Die Gäubahn soll über den Flughafen in die City fahren. Foto: dpa/Kraufmann

Durch den Ausbau der Gäubahn würde Böblingen vom Fernverkehr abgehängt. Dagegen wehren sich insgesamt 15 Bürgermeister und der Landkreis. Sie fordern Alternativen.

Stuttgart - Die Reisezeit auf der Gäubahn Stuttgart-Singen könnte durch den Bau eineself Kilometer langen Tunnels vom Landesflughafen bis zum Halt Böblingen-Goldberg und weitere Ausbauten auf der Strecke um 20 Minuten auf 1 Stunde und Minuten verkürzt werden. So wäre der Deutschlandtakt mit festen Umsteigezeigen umsetzbar. Die Pläne dazu hat der Berliner-Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) aus dem Wahlkreis Ludwigsburg vergangene Woche vorgestellt. Der bisherige IC-Halt Böblingen würde dann aber entfallen, der Halt Singen/Hohentwiel durch den außerhalb der Stadt gelegenen Halt Singen/Landesgartenschau ersetzt werden.

Bedeutungsverlust für Böblingen

Bilgers Vorstellungen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung für den auf 2,1 Milliarden Euro veranschlagten Ausbau werden von Böblingens OB Stefan Belz (Grüne) und weiteren 14 Stadtspitzen aus den Kreisen Böblingen, Freudenstadt und Tübingen scharf kritisiert. Bilgers Bemühungen seien zwar „im Grundsatz erfreulich“, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben an den Staatssekretär, blendeten die Bedeutung Böblingens als Mobilitätsdrehscheibe für den Kreis und angrenzende Städte aber aus. Die Region Stuttgart und der Kreis hätten in den letzten zehn Jahren erheblich investiert, um in Böblingen eine „attraktive Anbindung an den Fernverkehr“ zu bieten. Belz verweist auf den Zubringer Schönbuchbahn und deren Elektrifizierung.

Die 15 Bürgermeister fordern von Bilger eine „kurzfristige Stellungnahme“ zu Planungsvarianten, mit denen der Fernverkehrshalt in Böblingen bestehen bleiben kann. Außerdem wollen sie wissen, wie der Lärmschutz für rund 30 Güterzüge, die in der Wirtschaftlichkeitsberechnung pro Tag auf der Strecke vorgesehen sind, gestaltet werden kann. Der Lärmschutz sei im dicht besiedelten Ballungsraum besonders wichtig, schreibt Böblingens Landrat Roland Bernhard. Es sei wichtig, die Stecke zu beschleunigen, so Bernhard, mögliche Verbesserungen im Nahverkehr könnten aber den Wegfall des Fernverkehrs für den Wirtschaftsstandort Böblingen/Sindelfingen nicht kompensieren, dieser sei „unabdingbar“, der Halt von IC-Zügen in Böblingen müsse daher bleiben.

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