Für 12 Euro dürfen sich die Besucher ihre Tasche mit allerlei Schätzen füllen. Foto: privat

Von Ziehharmonika bis Teeservice: Beim Verschenkmarkt finden sich die unterschiedlichsten Schätze. Die Organisatoren verfolgen mit der Veranstaltung zwei Anliegen. Welche, erklären sie im Interview

Waldenbuch - Auf den Tischen des Verschenkmarkts landet alles, was vorab gespendet worden ist. Statt dass die Gegenstände auf der Müllhalde das Zeitliche segnen, verlängern die ehrenamtlichen Helfer so das Leben von Brautkleidern, Brettspielen und Teddybären. Dadurch werden Ressourcen geschont, sagt Organisatorin Birgit Scholtes-Molnar.

Jedes Jahr veranstalten Sie den Verschenkmarkt, im Zuge dessen gebrauchte Gegenstände den Besitzer wechseln. Warum liegt es Ihnen am Herzen, dass Gebrauchtes ein neues Zuhause findet, statt im Müll zu landen?

Wir, unser Team aus etwa 30 ehrenamtlichen Helfern, machen das, um die Ressourcen zu schonen und der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen. Wir wollen Müll vermeidenund gut Erhaltenes bewahren. Alte und vermeintlich überflüssige Dinge bleiben dadurch viel länger in Gebrauch.

Dieses Jahr können die Besucher bereits zum 17. Mal auf dem Verschenkmarkt in Waldenbuch nach Schätzen zu suchen. Was hat Sie dazu bewegt, einen Verschenkmarkt zu veranstalten?

Grundidee war, gute Sachen nicht auf den Müll zu werfen, sondern jemandem weiterzugeben, der sich darüber freut und es auch gebrauchen kann. Aber uns ist auch das soziale Engagement, das dahintersteckt, wichtig. Geboren wurde dieser Verschenkmarkt vor 17 Jahren, um die Orgel der katholischen Kirche Sankt Martinus mitzufinanzieren. Es geht nicht nur um den Nachhaltigkeitsgedanken, sondern uns ist auch wichtig, dass wir durch diese Gegenstände Geld erhalten, mit dem wir anderen helfen können. Deshalb legen wir auch Wert auf das Eintrittsgeld. Letztes Jahr haben wir so 5000 Euro eingenommen, das wir an soziale und kirchliche Projekte gespendet haben.

Was für Schätze können die Besucher denn auf Ihren Tischen finden?

Es gibt Besucher, die kommen nur wegen der CDs. Auch Kinder kommen gerne vorbei, weil sie bei uns Unmengen an Spielen finden. Angeboten werden aber auch Haushaltsgegenstände, Kleidung, Bücher und vieles mehr. Es gibt auch Kurioses: Brautkleider zum Beispiel.

Jemand, der heiratet, sucht vermutlich eher nicht bei einem Verschenkmarkt nach seinem Brautkleid. Findet so etwas Außergewöhnliches überhaupt einen Besitzer?

Das geht wahnsinnig gut weg. Man wundert sich manchmal, was die Besucher alles gebrauchen können. Man weiß ja aber auch nicht, was damit passiert: Ob es die Leute selbst brauchen, ob sie es verkaufen oder weitergeben. Wir wundern uns schon manchmal und fragen uns, ob jemand, der 100 CDs mitnimmt, die wirklich alle selbst hört.

Ihnen werden die Waren ja geschenkt. Wie verhindern Sie, dass die Menschen bei Ihnen lediglich den Kruscht aus ihrem Keller abladen?

Wir schauen uns wirklich alles an, was gebracht wird. Wenn jemand mit einer Kiste voll mit abgebrannten Kerzen, Tassen mit Aufdruck oder nicht gespülten Blumenübertöpfen kommt, lehnen wir das auch ab und bitten denjenigen darum, es wieder mitzunehmen. Wir sehen die gute Absicht, aber wir müssen einfach aussortieren. Deshalb achten wir auch darauf, dass die Sachen sauber und funktionstüchtig sind.

Der Toaster hat eine Macke, bei der Stereoanlage fehlt eine Taste, beim Teeservice eine Untertasse. Warum sind diese Gegenstände trotzdem zu gut für die Tonne?

Meiner Meinung nach gehören die auf gar keinen Fall in die Tonne. Es ist schade, so etwas wegzuwerfen, nur weil etwas fehlt. Es wird sowieso viel zu viel neu gekauft. Was für ein Aufwand und welche Rohmaterialien benötigt werden, um Gläser herzustellen! Man kann auch große Freude an einem einzelnen Glas haben, wenn man es zum Beispiel als Blumenvase verwendet. Das ist nachhaltig und schont letztendlich die Ressourcen.

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