Kunst im öffentlichen Raum: Anna Staroselski (links) hat bei der zweiten Aktion des Jugendrats Süd sich ebenfalls künstlerisch betätigt. Foto: privat

Der Jugendrat verschönert zum zweiten Mal gemeinsam mit Graffiti-Künstlern Müllbehälter im Stadtbezirk und stößt damit auf große Begeisterung.

S-Süd - Was ist Kunst und was kann weg? Beim neuen Projekt des Jugendrats Süd stellt sich diese Frage nicht. Zum zweiten Mal haben die Jugendlichen gemeinsam mit drei Stuttgarter Street-Art-Künstlern Müll zu Kunst gemacht, besser gesagt: die Mülleimer im Stadtbezirk. Fünf weitere städtische Abfallbehälter hat die Gruppe von der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) für ihre Aktion genehmigt bekommen. An der Taubenstaffel, in der Böblinger Straße vor der Volksbank, am Marienplatz vor dem Rewe, vor der Finkenstaffel und in der Tübinger Straße bei Dinkelacker leuchten die Mülleimer nun in bunten Farben.

Weg mit den hässlichen Behältern

Die städtischen Mülleimer sind grau und hässlich, keine Frage. Diese zu verschönern, war aber nur ein Ansporn für den Jugendrat. Der Hintergrund der Aktion ist vielmehr, dass nach Ansicht der politischen Nachwuchsorganisation zu viel Müll auf den Straßen liegt und die städtischen Behälter oft überquellen. Darauf wollten die Jugendlichen aufmerksam machen. Das ist ihnen gelungen. „Die Passanten waren so begeistert, dass wir sogar mehrmals Spenden bekommen haben“, sagt Anna Staroselski, Sprecherin des Jugendrates Süd.

Auch auf unserer Facebook-Seite „Stuttgart-Süd“ wurde das Pilotprojekt vielfach gelobt. Von „Tolle Aktion“ über „wirklich super“ bis hin zu „Bitte auch im Stuttgarter Westen“ machen, reichten die Kommentare. Die Lobeshymnen haben die Jugendlichen sofort aufgegriffen und ihr Projekt in den gesamtstädtischen Jugendrat eingebracht. Auch die jungen Leute in anderen Stadtbezirken sollen zur Tat schreiten und gemeinsam mit den Graffiti-Künstlern die dortigen Mülleimer verschönern. „Wenn wir das schaffen, wird Stuttgart schon allein wegen seiner Mülleimer sehenswert“, ist Staroselski überzeugt.

Kooperativ hat sich bei der Aktion auch die AWS gezeigt. Der Jugendrat habe die gewünschten Standorte dem Unternehmen melden müssen. „Die wurden aber sofort innerhalb von zwei Stunden genehmigt“, sagt die 19-Jährige. Allerdings dürfen sie nur die alten, viereckigen Mülleimer mit den gelben Deckeln verwenden. Die sollen nämlich langfristig ausgemustert werden. Die Mülleimer sind deshalb nur für ein bis zwei Jahre schön. Die neueren Modelle seien schlecht zu besprühen, sagt Staroselski, die bei der zweitägigen Aktion dieses Mal selbst mit am Werk war. „Das Resultat lässt sich tatsächlich auch sehen“, findet sie.

Hauptakteure waren die drei Künstler. Peter Kosock hat die Jugendlichen schon beim ersten Mal unterstützt. Mit im Boot waren auch David Braschler und die aus Dänemark stammende Künstlerin Mona. Vor einiger Zeit fand sie ihren Weg nach Stuttgart und bemalt seitdem Straßen, Hauswände und nun auch Mülleimer. Hässliche Katzen im Straßenbild gehen meistens auf sie zurück, weshalb sie sich „The Ugly Cat Collection“ nennt.

Weniger Müll auf der Straße durch schöne Eimer

Der Bezirksvorsteher Raiko Grieb lobt die Aktion der Jugendlichen. „Das ist wirklich eine Bereicherung für den Stadtbezirk“, sagt er. Das Anliegen der Jugendlichen sei damit erreicht: Die Müllereimer fallen jetzt auf. Ausreden gibt es damit keine mehr. Allerdings sind sie jetzt so schön, dass sie für profanen Müll eigentlich zu schade sind.

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