"Der Trend zeigt nach oben" - die Zinsen für Lebensversicherungen dürften in der Breite wieder steigen. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Ende einer jahrelangen Talfahrt: Die Zinsen für Lebensversicherungen dürften 2024 in der Breite wieder steigen. Verbraucherschützer hätten sich allerdings mehr gewünscht.

Frankfurt/Main - Altersvorsorgesparer können nach Jahren der Flaute in der Breite wieder mit höheren Zinsen für Lebensversicherungen rechnen. "Der Trend zeigt nach oben. Viele Anbieter gehen diesen Schritt", sagt Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata.

Erste Versicherer, darunter Branchenprimus Allianz Leben, haben die laufende Verzinsung fürs kommende Jahr bereits angehoben. "Der Zins ist zurück. Davon profitieren alle Angebote", sagt Vorstandsmitglied Volker Priebe. Verbraucherschützer sehen allerdings "Luft nach oben".

"Ein deutliches Signal"

Versicherungsexperte Heermann rechnet bei klassischen privaten Rentenversicherungen mit einer Erhöhung der laufenden Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung auf durchschnittlich etwa 2,45 Prozent - nach 2,2 Prozent in diesem Jahr. "Das ist ein deutliches Signal, nachdem es in diesem Jahr noch eher zaghaft nach oben gegangen ist", sagt der Experte. Bei Produkten mit abgespeckter Garantie könnte die laufende Verzinsung auf 2,5 Prozent steigen.

Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht aber "noch Luft nach oben. Man bekommt für Tagesgeld inzwischen mehr als bei der Überschussbeteiligung." Ein wichtiger Grund dafür, dass es nicht schneller geht, ist aus seiner Sicht der Kapitalpuffer - im Fachjargon Zinszusatzreserve genannt.

Lebensversicherer mussten den Puffer in der Zinsflaute aufbauen, um die hohen Versprechen von bis 4 Prozent für Altverträge abzusichern. Dieses Geld konnte nicht an die Kunden ausgeschüttet werden. "Beim Abbau der Zinszusatzreserve wäre mehr drin, wenn die Auflösung schneller gehen könnte. Davon könnten Kunden bei der Überschussbeteiligung profitieren", sagt Gatschke.

Langwieriger Prozess

Experte Herrmann sieht im Anstieg der laufenden Verzinsung einen eher langwierigen Prozess. "Versicherer können ihre langfristig angelegten Gelder nicht von heute auf morgen komplett umkrempeln." Ein Großteil des Geldes der Assekuranzen steckt in vergleichsweise niedrig verzinsten Anleihen mit guter Bewertung und langen Laufzeiten aus den vergangenen Jahren. Deren Marktwert ist durch die stark gestiegenen Zinsen gesunken.

Dadurch sind stille Lasten in Bilanzen entstanden. Würden die Versicherer die Papiere vor Ablauf der Fälligkeit verkaufen müssen, würde sie damit Verluste machen. Die Wahrscheinlichkeit von Verlustverkäufen im großen Stil hält Heermann zwar für sehr gering. Die stillen Lasten würden die Unternehmen aber zur Vorsicht zwingen.

Die laufende Verzinsung setzt sich zusammen aus der Überschussbeteiligung, über deren Höhe die Versicherer je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie entscheiden, und dem vom Bundesfinanzministerium festgelegten Höchstrechnungszins - auch Garantiezins genannt. Die laufende Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil unter anderem nach Abzug von Abschluss- und Vertriebskosten. Hinzu kommt am Ende der Laufzeit des Vertrages der Schlussüberschuss.

Anhebung des Höchstrechnungszinses empfohlen

Die einflussreiche Deutsche Aktuarvereinigung schlägt vor, den Höchstrechnungszins von zurzeit 0,25 Prozent ab 2025 erstmals seit Jahrzehnten zu erhöhen - und zwar auf ein Prozent. Eine Änderung gilt jeweils nur für neu abzuschließende Lebensversicherungsverträge. Bei Altpolicen, die hier teilweise noch 4 Prozent abwerfen, ändert sich in diesem Punkt nichts.

Der Höchstrechnungszins soll verhindern, dass sich die Unternehmen mit Garantieversprechen übernehmen. Sie dürfen weniger, aber nicht mehr bieten. Seit der Zinsflaute bieten die meisten Lebensversicherer im Neugeschäft allerdings nur noch Produkte mit abgespeckter Garantie an.

Aktuare sind Versicherungsmathematiker, die mit Methoden der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Statistik finanzielle Unsicherheiten bei Versicherungen bewerten.