die SSB hier gestartet habe, sagt Unternehmenssprecherin Birte Schaper. Die Firma Nord-Süd Wertstoff- und Abfalltechnik in Villingen-Schwenningen ist maßgeblich daran beteiligt. Sie hat den sogenannten Clean Cube, also den Reinigungskubus, angedient. Sie hat das Ding im Vertrieb und preist die Vorzüge: Damit spare man rund 80 Prozent des täglichen Reinigungsaufwands. Das Prinzip des Modells macht sich zunutze, dass Raucher sozusagen instinktiv die Kippe fallen lassen. Hier sollen sie das allerdings nicht irgendwo tun, sondern neben dem Kubus, in den sie die Kippe nach dem Austreten mit dem Schuh hineinbefördern. Regenwasser soll aus dem Gully ablaufen und – ohne Kanalisation – im Erdreich versickern.

Der Kubus, der etwa 300 Euro kostet, aber in unterschiedlichen Größen produziert wird, stammt aus Holland. Dort und in skandinavischen Ländern habe er schon im Alltag Einzug gehalten, heißt es bei der Firma Nord-Süd. Ob es auch in Deutschland so kommt? Ob der Kubus wohl angenommen wird? Das fragt man sich bei den SSB. Der Handlungsbedarf ist jedenfalls nicht zu leugnen.

Hersteller verspricht einfache Leerung

An vielen Haltestellen sind die Deckel der Abfalleimer längst gezeichnet vom Warten der Raucher. Oft liegen auf den Deckeln Kippen, unter den Abfalleimern oder im Gleisbett. An Haltestellen, die besonders stark von Rauchern frequentierten sind, haben die SSB die Deckel inzwischen mit Einwurfstellen für Kippen und mit Böden ausgestattet. Darauf sollen sich die Kippen – sozusagen über der Einwurfstelle für Abfälle – sammeln.

Ob das neueste System für mehr Sauberkeit sorgt und den Aufwand für Reinigung mindert, muss sich zeigen. Die Hersteller versprechen eine einfache Handhabung. Bei der Leerung müsse sich niemand die Hände schmutzig machen. Mittels einer Stange oder an Edelstahlhenkeln an den Seiten soll man aus der Minigrube das Gefäß nehmen, in dem sich die Kippen angesammelt haben, und soll es leeren. Dafür gebe es an der Kubusseite eine Klappe, sagt Karl-Heinz Burger, der Chef von Nord-Süd in Villingen-Schwenningen.

Zwei Monate Versuch müssten eigentlich reichen

Das Leeren ist an diesem Bahnsteig in Vaihingen der Job des Personals von der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Der städtische Eigenbetrieb sei nämlich für die komplette Abfallreinigung an den SSB-Haltestellen zuständig, heißt es bei den SSB. Das wird beim AWS allerdings ein bisschen anders gesehen. Schlussendlich ist es so, dass man hier wie dort nichts Genaues zum Versuch und zum sonstigen Abfallaufkommen an den Stadtbahnhaltestellen erfahren kann. Dabei wartet Karl-Heinz Burger in Villingen-Schwenningen so langsam schon auf eine Auswertung des Versuchs und auf die Konsequenzen daraus: Zwei Monate müssten eigentlich reichen, meint Burger. Ende 2016 habe man den Versuch begonnen.

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