Vorbild Berlin? Hier die innerstädtische Seilbahn, die dort 2017 zur IGA gebaut worden ist, und die nun fröhlich weitergondelt. Foto: dpa

Mit einer Seilbahn will die deutsche Stau-Hauptstadt München eine Hauptverkehrsstrecke entlasten. Möglichst schnell.

München - Ungebremst wächst in München alles: die Zahl der Einwohner, die Mietpreise, der Anteil der SUVs auf den Straßen. Nur die Staus können nicht mehr wachsen: Mit 51 Stunden Jahresdurchschnitt steckt man in Münchens Blechlawine schon heute länger fest als anderswo in Deutschland. Der ÖPNV fährt täglich an der Belastungsgrenze. Selbst wenn die zweite Stammstrecke der S-Bahn in ein paar Jahren fertig ist –sie ergänzt lediglich das eine Nadelöhr durch ein zweites.

Gibt’s Alternativen? Ja, denkt OB Dieter Reiter (SPD). Noch dieses Jahr will die Stadt die Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn in Auftrag geben. Auf 4,5 Kilometern Länge soll sie 50 bis 60 Meter hoch über dem stau-berüchtigten Frankfurter Ring im Stadtnorden schweben. 4000 Pendler könnten pro Stunde und Richtung befördert werden. Gedacht ist an eine Umlaufbahn, wie sie in München von den nahen Alpen jeder kennt. Die Gondeln kämen ohne nennenswerte Wartezeit direkt hintereinander; jede soll bis zu 32 Personen fassen – und wem das Reisetempo von 28 Stundenkilometern zu lahm vorkommt, den erinnern die Verkehrsforscher daran, dass er per Auto während der Stoßzeiten nur ein Drittel so schnell unterwegs ist. Wenn überhaupt.

Seilbahnen werden langsam in Mode in Deutschland. Während jedoch die Planungen etwa in Stuttgart oder in Leonberg eher schleppend voran kommen, sieht die Stadtverwaltung München nur Vorteile in einer Seilbahn. Sie kostet viel weniger als eine U-Bahn, braucht kaum Fläche, und sie wäre in nur zwei Jahren Bauzeit fertig. Im Jahr 2023 könnte die Anlage startklar sein, sagt der Oberbürgermeister. Und kein Anwohner müsse befürchten, dass ihm täglich tausende von Fahrgästen in die Wohnung glotzten: Die Bahn liege einfach höher. Längst finden auch Umlandgemeinden, vom Pendlerverkehr geplagt, Interesse an den hochgespannten Plänen. Das Verkehrsministerium hat sogar schon einen 68-seitigen Leitfaden für Kommunen in „Bayern, dem Seilbahnland Nummer Eins in Deutschland“ veröffentlicht. Jetzt müssen die Planungen nur noch mit dem Ministerpräsidenten abgestimmt werden. Markus Söder setzt auf Lufttaxis. Und bevor die sich in irgendwelchen Seilen verheddern...

Konkurrenz in der Luft

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