Szene aus Demis Volpis „Salome“: Elisa Badenes mit David Moore Foto: Stuttgarter Ballett

An diesem Dienstag wird in Moskau der Prix Benois de la danse verliehen. Bei der wichtigen Auszeichnung, die als Oscar der Ballettwelt gilt, sind mit Marcia Haydée und dem Haus-Choreografen Demis Volpi auch zwei Künstler des Stuttgarter Balletts nominiert.

Stuttgart / Moskau -

Zuletzt war Alicia Amatriain, Starsolistin des Stuttgarter Balletts mit der begehrten Trophäe aus Moskau zurückgekehrt. Nun wird in der russischen Metropole wieder um den Prix Benois, die wichtigste Auszeichnung der Ballettwelt, getanzt. Und da das Stuttgarter Ballett nach dem Erfolg v0n 2016 wieder mit von der Partie ist, wird die Gala im Moskauer Bolschoi-Theater mit Spannung verfolgt.

Das Schöne in diesem Jahr: Ein Preis ist den Stuttgartern schon vorab sicher. Nominiert ist nämlich neben dem Haus-Choreografen Demis Volpi, dessen „Salome“-Produktion aus der vergangenen Spielzeit Anklang fand, auch Marcia Haydée. Und während Volpi sich gegen starke Konkurrenten durchsetzen muss – unter ihnen die international renommierten Stars Akram Khan und Sidi Larbi Cherkaoui sowie der russische Choreograf Alexej Ratmanski als klarer Favorit –, hat Marcia Haydée den Preis für ihr Lebenswerk sicher. Als John Crankos Lieblingstänzerin und Schöpferin von Rollen wie der Tatjana in „Onegin“, dann als langjährige Direktorin des Stuttgarter Balletts und Förderin von Choreografen wie William Forsythe hat sich die ehemalige Stuttgarter Primaballerina im Jahr ihres 80. Geburtstags diese Auszeichnung mehr als verdient.

Rückschlag für Demis Volpi

Für Demis Volpi könnte die begehrte Trophäe, der Prix Benois de la danse gilt als Oscar der Ballettwelt, Balsam sein. Der heute 31-Jährige eilte in Stuttgart, nachdem ihm 2011 ein bilderstarker „Karneval der Tiere“ für die John-Cranko-Schule geglückt war, von Erfolg zu Erfolg, musste aber zuletzt einen Rückschlag hinnehmen: Ballettintendant Reid Anderson verlängerte seinen Vertrag nicht. Andersons Begründung, er sehe die wahre Begabung des Argentiniers nicht in der Choreografie, sondern vielmehr im Geschichtenerzählen, könnte in Moskau durch einen Prix Benois fragwürdig erscheinen. Und doch weiß man in Stuttgart, wo Volpi Benjamin Brittens Oper „Tod in Venedig“ Anfang Mai inszenierte, dass der gebürtige Argentinier dem Tanz selbst in seinem vom Publikum sehr geschätzten „Krabat“ eher wenig Raum gibt. In Moskau steigen die beiden Stuttgarter Solisten Elisa Badenes und David Moore für Demis Volpi in den Ring und tanzen den Pas de deux von Salome und Jochanaan.

Wäre Demis Volpi in Moskau erfolgreich, würde die dritte Benois-Statue nach Stuttgart gehen. Vor Alicia Amatriain holte Sue Jin Kang die begehrte Auszeichnung, die Koreanerin wurde 1999 für ihre Marguerite in Neumeiers „Kameliendame“ ausgezeichnet – und ist in diesem Jahr als Mitglied der achtköpfigen Jury am Entscheidungsprozess beteiligt. Ganz unbeteiligt ist Ballettkunst made in Stuttgart auch nicht in der Riege der beteiligten Tänzer: Misa Kuranaga vom Boston Ballet und Maria Riccetto vom Staatsballett aus Uruguay sind jeweils für ihre Interpretation der Tatjana in John Crankos „Onegin“ nominiert, Jae-Woo Lee vom Koreanischen Nationalballett für seine Karabosse aus Marcia Haydées „Dornröschen“.

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