Endstation Korntal? Rein technisch kann das Bähnle bald weiter fahren. Foto: factum/Weise

Ein seit langem gehegter Traum geht bald in Erfüllung: Zumindest in technischer Hinsicht steht einer Durchbindung der Strohgäubahn bis Feuerbach oder zum Hauptbahnhof nichts mehr im Wege.

Nahverkehr - Die kontroversen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Während es in den Anfangsjahren des Zweckverbands Strohgäubahn immer wieder kritische Stimmen bei Verbandssitzungen gab, ist die jüngste Sitzung – zumindest im öffentlichen Teil – von positiven Nachrichten geprägt gewesen. Eine davon: der Zweckverband Strohgäubahn will den Weg frei machen für eine Durchbindung des Bähnles bis nach Feuerbach oder sogar bis Stuttgart-Hauptbahnhof. Zumindest in technischer Hinsicht.

Eine „außerordentlich erfreuliche Entwicklung“ ist das aus Sicht des Geschäftsführers Axel Meier – vor allem deshalb, weil die Aufrüstung der Leit- und Sicherungstechnik deutlich weniger kostet als ursprünglich veranschlagt. Gut eine Million Euro hatte der Zweckverband als Kosten kalkuliert, um die komplette Bahn zwischen Korntal und Heimerdingen neu auszurüsten und im Stellwerk der Deutschen Bahn in Korntal Anpassungen vorzunehmen. Die Firma Thales mit Sitz in Ditzingen habe nun aber angekündigt, dass sie zusätzlich eine Neuprogrammierung der Schnittstellen zur DB-Systematik vornehmen könne – und das alles für rund 150 000 Euro.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“

In technischer Hinsicht wäre das ein Durchbruch für die seit vielen Jahren diskutierte Durchbindung der Strohgäubahn bis Feuerbach oder darüber hinaus (siehe „Am Anfang war die Kappung“). Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Diskussionen, wann das gekappte Bähnle endlich wieder für Berufspendler nach Stuttgart und als Entlastung der S-Bahn genutzt werden könne. Dementsprechend zufrieden äußerte sich beispielsweise der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath über die neue technische Perspektive. „Man kann sagen: da haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Makurath in der Verbandsversammlung. Er hob darauf ab, dass auch der Verband Region Stuttgart dieses Thema im kommenden Jahr wieder auf die Agenda heben werde. Anlass ist ein Antrag der SPD-Fraktion in der Regionalversammlung, der auch Michael Makurath angehört.

„Bereits heute ist die S 6 in der morgendlichen Hauptverkehrszeit an der Grenze zur Überlastung angelangt“, heißt es in dem Antrag. Hier komme der Strohgäubahn als potenziellem Entlastungsfaktor eine entscheidende Rolle zu, weshalb die Region prüfen solle, inwieweit sie in das bestehende S-Bahn-System eingetaktet werden könne. In der Regionalverwaltung hat man dieses Thema durchaus auf dem Schirm, teilt die Pressesprecherin Dorothee Lang mit. Wichtige Aspekte dabei seien etwa das Kreuzen der S-Bahn-Gleise in Korntal durch die Strohgäubahn aus Richtung Hemmingen, die Bahnsteigbelegungen sowie mögliche Halte.

Die Bahnsteighöhen bleiben ein Problem

Auch die Problematik der unterschiedlichen Bahnsteighöhen müssten „nochmal betrachtet werden“. Die S-Bahnsteige haben eine Regelhöhe von 96 Zentimetern, derzeit sind die Bahnsteige in Korntal 20 Zentimeter hoch, die Strohgäubahn hat zudem nur eine Einstiegshöhe von 60 Zentimetern. Generell sei die Verlängerung der Strohgäubahn nach Feuerbach bereits Bestandteil der Szenarien zur Fortschreibung des Regionalverkehrsplans. Ergebnisse dazu werden im Dezember im Verkehrsausschuss vorgestellt, so Dorothee Lang.

Eine Zukunftsperspektive sei auch eine Verbindung der Strohgäubahn mit der Schönbuchbahn über die Panoramabahn Böblingen-Stuttgart. Allerdings ist in dem Thema viel Zukunftsmusik drin: erst nach der Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart 21 sei diese Perspektive realistisch.

Am Anfang war die Kappung

Umstieg
Im Dezember 2009 wurde für die Strohgäubahn ein neues Konzept beschlossen. Seitdem ist das Bähnle nur noch zwischen Heimerdingen und Korntal unterwegs. Zuvor war die Endstation in Weissach (Kreis Böblingen) gewesen, und die Züge fuhren auf der Linie der S-Bahn 6 bis Feuerbach.

Zuschüsse
Die Kappung hatte handfeste monetäre beziehungsweise politische Gründe. Der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger hatte bekannt gegeben, dass das sanierungsbedürftige Bähnle durchaus auf Zuschüsse hoffen könne – allerdings nur in der kleineren, in dichterem Takt fahrenden Variante.

Querelen
Damals wurde auch der Schlusspunkt in Jahren währenden Querelen gesetzt. Zuvor hatten der Verband Region Stuttgart und der Landkreis wiederholt darüber gestritten, wer die Hoheit über die Nebenbahn erhalten soll. Da die Strohgäubahn nur noch im Kreis Ludwigsburg fuhr, hatte sich das erledigt.

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