Schutt und Geröll in Braunsbach: Durch heftigen Regen sind zwei kleine Bäche über die Ufer getreten und haben große Schäden verursacht. Foto: dpa

Licht und Schatten in der Naturkatastrophen-Bilanz: Es gibt weltweit weniger Tote zu beklagen – aber deutlich höhere Schäden.

München - Erdbeben und schwere Unwetter haben die Kosten durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr nach oben getrieben. Munich Re errechnete in den ersten sechs Monaten des Jahres Schäden von 70 Milliarden Dollar (63,4 Milliarden Euro) aus Naturkatastrophen wie Erdbeben, Dürren, Waldbränden und Überschwemmungen. Damit liegt der Schaden zwar über den 59 Milliarden Dollar (53,4 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr, aber deutlich unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 92 Milliarden Dollar (83 Milliarden Euro), wie der weltgrößte Rückversicherer in seinem halbjährlichen Bericht feststellte. Auch Versicherer und Rückversicherer müssen tiefer dafür in die Tasche greifen: Sie stehen für Schäden von 27 (2015: 19) Milliarden Dollar ein. Vor allem in Schwellenländern ist nur ein Bruchteil der Vermögenswerte versichert.

Für Experten ist klar, dass einige der Schäden auf den Klimawandel zurückzuführen sind. „Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Starkniederschläge in einzelnen Regionen in den vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden sind“, weiß Peter Höppe. So hätten zwischen 1951 und 2010 starke Regenfälle, die früher alle 20 Jahre einmal auf uns niedergeprasselt sind bereits um den Faktor 1,7 zugenommen, sagt der Chefrisikoforscher der Munich Re. „Daran dürfte der Klimawandel einen Anteil haben“, stellt er klar. Wärmere Luft bedeute mehr Verdunstung und damit mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Als Ende Juni in den Niederlanden tennisballgroße Hagelkörner viele Gewächshäuser zerstört und dabei einen Milliardenwert vernichtet haben, ging das mit der höchsten Luftfeuchte einher, die je im Nachbarland gemessen wurde.

Ablesen lässt sich die zerstörerische Kraft des Klimawandels auch an den gut 5,4 Milliarden Euro Schaden, den sintflutartige Regen zuletzt insgesamt europaweit hinterlassen haben. Davon war etwa die Hälfte versichert. Allein in Deutschland wurden durch die Sturmtiefs Elvira und Friederike Werte im Umfang von 2,6 Milliarden Euro zerstört, wovon aber nur 1,2 Milliarden Euro versichert waren. „Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht“, betont der Präsident des Versicherungsverbands GDV, Alexander Erdland.

Große Hitze und starke Gewitter erwartet

Eine Milliarde Euro mussten Versicherer für Häuser berappen, 200 Millionen Euro für Autos. Dabei haben im Bundesschnitt aber nur 40 Prozent aller Hausbesitzer eine Police gegen Elementarschäden wie Überschwemmungen versichert, obwohl Versicherungsschutz für 99 Prozent aller Häuser hier zu Lande problemlos zu haben wäre, sagt der GDV-Präsident. Nach einer Überarbeitung der heimischen Datenbank für Hochwassergefahren sind noch 139 000 Häuser der Hochrisikoklasse 4 zugeordnet, für die eine Police gegen Elementarschäden sehr teuer kommt. Zuvor waren es 197 000 von bundesweit gut 21 Millionen Adressen. In Zone 4 liegen Häuser, die im Schnitt alle zehn Jahre überschwemmt werden.

In den hiesigen Breitengraden werde es im zweiten Halbjahr erst einmal wie gewohnt mit großer Hitze im Wechsel mit starken Gewittern weitergehen, sagt Höppe voraus. Im globalen Maßstab sind es vor allem Wirbelstürme, die Versicherern Kopfzerbrechen bereiten. Angeheizt vom natürlichen Wetterphänomen La Nina erwarten Meteorologen in der zweiten Jahreshälfte eine Zunahme von Hurrikanen im Nordatlantik und Taifunen auf den Philippinen. Die entscheidende Frage ist, ob sie an Land gehen und dort große Schäden anrichten oder sich auf See austoben.

Einen Hinweis darauf, dass Katastrophenschutz wirkt, gibt die Zahl von 3800 Todesopfern bis Ende Juni. Zum Halbjahr 2015 waren 21 000 Menschen durch Naturkatastrophen gestorben, im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts 47 000 Menschen jährlich. Die finanziell höchsten Einzelschäden haben im ersten Halbjahr Erdbeben in Japan mit 25 Milliarden Dollar volkswirtschaftlichem und sechs Milliarden Dollar versichertem Schaden verursacht.

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