Viele Leute wollen mit dem Pfarrer sprechen – aber nicht in einer Sprechstunde. Foto: dapd

Die Katholiken aus Plieningen und Degerloch haben während der vergangenen Wochen eine Seelsorge-Sprechstunde angeboten. Gekommen ist allerdings niemand.

Filder - Niemand wollte sich zum Pfarrer setzen, keiner ist gekommen. Damit ist die Idee mit der Seelsorge-Sprechstunde gescheitert. „Wir haben das Projekt Ende Januar eingestellt“, sagt Alois Schenk-Ziegler, der Priester der Katholiken in Degerloch und Plieningen. „Es hat leider nicht funktioniert.“

Im November 2011 haben die beiden Kirchengemeinden erstmals zu einem festen Termin in der Woche geladen, an dem ein Seelsorger zugegen gewesen ist. Mit „Setz dich zu mir, ich bin ganz Ohr“ war diese Sprechstunde betitelt. „Uns ist aufgefallen, dass zwar unsere Kirchen tagsüber offen sind, dass aber hier normalerweise kein Gesprächspartner aus der Gemeinde zur Verfügung steht“, lautete die Begründung. Es habe immer wieder Menschen gegeben, die eine solche Sprechstunde angeregt hätten, erzählt der Pfarrer Schenk-Ziegler.

Es hat sich keiner an den angegebenen Ort verirrt

Also haben die Gemeinden reagiert. In der Plieninger Kirche Sankt Antonius hat jeweils am Donnerstagnachmittag ein Seelsorger auf Menschen mit Gesprächsbedarf gewartet, in Degerloch war die Sprechstunde im Pfarrhaus für Freitagabend angekündigt. Mit demselben ernüchternden Ergebnis: Während der gesamten Zeit hatte sich überhaupt niemand zum angegebenen Ort verirrt. „Das ist natürlich nicht so befriedigend“, sagt Schenk-Ziegler.

Dass sich keiner für die Seelsorge-Sprechstunde interessiert hat, bedeutet aber offenbar nicht, dass sich niemand für Seelsorge interessiert. „Der Bedarf ist da“, sagt Schenk-Ziegler. „Nach den Gottesdiensten läuft viel.“ Der Pfarrer bedauert nur, dass ihm viel zu wenig Zeit bleibt für die Seelsorge. „Das Dringlichste kommt immer zuerst“, sagt er.

Sein Kollege Roland Rossnagel aus Sillenbuch hat es da offenbar ein bisschen leichter. „Ich habe hier wunderbare Leute, die mir die Verwaltungsarbeit abnehmen“, sagt der Priester der Seelsorgeeinheit Sankt Augustinus. So kann sich Rossnagel getrost die Zeit nehmen für die Seelsorge. Und dies sei auch nötig. Er beobachtet, dass es immer mehr Leute gibt, die reden möchten, die geistlichen Beistand brauchen. „Am meisten bricht bei Trauergesprächen auf“, sagt Rossnagel. Und auch ansonsten vereinbaren die Leute Termine.

Die Sillenbucher planen ein neues Projekt

Derzeit tüftelt die katholische Gemeinde Sankt Michael in Sillenbuch an einem Projekt, das „Orte des Zuhörens“ heißt und das es andernorts bereits gibt. An einem festen Termin in der Woche laden ehrenamtliche Zuhörer zum Gespräch. Die Zukunftswerkstatt der Gemeinde hat diese Idee für gut befunden, frühestens Ende März soll es losgehen.

Die Katholiken aus Plieningen und Degerloch möchten den Menschen nun auf einem Flyer mitteilen, dass sie sich jederzeit melden können, wenn sie mit einem Seelsorger reden möchten. Denn, sagt Schenk-Ziegler, „das ist uns ein Anliegen“.

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