Anzeigen wie diese sollen in Zukunft seltener werden. Foto: dpa-Zentralbild

Die Deutsche Bahn ist einem internen Papier zufolge pünktlicher geworden. Allerdings sind die Ziele des Schienenkonzerns – zumal im Güterverkehr – nicht allzu sportlich. Und auch die Vorstellung, was als pünktlich gelten kann, ist durchaus verbesserungsfähig.

Berlin - Die Deutsche Bahn AG kommt bei der Beseitigung zahlreicher Qualitäts- und Servicemängel offenbar zügig voran. „Im Bereich Kunde und Qualität haben wir viele unserer Ziele erreicht“, heißt es in internen Unterlagen zu einem Treffen der Konzernführungskräfte in Berlin, die unserer Redaktion vorliegen. Bei der Reduzierung der Zugverspätungenund vieler Defekte von technischen Anlagen in Bahnhöfen gibt es demnach Fortschritte. Die Unterlagen zeigen aber auch, wie schlecht der Zustand noch im Frühjahr war. Bahnchef Rüdiger Grube, der seit mehr als sieben Jahren den größten Staatskonzern leitet und auf eine Vertragsverlängerung bis wenigstens Ende 2019 hofft, hat inzwischen das Sanierungsprogramm „Zukunft Bahn“ aufsetzen lassen.

Der Zielwert von 80 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr ist nicht mehr weit

Die dürftige Pünktlichkeit der Züge hat sich den DB-Papieren zufolge in diesem Jahr bereits erheblich verbessert. Im DB Fernverkehr lag die Quote voriges Jahr bei nur noch 74,4 Prozent, das heißt, einer von vier ICE-, IC- und EC-Zügen kam mindestens sechs Minuten zu spät ans Ziel. Bis zum 12. Oktober hat sich die Quote auf 78,9 Prozent verbessert und liegt nicht mehr weit vom „Zielwert 2016“ von 80 Prozent entfernt. Die besten Bahnen international schaffen allerdings viel höhere Werte. Zudem gilt zum Beispiel in Japan schon wenig Verzug als Verspätung, die DB dagegen wertet bis zu sechs Minuten Verspätung noch als pünktlich.

Im Regionalverkehr lag die Quote 2015 bei 91,9 Prozent, bis zum Stichtag verbesserte die DB Regio den Wert auf 93,2 Prozent und hat damit fast das Ziel 2016 von 93,4 Prozent geschafft. Im kriselnden Güterverkehr, wo 2015 die Pünktlichkeit auf nur noch 72,9 Prozent gesackt war, schaffte der Konzern bis Mitte Oktober 77,2 Prozent und hat damit die bescheidene Zielmarke 2016 von 73,2 Prozent bereits deutlich übertroffen.

Große Fortschritte bei defekten Uhren

Erfreulich für Reisende und Pendler sind auch Verbesserungen in Bahnhöfen. So gelang es der Bahn noch im April zumeist nicht, defekte Uhren rasch zu tauschen. Nur in 41,6 Prozent der Fälle wurde der Austausch binnen 48 Stunden erledigt. Bis Oktober verbesserte sich dies auf gut 86 Prozent, Ziel sind 95 Prozent bis Jahresende.

Auch auf den Ärger mit defekten Aufzügen und Fahrtreppen hat der Konzern reagiert. Im Oktober funktionierten zumindest in den Ballungszentren knapp 93 Prozent der Anlagen, der Zielwert 2016 liegt allerdings bei 97 Prozent. Erfreuliche Fortschritte gibt es auch bei den Anzeigen von Gleiswechseln, die noch im April selbst in den großen zehn Bahnhöfen nur zu zwei Dritteln korrekt arbeiteten. Im September lag der Wert bei 87,1 Prozent, bis Jahresende sollen es 90 Prozent werden.

Das Treffen der DB-Führungskräfte Ende Oktober in Berlin stand unter dem Motto „Verstetigung der Erfolgsfaktoren von Zukunft Bahn“. Hier gibt es offenbar noch viel zu tun, wie ein weiteres internes Papier zeigt, über das jüngst der „Spiegel“ berichtete. Demnach stehe der Staatskonzern auch 2016 vor einem enttäuschenden Geschäftsjahr. Bis Ende August setzte die DB dem Magazin zufolge 26,5 Milliarden Euro um und damit 1,3 Milliarden weniger als geplant. In vier der acht Geschäftsfelder lägen die Erlöse unter Plan. So habe die Bus- und Bahntochter Arriva die Umsatzziele um mehr als ein Zehntel verfehlt, die Logistiktochter Schenker um sieben Prozent. Die Teilprivatisierung von Arriva und Schenker hat Bahnchef Grube erst kürzlich abgeblasen. Auch der Fern- und der Güterverkehr blieben dem Bericht zufolge in den ersten acht Monaten unter den Prognosen. Bereits der DB-Halbjahresbericht hatte gezeigt, dass der Staatskonzern in der Krise verharrt. 2015 bilanzierte die DB wegen hoher Sanierungsabschreibungen einen Rekordverlust von 1,3 Milliarden Euro. Für 2016 will Finanzchef Richard Lutz unterm Strich zumindest wieder schwarze Zahlen schaffen.

Die Hälfte der Bahnsparten erfüllt ihre Ziele nicht

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