Marion Eichmann inmitten ihrer präzise gestalteten Rauminstallation „Laundromat“ Foto: Simon Granville

Mit der Vernissage am 6. Februar beginnt die Werkschau der Berliner Künstlerin Marion Eichmann im Kleihues-Bau. Zu ihrer Kunst sagt sie: „Ich brauche die totale Herausforderung“.

Wer der Künstlerin Marion Eichmann zum ersten Mal begegnet, würde wohl eher vermuten, dass sie in der darstellerischen Kunst tätig ist, als Schauspielerin, Musikerin oder Tänzerin etwa. Sie hat so viel Ausstrahlung, Temperament und Begeisterung, dass sie selbst die beste Botschafterin für ihre Kunst ist. Und doch ist sie im Bereich bildende Kunst tätig, obwohl sie selbst sagt, dass sie sich selbst nicht immer im Klaren darüber war, ob sie in diesem Bereich oder in der Musik tätig werden würde. Letztlich gab den Ausschlag, dass sie schon „mit drei Jahren wusste, dass ich Künstlerin werden wollte“.

 

So spontan Marion Eichmann im persönlichen Gespräch auch wirkt – in ihrem Leben und in ihrer Kunst ist sie ein sehr strukturierter, reflektierter Mensch. Das fängt damit an, dass sie mit Terminverpflichtungen an mehreren Orten in verschiedenen Ländern jonglieren musste, um im Vorfeld ihrer Ausstellung im Kleihues-Bau in Kornwestheim den Termin für ein Pressegespräch und die Teilnahme an der Vernissage möglich zu machen, wie Oberbürgermeister Nico Lauxmann lobend anmerkt. Zeitgleich läuft die Kunstmesse in Karlsruhe, bei der sie mit Exponaten vertreten ist. Außerdem stellt sie gerade in Zürich aus.

Ideen kommen bei alltäglichen Beobachtungen

Die Werke, die Eichmann im Kleihues-Bau ausstellt, sind geprägt vom Spannungsfeld zwischen Spontaneität des ersten Eindrucks und der Entschlossenheit, die sie nicht ruhen lässt, bis ein Werk perfekt fertig gestellt ist. „Ich brauche die totale Herausforderung“, sagt sie selbst. Die Ideen zu ihren Werken kommen aus alltäglichen Beobachtungen. Der schwarze „Porsche 911“, der an der Wand links im Ausstellungsraum präsentiert wird, parkte einmal neben ihrem eigenen Auto. Als erstes entstehen dann Bleistiftskizzen, die allmählich farblich Gestalt annehmen.

Objekte aus dem Alltag, wie ein Porsche 911, stehen im Mittelpunkt. Foto: Simon Granville

Papier ist für Marion Eichmann jedoch nicht nur Untergrund für die farbliche Gestaltung ihrer Werke in klaren Grundfarben, sondern vor allem plastische Gestaltungsidee. Sie klebt hauchdünne Seiten „kostbares Papier“, wie sie selbst sagt, in vielen Schichten übereinander, bis ein täuschend echter dreidimensionaler Eindruck entsteht.

Werke mit verschiedenen Dimensionen

Die Rauminstallation „Laundromat“, die im Galerieraum so platziert ist, dass sie dem Eintretenden sofort ins Auge fällt, sieht aus wie ein Mittelding zwischen Waschsalon und Verkaufsausstellung für Waschmaschinen. Ein Jahr habe sie für die Recherche in Berlin gebraucht, erzählt die Künstlerin. Mit viel Humor und Liebe zum Detail hat sie etwa farbige Kleidung in Rotation plastisch umgesetzt. Bei dem halben Dutzend Frontlader-Waschmaschinen rechts daneben muss man sich dicht davorstellen, um die verschiedenen Dimensionen von Schwarz im Inneren der Trommel sehen zu können. Saskia Dams lobt denn auch die „unglaubliche Präzision“ der Ausführung. Von 2017 bis 2021 hat Marion Eichmann daran gearbeitet. „Zeit spielt keine Rolle“, sagt sie.

Beim Blick auf die weichen Konturen des großformatigen Blumen-Stilllebens an der rechten Seitenwand lohnt ein Blick von der Seite. Dort sieht man plastisch die Schichtungen im Papier. Denn dies ist allen Werken der Berliner Künstlerin gemeinsam: Hinter der scheinbaren Einfachheit des Dargestellten verbirgt sich immer noch eine zweite künstlerische und bedeutungsmäßige Dimension. „Marion Eichmann schult das Auge des Betrachters“, lobt Saskia Dams.

Die Künstlerin nimmt sich für ihre Kunstwerke viel Zeit. Foto: Simon Granville

Den Anfang dieser „Schule des Sehens“ bildet die Vernissage am Freitag, 6. Februar, um 19 Uhr. Saskia Dams berichtet erfreut, dass sie dazu und zur Ausstellung danach schon im Vorfeld so viele Anfragen von außerhalb hatte wie noch nie. Die Ausstellung läuft bis 5. Juli. „Längere Laufzeiten bei Ausstellungen sind allgemein jetzt im Trend“, verrät Dams. Eine Verlängerung wird es jedoch definitiv nicht geben. „Dann kommt gleich die nächste Ausstellung“, so die Museumsleiterin.