Stapelweise Zeitungen:Der Verlegerverband BDZV rechnet mit einer Stabilisierung der Auflagen Foto: dpa

Der Verlegerverband BDZV rechnet 2015 mit einer Stabilisierung der Auflagen und Werbeerlöse im Printgeschäft. Hoffnungen setzen die Verleger auf digitale Angebote.

Berlin - Die Zeitungsverleger gehen die Zukunft mit größerem Optimismus an. Bei Auflagenentwicklung und Werbeumsätzen sei eine Bodenbildung erkennbar. Vorläufige Daten zum Anzeigengeschäft in 2014 deuteten auf eine Trendumkehr. 2013 waren die Werbeerlöse im Printgeschäft noch um 9,7 Prozent eingebrochen, die Auflagen sanken 2014 um vier Prozent. Bei den Auflagen rechnen die Verlage für 2015 nur noch mit einem leichten Minus von 1,7 Prozent, bei den Werbeumsätzen werde das Minus branchenweit noch 1,3 Prozent betragen. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, sagte in Berlin: „Endgültige Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor, wir wissen aber, dass im Dezember 2014 mehr Anzeigen geschaltet wurden als im Vorjahresmonat.“ Dies sind die verhalten positiven Nachrichten zum Kerngeschäft der Tageszeitungsverlage, die aus einer Studie des Branchenverbandes BDZV hervorgehen. Dafür hatte das Beratungsunternehmen Schickler Verleger und Geschäftsführer befragt.

Besonders viel Hoffnung setzt demnach die Branche auf digitale Geschäfte. In den nächsten drei Jahren rechnet die Mehrheit der Zeitungsmanager damit, dass die Erlöse aus ­E-Paper, Bezahlinhalten und digitaler Werbung jeweils um fünf Prozent im Jahr zulegten. 15 Prozent der Zeitungsmacher gehen davon aus, dass die Umsätze im Digitalgeschäft jedes Jahr sogar um über 20 Prozent anziehen werden. Peter Skulimma von Schickler sagte: „Im digitalen Geschäft beobachten wir viele Aktivitäten und neue Ideen der Verlage.“

Die hohe Verbreitung von Tablet-Computern sei der Grund dafür, dass die E-Paper-Auflage kräftig wächst. 2012 habe die ­E-Paper-Auflage bundesweit bei 276 000 Exemplaren gelegen, im vergangenen Jahr habe sie sich mit 667 000 Stück annähernd verdreifacht. Dies ist eine Steigerung um 55 Prozent im Jahr. 2012 hätten 124 Verlage ein E-Paper angeboten, inzwischen seien es 175.

Für die Zukunft zeichneten sich in der Branche zwei Trends ab. Zum einen würden viele Verlage neue Geschäftsmodelle entwickeln, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Kerngeschäft, also dem Verkauf und der Anzeigenvermarktung der gedruckten Zeitung, zu tun haben. Verlage würden sich etwa als Reiseveranstalter betätigen, Messen und Weiterbildungen durchführen oder im weiteren Sinne im Netz Dienstleistungen anbieten. Dabei würden sie gezielt den guten Ruf und das Vertrauen nutzen, das Zeitungen in der Bevölkerung haben. 40 Prozent der Verlagsmanager planten für dieses Jahr Projekte dieser Art, um neue Geschäftsmodelle aufzutun. Welche Bedeutung die Verlage diesem Bereich zumessen, das zeigt diese Zahl: Ein Drittel der größeren Verlage geht davon aus, dass 2018 die Hälfte des gesamten Umsatzes außerhalb des Kerngeschäfts Zeitung gemacht wird.

Der zweite Trend betrifft das Digital-Geschäft: Verlage wollen zunehmend mit Inhalten im Netz Geld verdienen. 2010 hatten nur acht Verlage Bezahlangebote, 2014 sind es bereits 103 gewesen. Jeder zweite Verlag will demnächst die Redaktionen um Technologieexperten aufstocken, die zum Beispiel Digital- und Druckangebote besser verzahnen sollen. 66 Prozent der Verlage plant in diesem Jahr neue digitale Angebote, die über klassische Seiten im Netz oder Apps hinaus gehen. Und jeder zweite Verlag will in digitale Geschäfte investieren, etwa durch eine Beteiligung an einem Start up.

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