Vonovia hat jetzt mit den ehemaligen LBBW-Wohnungen Kasse gemacht. In Stuttgart ärgert man sich noch heute über den Verkauf im Jahr 2012. Foto: dpa/Marcel Kusch

Der Preis für die ehemaligen LBBW-Wohnungen ist seit dem umstrittenen Verkauf 2012 explodiert. Davon profitiert jetzt der Konzern.

Europas führendes privates Wohnungsunternehmen Vonovia hat für eine Minderheitsbeteiligung an seiner Firmentochter Südewo einen „verlässlichen Joint-Venture-Partner“ gefunden. Das Investmentunternehmen Apollo erwerbe knapp 30 Prozent für rund eine Milliarde Euro, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Die 21 000 Südewo-Wohnungen wurden Ende 2022 mit 3,3 Milliarden Euro bewertet. Weniger der Umstand, dass der Konzern glaubt, seinen diesjährigen Finanzierungsbedarf decken und den Bestand weiter „ kontrollieren, bewirtschaften und konsolidieren“ zu können, lässt in Stadt und Land aufhorchen, sondern der Wert des Portfolios.

 

Konsortium der Stadt verkalkulierte sich

Zur Erinnerung: Diese Wohnungen gehörten bis 2012 der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), an der die Stadt Stuttgart mit 18,9 Prozent beteiligt ist. Dann wurden sie auf Basis eines einstimmigen, aber umstrittenen Aufsichtsratsbeschlusses für 1,435 Milliarden Euro an die Südewo, eine Tochter des Augsburger Immobilienunternehmens Patrizia, veräußert. In zehn Jahren stieg der Wohnungswert also um 130 Prozent. Ein BW-Konsortium unter der Führung der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau GWG (59,9 Prozent), der Landeshauptstadt (25,1 Prozent) sowie der Bietigheimer Wohnbau, Flüwo Bauen Wohnen eG und die GSW Sigmaringen (je fünf Prozent) hatten nur 30 Millionen Euro weniger geboten – es gilt als die schwerste Niederlage in seiner Amtszeit für Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU), der den Bestand aus sozialen Gründen sichern wollte. Es ging um preisgünstige Wohnungen; in Stuttgart liegt die Hälfte im Nordbahnhofviertel. Ulm mit 1200 Wohnungen, Mannheim mit 1000, Karlsruhe mit 750 und Kornwestheim mit 700 zu den größten Standorten.

Nils Schmid war der Buhmann

Der LBBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter plädierte damals dafür, den Zuschlag an den Höchstbieter zu erteilen. Auf diese Linie hatte er dem Vernehmen nach die sieben Personalräte im Aufsichtsrat eingeschworen. Danach geriet vor allem die SPD im Land stark unter Druck. Ihrem Finanzminister Nils Schmid wurde vorgeworfen, seine Spielräume nicht genutzt und damit Sozialstandards auf Spiel gesetzt zu haben.

Ein Verkauf an den zweitplatzierten Bieter wäre laut EU-Wettbewerbskommissar Joaqín Almunia grundsätzlich möglich gewesen. Die Bank selbst erklärte, diesen Spielraum nicht gehabt zu haben. Die LBBW musste ihre Wohnungstochter auf Druck der EU-Kommission abgeben, weil ihre Gesellschafter sie in der Krise mit fünf Milliarden Euro gestützt hatten.

Schneller Weiterverkauf

Die Zusage, sich langfristig mit den erworbenen Wohnungen beschäftigen zu wollen, hielt Patrizia/Südewo nur drei Jahre ein. Dann unterbreitete die später in Vonovia umbenannte Deutsche Annington für die in der Südewo gebündelten Einheiten ein Angebot von 1,865 Milliarden Euro – ein Plus von 430 Millionen Euro, das man in Augsburg nicht ablehnen konnte. Die Vonovia verbuchte seitdem einen um 1,435 Milliarden Euro erhöhten Buchwert – exakt der Betrag, den die Landesbank seinerzeit für das ganze Portfolio kassierte.

Mieterbund forderte Wohnungskauf

Im vergangenen Jahr hatte der Mieterbund Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) aufgefordert, den Rückerwerb von 18 000 Wohnungen zu betreiben. Und die Stadt Stuttgart sollte 3500 Vonovia-Wohnungen kaufen, nachdem der Konzern angekündigt hatte, 67 000 Wohnungen in den nächsten Jahren zu veräußern. Das Linksbündnis im Gemeinderat unterstützte die Forderung des Mieterbundvorsitzenden Rolf Gaßmann und verwies auf den Beschluss von 2019, den Wohnungsbestand der eigenen Wohnungsbautochter SWSG von 19 000 auf 30 000 Wohnungen erhöhen zu wollen. Mit den Vonovia-Einheiten komme man dem einen großen Schritt näher, hieß es im Antrag.

Die Landeswohnungsbauministerin Nicole Razavi (CDU) hat der Forderung aber eine Absage mit dem Hinweis erteilt, „das wäre natürlich sehr teuer. Der Sündenfall des damaligen Wirtschafts- und Finanzministers Nils Schmid, das Tafelsilber einst zu verkaufen, lässt sich nicht wiedergutmachen“. Es werde keine einzige neue Wohnung entstehen. „Das Land ist auch nicht der bessere Vermieter.“