Die richtige Absicherung für das Arbeitsleben zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn Policen gibt es in Hülle und Fülle. Doch nicht alles, was angeboten wird, lohnt sich auch.
Das Arbeitsleben steckt voller Tücken: Es bringt Haftungsrisiken mit sich, wenn man versehentlich einen Schaden bei einem Dritten verursacht – und existenzielle Risiken, falls man schwer erkrankt und den Beruf nicht mehr ausüben kann. Und auch an die Altersvorsorge sollte man frühzeitig denken. Viele Risiken lassen sich mithilfe entsprechender Versicherungslösungen absichern. Doch nicht alles, was angeboten wird, ergibt auch wirklich einen Sinn. Welche Versicherungen man braucht – und wovon man besser die Finger lassen sollte. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Was tun, wenn mich der Beruf überfordert
Welche Versicherungen sind am wichtigsten?
Egal ob im privaten oder im beruflichen Kontext: Die wichtigste Versicherung ist die private Haftpflicht. Sie greift immer dann, wenn man unabsichtlich bei anderen einen Schaden verursacht. Und das kann schnell passieren – und es kann schnell sehr teuer werden, insbesondere wenn Personen mitbetroffen sind. Allerdings reicht ein Haftpflicht-Vertrag für Eheleute aus, über den auch Kinder mitversichert werden, meist auch noch während ihrer Ausbildung bis maximal zum 25. Lebensjahr. Außerdem muss natürlich jeder Arbeitnehmer hierzulande krankenversichert sein. „Wer einen Wohnsitz in Deutschland hat, ist zur Absicherung im Krankheitsfall und bei Pflegebedürftigkeit gesetzlich verpflichtet“, betont Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Der Beitrag ergibt sich aus den gesetzlich festgelegten 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen sowie aus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag.
Wie sichert man seine Arbeitsfähigkeit ab?
Egal ob Krankheiten oder schwere Verletzungen – aus beiden kann resultieren, dass Betroffene ihren Beruf nicht mehr ausüben können und in der Folge in finanzielle Nöte geraten. Daher ist es umso wichtiger, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte Rente, wenn man seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu einem gewissen Grad (meist 50 Prozent) nicht mehr ausführen kann. „Je früher man sich um den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung bemüht, desto besser. Denn die Höhe der Versicherungsprämie ist neben der Berufseinstufung unter anderem auch vom Alter oder der gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Vertragsbeginn abhängig“, sagt BdV-Expertin Bianca Boss. Und je früher man sich um diese Versicherung bemüht und zu diesem Zeitpunkt auch noch gesund ist, desto größer ist die Chance, einen Vertrag ohne Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge zu bekommen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Wachstumsbremse Personalmangel
Was sollte man bei der Altersvorsorge bedenken?
Gerade für Berufseinsteiger, die erst einmal ihre Karriere vorantreiben wollen, ist die Vorsorge für das Alter ein Punkt, dem anfangs meist wenig Beachtung geschenkt wird. Der Fokus liegt häufig auf den ersten größeren Investitionen und Anschaffungen für das Leben – die Rente liegt schließlich noch in weiter Ferne. Doch es ist sinnvoll, sich rechtzeitig Gedanken über die Altersabsicherung zu machen. Denn wer am Ende seines Arbeitslebens ausschließlich die staatliche Rente bekommt, wird mit Einschränkungen leben müssen – schließlich fällt dann ein großer Teil des monatlichen Einkommens weg. Derzeit beträgt die durchschnittliche Rente rund 70 Prozent des letzten Netto-Gehalts. Prognosen zufolge sinkt dieses Niveau jedoch bis im Jahr 2030 auf unter 60 Prozent. Dabei kann die Rentenlücke noch deutlich höher ausfallen, etwa durch Zeiten geringer Beitragszahlungen in die Rentenkasse. Daher sollte man sich frühzeitig über Möglichkeiten einer zusätzlichen betrieblichen oder privaten Altersvorsorge informieren. Wer hier nicht rechtzeitig Maßnahmen ergreift, kann später von Altersarmut betroffen sein. Je früher deshalb mit dem Ansparen begonnen wird, umso besser verteilt sich diese zusätzliche finanzielle Belastung über die Jahre.
Braucht man eine Berufs-Rechtsschutzversicherung?
Ob Abmahnung, Kündigung oder ausbleibende Gehaltszahlungen: Anlässe, sich im Laufe des Arbeitslebens einmal mit seinem Arbeitgeber zu streiten, gibt es genug. Nach Angaben des Statistische Bundesamts kommt es jährlich zu mehr als 300 000 Klagen vor deutschen Arbeitsgerichten. Anders als bei anderen Rechtsstreitigkeiten im Zivilrecht muss man bei arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen seinen Anwalt auch dann selbst zahlen, wenn man gewinnt – und dann bleibt etwa von einer zugesprochenen Abfindung unterm Strich häufig nicht mehr viel übrig, heißt es beim Verbraucherportal Finanztip. Abhilfe verspricht eine Berufs-Rechtsschutzpolice, die Experten für durchaus sinnvoll halten. Entsprechende Verträge gibt es für Angestellte, Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte oder Rechtsanwälte gibt es spezielle Berufs-Rechtsschutzversicherungen. Wichtig zu wissen: Berufs-Rechtsschutzpolicen kann man meist nur in Verbindung mit weiter gefassten Privat-Rechtsschutzversicherungen abschließen. Und wenn Ärger absehbar ist, sollte man schnell handeln, denn die Leistungen der Versicherung kann man im Normalfall erst nach drei Monaten Wartezeit in Anspruch nehmen.
Wovon sollte man besser die Finger lassen?
Der Bund der Versicherten rät dringend davon ab, kapitalbildende Policen wie etwa Kapitallebensversicherungen abzuschließen. Denn die Lebensversicherer seien auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus nicht mehr dazu in der Lage, vernünftige langlaufende Verträge anzubieten. Die Einzigen, die vom Abschluss einer Kapitallebensversicherung profitieren, seien die Vermittler und die Versicherer selbst, warnt der Verbraucherschutzverein. Die meisten Versicherten würden hingegen draufzahlen. Nicht sinnvoll ist es außerdem, beruflich genutzte elektronische Geräte wie beispielsweise das Smartphone oder Tablet mit Versicherungen abzusichern. Entsprechende Policen werden häufig direkt beim Kauf im Elektrofachhandel mit angeboten – leisten aber im Schadensfall nur unzureichend oder gar nicht. Und abgesehen davon ist ein defektes Elektrogerät auch kein existenzielles Risiko, das man unbedingt mit einer Versicherungspolice absichern müsste.