Stuttgart 21 Diese Folgen hat die S-21-Verspätung in der Stadt

Von Thomas Durchdenwald 

Die Baustelle am Hauptbahnhof wird die Stadt nun länger belasten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Baustelle am Hauptbahnhof wird die Stadt nun länger belasten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nachdem der Aufsichtsrat beschlossen hat, dass S 21 erst 2025 fertig wird, spricht OB Kuhn von einer „enormen Belastung“ für die Stadt Stuttgart. Was sind die konkreten Folgen? Wir haben sie aufgelistet – von Baustellen bis Nahverkehr.

Stuttgart - Auch wenn der Tiefbahnhof und seine Tunnel nochmals teurer und später fertig werden, wird S 21 weiter gebaut. Doch wie wirkt sich die binnen einen Jahres von 2021 auf nun 2025 verschobene Inbetriebnahme aus?

Baustellen

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) schwante schon im letzten November Böses, als die Bahn den Fertigstellungstermin erstmals verlegt hatte: „Es stellt sich die Frage, ob es das jetzt war und ob es mit 2024 klappt“. Jetzt hat er die Antwort. Es klappt – frühestens, muss man angesichts der Erfahrungen mit dem Zeitmanagement der Bahn sagen – 2025. Für Stuttgart bedeutet das: noch acht Jahre Baustellen im Zentrum sowie an den Tunnelzugängen im Neckartal und auf den Fildern. Auch die Verkehrsbeeinträchtigungen für den Autoverkehr in der Innenstadt wird es weiter geben, ebenso die „stadtbildprägenden“ blauen Rohre des Grundwassermanagements und einen Schlossgarten, der durch Baugruben getrennt ist. „Die Bürgerinnen und Bürger müssen Lärm und Staub und Verkehrsbeeinträchtigungen immer länger ertragen“, klagt auch Kuhn, der gegenüber der Bahn mehrfach betont hatte, gemeinsames Ziel müsse sein, so früh wie möglich mit den Bauarbeiten fertig zu werden. „Die Bahn muss jetzt sicherstellen, dass die Stadt nicht jedes Jahr mit neuen Zeitverschiebungen konfrontiert ist“, sagt er nun.

Stadtplanung

„Die Verschiebung hat schwerwiegende Folgen für die städtebauliche Entwicklung“, sagt Kuhn. Wenn der Tiefbahnhof später fertig wird, wird nämlich auch das Gleisvorfeld des Kopfbahnhofs später frei, auf dem das Rosensteinquartier neu gebaut werden soll. Experten rechnen mit weiteren drei Jahren, bis das Gelände baureif ist – das wäre frühestens 2028. Die Stadt plant, in diesem Frühjahr einen Architektenwettbewerb zu starten. Ob das zehn Jahre vor einem möglichen Bau sinnvoll ist, wird nun schärfer diskutiert werden. Im Rosensteinquartier sind der Bau von 7500 Wohnungen und Neubauten wichtiger Kultureinrichtungen (Linden-Museum, Kongress- und Konzerthalle) vorgesehen. „All das können wir für die Menschen in Stuttgart und der Region nun erst sehr viel später bauen“, sagt Kuhn. Das Quartier taugt auch nur noch als Planungs- und nicht als Anschauungsobjekt für die Internationale Bauausstellung, die 2027 stattfindet.

Nahverkehr

Mit der Fertigstellung des Tiefbahnhofs soll auch ein neues Zeitalter für den regionalen Schienenverkehr beginnen, Metropolexpress-Züge auf Durchmesserlinien sollen ohne Umstieg in Stuttgart neue und schnelle Verbindungen schaffen und die S-Bahn entlasten (auch wenn Kritiker dies bezweifeln). Darauf müssen die Fahrgäste nun länger warten, und sie müssen noch acht Jahre mit den nach vorne verlegten Bahnsteigen und längeren Wegen im Stuttgarter Hauptbahnhof zurechtkommen. Mit der verspäteten Inbetriebnahme werden sich aber auch andere Vorteile für den Regionalzug- und S-Bahnverkehr erst nach 2025 voll umsetzen lassen: Regionalbahnhalte in Bad Cannstatt und S-Vaihingen sowie die S-Bahnstation Mittnachtstraße, die neue Nutzung der Gäubahn und weitere Verbindungen, die erst möglich werden, wenn der Tiefbahnhof in Betrieb geht. Offen ist, was mit der neuen SSB-Haltestelle Staatsgalerie passiert, die vor 2025 fertig wird, aber an das S-21-Baufeld grenzt.

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