Ein Zentrallager des Lebensmittelhändlers Rewe, der sich online besonders stark engagiert. Foto: Peter Kneffel/dpa

Online hilft in der Corona-Krise – aber nicht bei der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs, schreibt Andreas Geldner

Stuttgart - In diesen Zeiten der Krise zeigen das Internet und die Online-Welt ihr enormes Potenzial. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass beispielsweise die technische Möglichkeit, von zu Hause vernetzt zu arbeiten, ein wichtiger Rettungsanker für die schwer gebeutelte Wirtschaft weltweit ist. Aber auch hier gibt es Grenzen: Auch in einer Shoppingwelt, in der es immer öfter heißt: „Ein Klick – und morgen geliefert“, gibt es Bereiche, die nicht so einfach funktionieren.

 

Die Belieferung mit Lebensmitteln, insbesondere mit frischer Ware, ist ein Bereich, den man als Krisenlösung nicht mit hohen Erwartungen überfrachten darf. Die aktuell jährlich weit zweistelligen Wachstumsraten bei Lebensmittelbestellungen im Netz in Deutschland täuschen darüber hinweg, dass das Wachstum bisher auf einem extrem niedrigen Niveau stattfindet. Selbst bei einer Verzehnfachung, die derzeit finanziell und logistisch in keiner Weise zu stemmen wäre, hätte man in Deutschland noch nicht einmal die Durchdringung erreicht, die es beispielsweise in Südkorea heute schon gibt.

Anbieter sind vom Ansturm überfordert

Der Boom überfordert die meisten Anbieter sichtlich. Nicht deshalb, weil die Lieferungen aus den Lagern stocken. Hier können zentrale Umschlagplätze wie die von Amazon noch relativ schnell und flexibel reagieren. Es fehlt aber insbesondere an Lieferkapazitäten, insbesondere an Fahrern, die etwa bei frischer Ware besondere Qualifikationen brauchen.

Wartezeiten von bis zu zwei Wochen mögen beim Warten auf ein Elektronikbauteil erträglich sein. Bei Waren des täglichen Bedarfs führen sie das Prinzip des Online-Einkaufs ad absurdum. Und dort, wo die Lieferung doch funktioniert, nutzen in der Krise viele den Internetkauf oft nur als weitere Möglichkeit für meist unsinnige und oft asoziale Hamsterkäufe.

Online-Lebensmitteleinkäufe können keinen Beitrag dazu leisten, um besonders gefährdete, vor allem ältere Menschen zu versorgen. Gerade dort, wo Läden für sie ohnehin schwierig erreichbar sind, auf dem Land, ist die Online-Lieferung oft ein Totalausfall. Da hilft nur nachbarschaftliche Unterstützung. Die ist auch machbar. In Deutschland ist die Dichte an Supermärkten deutlich höher als in anderen Ländern. Und trotz Krisengerede: Ihre Regale sind in der Regel auch gut gefüllt.