Fünf Tage war in Teilen Berlins der Strom weg. 100.000 Menschen waren betroffen – also einmal die Stadt Ludwigsburg. Wäre der Kreis Ludwigsburg auf ein solches Szenario vorbereitet?
Berlin ist wieder am Netz, aber es hat gedauert. Am Samstagmorgen war im Südwesten der Hauptstadt der Strom ausgefallen, erst am Mittwochmittag konnte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey wieder eine Vollversorgung aller Haushalte und Betriebe vermelden. Insgesamt 100.000 Menschen seien betroffen gewesen – etwas mehr als in der Stadt Ludwigsburg leben.
In Berlin sind großflächige Stromausfälle längst keine Ausnahmeereignisse mehr, erst im vergangenen Herbst waren Teile der Stadt für mehrere Tage ohne Strom gewesen. Wenn es im Kreis Ludwigsburg dagegen Ausfälle gab, waren sie meist nach wenigen Stunden wieder behoben. Wäre der Kreis auf ein Szenario wie in Berlin trotzdem vorbereitet?
Katastrophenschutzstab tritt zusammen
Zumindest liegen entsprechende Pläne vor, das Landratsamt Ludwigsburg verweist etwa auf den „Notfallplan Stromausfall“. Alle Kommunen haben Krisenstäbe, die im Notfall über Rückfallebenen miteinander, mit dem Katastrophenschutzstab des Landkreises und mit den Energieversorgern kommunizieren können, auch wenn Internet und Telefon ausgefallen sind.
In erster Linie gehe es darum, Prioritäten zu setzen, die der aktuellen Lage entsprechen. „Beispielsweise ist bei den aktuellen Temperaturverhältnissen eine Heizmöglichkeit wichtig. Bei der gleichen Lage im Hochsommer wäre dies sicherlich nicht der Fall“, heißt es von Seiten des Landratsamts.
„Leuchttürme“ als Anlaufstellen
Daneben setzt der Landkreis auf sein sogenanntes Leuchtturmkonzept. Darin ist geregelt, dass alle Bürger in Notfallsituationen an den vorgesehenen „Leuchttürmen“ – in der Regel die Feuerwehrhäuser der Kommunen – Hilfe und Informationen bekommen. Zusätzlich gebe es in den Kommunen Notfalltreffpunkte, die „zwar zeitlich versetzt, aber trotzdem sehr zeitnah aktiv“ seien, so das Landratsamt. 5000 Menschen könnten zur Zeit in festgelegten Hallen betreut und verpflegt werden. Hallen und Feuerwehrhäuser würden dann über externe Notstromaggregate versorgt.
Eine dieser Hallen ist die Steinheimer Riedhalle. 2019 hatte der Gemeinderat beschlossen, für die Halle ein solches Aggregat zu installieren. „Das Thema beschäftigt uns seit ein paar Jahren, wir denken das bei Sanierungen und Neubauten immer mit“, sagt Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter. „Aber wir müssen auch abwägen, ob sich das Investieren lohnt. Die Stadt kann nicht alles machen, dazu ist der Bedarf zu groß.“
„Was über anderthalb Tage hinausgeht, wird schwer.“
Thomas Winterhalter, Bürgermeister Steinheim an der Murr
Insgesamt, sagt Winterhalter, sehe er Steinheim ganz ordentlich für einen Blackout aufgestellt – „alles, was über anderthalb Tage hinausgeht, wird aber schwer“, sagt er trotzdem. An eine Größenordnung wie in Berlin will er deshalb gar nicht denken: „Wenn es im Kreis Ludwigsburg einen so langen und großflächigen Blackout gibt, sind wir wahrscheinlich nicht mehr handlungsfähig.“
Gerade, wenn mehrere Kommunen gleichzeitig betroffen seien, könne man sich darauf kaum mehr vollständig vorbereiten, schätzt Winterhalter. Auch Wasserversorgung oder Abwasserpumpen seien ja letztlich vom Strom abhängig. „Es ist natürlich wünschenswert, dass dann alles reibungslos läuft“, sagt der Steinheimer. „Aber wir bräuchten in so einer Situation sicher auch Pragmatismus.“