6100 Mitarbeiter der Bosch Verpackungstechnik wechseln den Arbeitgeber. Foto: Bosch

Für Boschs Verpackungstechnik ist ein Käufer gefunden: Die Beteiligungsgesellschaft CVC aus Luxemburg. 6100 Mitarbeiter erhalten damit einen neuen Arbeitgeber.

Stuttgart - Der Zulieferer Bosch trennt sich von seinem Geschäft mit der Verpackungstechnik. Käufer ist die Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners mit Sitz in Luxemburg. Die Verpackungstechnik, die mit weltweit 6100 Mitarbeitern – rund die Hälfte davon in Deutschland – gut 1,3 Milliarden Euro umsetzt, soll als Ganzes erhalten bleiben, schreiben Bosch und CVC in einer gemeinsamen Mitteilung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Zustimmung der Kartellbehörden sowie weitere Genehmigungen stehen noch aus. Den Abschluss der Transaktion erwartet Bosch zum Jahreswechsel.

Die Beschäftigten wurden in Mitarbeiterversammlungen über den Verkauf informiert. Am Stammsitz in Waiblingen haben sich am Freitag Vertreter von CVC den Beschäftigten vorgestellt. Zu der Delegation gehörte unter anderem Alexander Dibelius, Partner von CVC. Mit rund 900 Mitarbeitern zählt Waiblingen zu den großen Standorten der Verpackungstechnik. Dort werden unter anderem Füll- und Verpackungsmaschinen etwa für die Kaffee- und Molkereibranche entwickelt und Verpackungslösungen für Pharmazeutika gefertigt. Noch größer ist das Werk in Crailsheim mit gut 1100 Beschäftigten. Crailsheim ist der Fertigungsstandort für die Sparte Pharma. Der erste Eindruck des neues Eigners sei positiv gewesen, ist zu hören. CVC sei professionell aufgetreten und habe gute Ideen präsentiert. Von der IG Metall war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Überrascht wurden die Beschäftigten von der Nachricht nicht. Bosch hat bereits im vergangenen Sommer seine Verkaufsabsichten bekannt gegeben, um sich verstärkt auf die Bereiche Mobilität und Vernetzung über das Internet der Dinge zu konzentrieren. Damals wurde eine Vereinbarung zwischen Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretern getroffen, um die Zukunft der Beschäftigten und der deutschen Standorte für mehrere Jahre zu sichern. Vereinbart wurde damals etwa, dass Tarifbindungen für mindestens fünf Jahre nach dem Verkauf bestehen bleiben.

Unbegründet waren diese Sorgen nicht. Zwar war wurde die Verpackungstechnik-Sparte damals als „wertvolles Unternehmen“ bezeichnet, doch an einzelnen Standorten gab es wirtschaftliche Schwierigkeiten. So standen in Waiblingen etwa Stellen auf der Kippe, die über Abfindungen abgebaut werden sollen.

Gute aufgestelltes Unternehmen

„Die Bosch Verpackungstechnik ist ein gut aufgestelltes Unternehmen in einem attraktiven Markt mit langfristigen Wachstumsperspektiven“, kommentiert Alexander Dibelius, Partner von CVC, die Kaufentscheidung. „Gemeinsam mit dem Managementteam werden wir daran arbeiten, das Geschäft in den kommenden Jahren weiter zu entwickeln und noch wettbewerbsfähiger aufzustellen“, fügte er hinzu. Was er konkret damit meint, war nicht zu erfahren. Es gab lediglich Andeutungen. So hatte Bosch zuletzt in nachhaltige Verpackungstechnologien investiert, erläutert ein Sprecher von CVC. Diese Entwicklung soll beschleunigt werden. Unter welchem Namen dies dann stattfindet, sagte er nicht. Ob der Name Bosch weiter verwendet werden darf, blieb unklar.

Auch Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Packaging Technology GmbH, ist positiv gestimmt: „Meine Kollegen in der Geschäftsführung und ich sehen in der neuen Konstellation mit CVC eine große Chance für unseren zukünftigen Erfolg.“ Und auch Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung lobt die Lösung: „CVC hat uns mit seiner Erfahrung in der langfristigen Entwicklung von Unternehmen, seiner breiten Industrieexpertise und einem tragfähigen Konzept zur Weiterentwicklung des Bereichs überzeugt. Das vorgelegte Wachstumskonzept und die geplanten Investitionen sind vielversprechen“.

Die Beteiligungsgesellschaft CVC ist Angaben zufolge eine führende Beteiligungsgesellschaft mit 24 Niederlassungen in Europa, Asien und den USA und verwaltet derzeit mehr als 75 Milliarden Dollar (67 Milliarden Euro) an Kapital. Seit der Gründung 1981 haben die CVC Fonds weltweit mehr als 300 Investments in verschiedenen Branchen getätigt. Derzeit gehören zu den Fonds 75 Unternehmen mit zusammen gut 300 000 Mitarbeitern. In Deutschland gehört dazu etwa die Parfümeriekette Douglas. Aus dem Bereich Verpackungstechnik gehört bisher kein Unternehmen zu CVC.

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