Kein einziger Cent fehlte in Renate Höttermanns Geldbeutel, obwohl er 19 Stunden im Straßengraben lag. Foto: dpa-Zentralbild

Das war vielleicht ein Schreck für eine Senioren aus Leinfelden-Echterdingen. Sie hat ihre Tasche mit dem Geldbeutel verloren, als ihr Auto abgeschleppt worden ist. Gerade wollte sie ihre Bankkarte sperren lassen, da geschah etwas schier Unglaubliches.

Leinfelden-Echterdingen - Renate Höttermann kann ihr Glück kaum fassen. „Dass es in der heutigen Zeit noch so ehrliche Menschen gibt“, sagt die 80-Jährige. „Ich bin selig.“ Was hat sie so glücklich gemacht?

Vergangene Woche will die Seniorin aus Oberaichen ihr Auto nach Steinenbronn in die Werkstatt bringen. Doch auf dem Weg dorthin gibt das Gefährt seinen Geist auf. Bei Eiseskälte wartet die Frau auf den Abschleppdienst, der sie wieder zurück zum Parkplatz Seebruckenmühle bringt, wo ihr Sohn auf sie wartet. Erst am nächsten Morgen, als sie einkaufen gehen möchte, stellt sie fest: Ihr Stoffbeutel mit dem Portemonnaie ist weg! Renate Höttermann sucht alles ab, doch der Beutel bleibt verschwunden. Gerade als sie am Telefon ihre Bank bittet, die Geldkarte zu sperren, klingelt es an der Tür. „Da steht er. Ein Engel“, sagt sie.

Der Engel ist ein Lastwagenfahrer aus Fleisch und Blut, der den Stoffbeutel im Vorbeifahren am Straßenrand liegen sah. „Wahrscheinlich ist der Beutel beim Aussteigen aus dem hohen ADAC-Auto runtergefallen“, sagt die 80-Jährige. Sie rechnet, dass die Tasche 19 Stunden im Straßengraben gelegen haben muss. Dass der Lastwagenfahrer extra seine Route unterbrach, um ihr den Beutel nach Hause zu bringen, kann die Seniorin kaum fassen.

Im Geldbeutel fehlte nichts

Die 50 Euro, die im Geldbeutel waren, hatte der ehrliche Finder nicht angerührt. Nur mit viel Überredungskunst habe sie ihm einen Obolus als Dankeschön überreichen können. „Das war ja nur ein Klacks verglichen mit all den Scherereien, die ich sonst gehabt hätte.“ Trotzdem hat die Seniorin das Gefühl, sich nicht genug bei ihrem Helden bedankt zu haben. „Ich hoffe, dass er durch diesen Artikel ein klein wenig von meiner Freude und dem neuen Vertrauen in die Menschheit erkennt. Möge es viele solcher Engel geben.“

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